Brief an mein jüngeres Ich, Folge 6: Jörn Strehlau

Jörn Strehlau ist seit März 2022 Vorstandschef der European netID Foundation. Davor war der Programmatic-Experte für das Deutschlandgeschäft der zur GroupM gehörenden programmatischen Plattform Xaxis verantwortlich. In seinem Brief an sein jüngeres Ich blickt er für die absatzwirtschaft in seine eigene Vergangenheit.
Heute sorgt Jörn Strehlau für eine nutzerkontrollierte und datenschutzfreundliche Datenverarbeitung. (© privat (Montage: Olaf Heß))

Lieber Jörn, 

die schlechte Nachricht zuerst: Leider wirst du kein Fußballprofi werden. Dein Talent reicht noch nicht mal für einen mittelklassigen Amateur. Das wird dir aber nicht so viel ausmachen. Dafür wirst du als Erwachsener fast den ganzen Tag vor deinem Computer sitzen und dafür sogar noch Geld bekommen. Klasse, oder? 

Viel Zeit für Computerspiele wirst du nicht haben, aber auch kein Interesse mehr daran. Der Computer und das Internet werden dein Beruf. Nicht nur Teil deines Berufs, wirklich dein Beruf. Du wirst mehr mit einem Bildschirm reden als in die Augen anderer Menschen schauen. Genieß also jetzt deine Zeit mit deiner Familie, deinen Freunden und beim Fußball! 

Mit deiner ersten Liebe wirst du lange Zeit eine Fernbeziehung führen. Über tausend Kilometer wird sie von dir entfernt sein, doch glücklicherweise gibt es das Internet. Du wirst über Monate hinweg nur über ICQ Kontakt zu ihr haben. Das kennst du jetzt noch nicht. Und heute gibt es das nicht mehr – dennoch wirst du sehr dankbar dafür sein. 

Jörn Strehlau ist CEO der European netID Foundation. (Quelle: privat)

Die digitale Welt begleitet dich dein ganzes Leben lang, erleichtert dir vieles und eröffnet dir ungeahnte Möglichkeiten. Aber „oh oh“ (diesen Witz verstehst du erst in 15 Jahren), pass auf, denn gefährlich ist sie auch! Jeder kann deinen Browserverlauf einsehen, wenn du ihn nicht löschst. Und auch Cookies bleiben beinahe ewig auf deinem Rechner gespeichert. Deine Eltern bekommen also fast alles mit, was du im Internet so anstellst. Das wird unheimlich und peinlich. 

Vielleicht kommt daher deine Leidenschaft für nutzerkontrollierte und datenschutzfreundliche Datenverarbeitung. Glücklicherweise ändert sich zumindest das mit den Cookies gerade – und du wirst Teil dieser Veränderung sein. Gemeinsam mit vielen anderen wirst du dafür sorgen, dass das sogenannte „Tracking“ transparenter und nutzerfreundlicher wird. Und das wird dir Spaß machen, auch wenn du dir das jetzt noch gar nicht vorstellen kannst. 

Pass auf dich auf, hab viel Spaß und lösch deine Cookies! 

Liebe Grüße 

Dein Jörn 


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