Reject All

Immer mehr Website-Betreiber passen ihre Cookie-Banner an, damit Nutzer*innen die von ihnen ungeliebten Datenkekse leichter ablehnen können. Diese zunehmende Cookie-Verweigerung kann nämlich auch eine Chance für Marketer sein.
Cookies
Im Cookie-Banner vieler Webseiten hat sich etwas getan. ©Shutterstock

Ist es Ihnen schon aufgefallen? Immer mehr Cookie-Banner bieten plötzlich die Option „Alle Cookies ablehnen“. Ein Trend, mit dem die Anforderungen der DSGVO konsequent umgesetzt werden. Entscheidend vorangetrieben hat diese Entwicklung wahrscheinlich eine Beschwerdewelle, die von noyb im Frühjahr 2021 initiiert wurde.

Noyb ist eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Wien, die sich dafür engagiert, Datenschutz innerhalb der EU durchzusetzen. Damals hatte die Organisation mit einer eigens entwickelten Software mehr als 3.600 Webseiten gescannt und überprüft, ob die Einwilligungs-Banner dieser Seiten gegen die DSGVO verstoßen. Auf dieser Basis brachte man mehr als 700 Beschwerden in ganz Europa ein.

Heute, rund 1,5 Jahre später, zeigte ein neuer Scan von nyob, dass mehr als die Hälfte der Seiten ihre Banner verbessert hat – und zwar nicht nur Websites, gegen die man juristisch vorgegangen ist: Auch knapp die Hälfte der Seiten einer Stichprobe, die keine Beschwerde erhalten hatten, haben den Datenschützer*innen zufolge ihre Cookie Banner verbessert. Laut noyb wurden bisher nur Websites betrachtet, die Onetrust als Consent Management Platform (CMP) benutzen. In den kommenden Monaten soll das Projekt auf Seiten ausgeweitet werden, die andere CMPs verwenden. Die „Reject all“-Option dürfte sich also weiterverbreiten.

Alternativen rücken in den Fokus

Diese Entwicklung macht wieder einmal deutlich – Alternativen zum Cookie müssen her. Das profilbasierte Targeting gehört auf den Prüfstand; alternative Targeting-Daten sind eine Überlegung wert. Wetterdaten, Verkehrsdaten, Standortdaten oder auch Kontextdaten eröffnen kreative Ansprache-Möglichkeiten. Möbelgeschäfte werden beispielsweise gern bei schlechtem Wetter besucht. Wer ein paar Tage vor dem Tiefdruckgebiet passende Kampagnen ausspielt, hat gute Chancen auf mehr Kundschaft. Ebenso können je nach Wetterlage spezielle Produkteigenschaften in den Fokus einer Kampagne gestellt werden.

Der Kontext eines Standortes – Restaurant, Tankstelle, Museum, Fitnessstudio, et cetera – lässt Rückschlüsse auf die Interessen zu und kann für das Targeting nützlich sein. Auf Websites dürfte der Kontext ohnehin eine immer wichtigere Rolle für die Werbeansprache spielen. Marketing Tech ist längst in der Lage, die Inhalte einer Website semantisch zu analysieren und daraus Rückschlüsse auf die Zielgruppe zu ziehen. Wohin die Reise geht, ist noch nicht absehbar – aber: Ausprobieren ist besser als den Cookies beim Sterben zuzuschauen.

Schon gehört?

In Down Under ist IT-Sicherheit aktuell das beherrschende Thema der Fachpresse. Im September wurden dem australischen Telko-Anbieter Optus bis zu zehn Millionen Kund*innendaten bei einem Hackerangriff gestohlen. Wenige Wochen später wurde der australische Krankenversicherer Medibank gehackt. Hacker konnten auf alle Kund*innendaten der Firma zugreifen – rund 200 Gigabyte Daten von fast vier Millionen Kund*innen. Jetzt verschärft die australische Regierung die Datenschutzgesetze und erhöht die Strafen für Verstöße drastisch. Unternehmen sollen so gezwungen werden, Sicherheitslücken zu schließen und ihre riesigen Datenmengen besser zu schützen.

Hierzulande zieht das werbefinanzierte Streaming weiter Interesse auf sich. Grund ist das günstige Netflix-Abo mit Werbung, das jetzt verfügbar ist. L‘Oréal Deutschland hat seine erste Werbekampagne auf Netflix bereits gestartet. Seit dem 3. November setzt die Agentur Wavemaker die L‘Oréal-Marken Armani, L‘Oréal Paris und YSL Beauté für die Netflix-Zielgruppe in Szene, die über das lineare TV nur noch schwer zu erreichen ist. Einer Studie von Samsung Ads zufolge verzeichnen werbefinanzierte Streamingdienste insgesamt seit Anfang 2022 einen Zuwachs um fünf Prozentpunkte.

Übrigens: Im Gegensatz zum Streaming gibt es auch Produkte, die sich nicht vermarkten lassen – weil es sie noch gar nicht am Markt gibt. Vielleicht wird es sie auch nie geben, weil sie sich nicht vermarkten lassen. Aber wer weiß das schon

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