Gute Argumente für nachhaltige Produkte

Wer sich über Nachhaltigkeit Gedanken macht, hat schnell ein schlechtes Gewissen. Dagegen lässt sich etwas tun. Außerdem: Wie Otto Strom spart und warum LinkedIn-Kommentator*innen mal die Kirche im Dorf lassen sollten.
Damit das Meer sauber bleibt, braucht es mehr Nachhaltigkeit - im Denken wie im Handeln. ©Unsplash/Tracy Isles

Ist Ihnen auf LinkedIn schon das Video mit den lustig dem Meer umherwimmelnden Minischildkröten aufgefallen? Es handelt sich um Werbung des globalen Vermögensverwalters Blackrock. Thema: Biodiversität. Auf seiner Website wirbt Blackrock offensiv mit seiner Positionierung als „Vorreiter für nachhaltiges Investieren“ und der Botschaft: „Langfristige Wertschöpfung durch verantwortungsvolles Investieren“.

Nachhaltigkeit und Finanzanlagen – das ist für viele Menschen noch eine schwierige Gemengelage: Das Thema Geldanlage tauge in der Regel nicht gerade für Partygespräche, sagt Christian Lienke, Sprecher der Fondsgesellschaft Union Investment. 

Und Nachhaltigkeit? Denkt man über sie nach, fallen einem sehr schnell sehr viele monumentale Probleme ein, an denen man ja durch den eigenen Lebensstil eine Mitschuld trägt. Die Folge: Angst, schlechtes Gewissen, Überforderung, Ohnmacht – und somit nicht der emotionale Mix, der einen in Kauf- oder Investitionslaune versetzt. 

Neue Nachhaltigkeitsregeln

Die Finanzdienstleistungsbranche muss künftig beides zusammenbringen. Neben dem gesellschaftlichen Trend treiben strikte EU-Regularien diese Entwicklung: Seit August 2022 sind Anbieter zum Beispiel dazu verpflichtet, bei der Anlageberatung die Nachhaltigkeitspräferenzen von Privatkund*innen abzufragen. Es gilt, eine Win-win-Situation herzustellen, bei der sowohl die Investierenden als auch Globus und Gesellschaft profitieren. Geld in die gute Sache zu versenken, ist jedenfalls nicht das Ziel. „Rendite und Sicherheit dürfen nicht außer Acht gelassen werden, sonst könnten die Menschen ja auch gleich spenden“, sagt Lienke.

Allerdings: Viele Menschen verbinden eine nachhaltige Geldanlage erst einmal mit Verzicht auf Rendite. Das hat Psychologe Johannes Dorn vom Rheingold Institut in einer Studie für die Union Investment herausgefunden. Schließlich, so der Irrglauben vieler, kann es ja nicht angehen, dass mit Geldanlagen nicht nur die gute Sache gefördert, sondern auch noch gute Rendite eingefahren wird. Um derlei Denkmuster zu überwinden, empfiehlt Dorn, auch auf die Selbstwirksamkeit zu verweisen.

Nachhaltigkeit mit neuer Relevanz in der Krise

Die Werbebotschaft muss also lauten: Jede*r kann sein Geld so investieren, dass sie oder er zugleich etwas für eine lebenswerte Zukunft tut und Gewinn daraus schöpft. „Nachhaltige Produkte können so eine emotionale Entlastung bieten, und der Ohnmacht angesichts der umfassenden globalen Herausforderungen etwas entgegensetzen“, erklärt der Psychologe.

Das gilt übrigens nicht nur für die Finanzdienstleister, sondern auch für andere Branchen. Und es gilt auch in Krisenzeiten. Im Webinar zur Studie erklärte Dorn, dass Nachhaltigkeit angesichts der Krisen unserer Zeit eine neue Relevanz bekomme. „Jetzt gucken wir, wie wir unsere Wohnungen warm bekommen, und akzeptieren vielleicht auch mal kurz Atomstrom oder fossile Energie, aber das ist maximal eine kleine Delle – das Thema Nachhaltigkeit wird breiter werden.“

Mal ehrlich: einfach eine gute Idee

Investment-Experte Lienke verweist übrigens darauf, dass den Deutschen bei nachhaltigen Geldanlagen soziale Aspekte extrem wichtig sind, also zum Beispiel, wie Unternehmen mit ihren Mitarbeitenden umgehen.

Für einen – Achtung: Themawechsel – richtig guten Umgang mit seinen Leuten ist der Hamburger Otto-Konzern bekannt. Umso merkwürdiger waren manche Kommentare zu einem LinkedIn-Post von Katy Roewer. Die Otto-Bereichsvorständin Service & HR hatte darüber geschrieben, was das Unternehmen tut, um Energie zu sparen – nämlich die Mitarbeitenden, die ins Büro kommen, auf ausgewählten Flächen zu platzieren und im Gegenzug einzelne Gebäude komplett herunterzukühlen. „Das geht nur“, schreibt Roewer, „weil wir seit Jahren hybride Arbeit fördern, Desk-Sharing nutzen und viele Kolleg*innen sehr flexibel arbeiten können.“

Diese Energiesparmaßnahme ist schlicht eine gute Idee. Und absurd ist der Vorwurf in der Kommentarspalte, hier wälze ein Unternehmen Energiekosten auf seine Belegschaft ab. Jetzt mal ehrlich: Können wir die Kirche im Dorf lassen?

Eine gute Woche noch, und behalten Sie die Zukunft im Blick!

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