AWA-Studie: Gute Werte für Wochenzeitungen und Spezialisten

Die Reichweitenverluste für Printmedien halten sich laut aktueller AWA in Grenzen. Je nach Segment, Qualität und Positionierung der Titel ist die Entwicklung uneinheitlich. Die Bereitschaft, für Informationen im Internet zu bezahlen, bleibt zurückhaltend. Allerdings: Das Potenzial der Interessierten ist größer als das der aktuell zahlenden Nutzer.

Überregionale Zeitungen mit stabilen Werten

Den vier überregionalen Tageszeitungen „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine“, „Die Welt“ und „Handelsblatt“ bescheinigt die AWA eine nahezu konstante Entwicklung. Sie ziehen aktuell rund 3,3 Millionen Leser an, 2005 lag die Bruttozahl bei 3,26 Millionen. Für die „SZ“ und das „Handelsblatt“ zeigt sich dabei der jüngste Trend freundlicher als für die beiden anderen Titel.

Auffallend: Die Wochenzeitungen und ihre Supplements liegen deutlich im Plus. Sechs von sieben Titeln haben gewonnen, am stärksten „Chrismon“ (plus 20 Prozent) und „Zeit Magazin“ (plus 13 Prozent). Auch „VDI Nachrichten“ (9 Prozent), „SZ Magazin“ (8 Prozent), „Die Zeit“ (4 Prozent) und „Welt am Sonntag“ (3 Prozent) verbuchen mehr Leser, lediglich die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ büßt 6 Prozent ihres Publikums ein.

Wochenmagazine entwickeln  sich uneinheitlich

Uneinheitlich vollzieht sich die Entwicklung bei den drei großen Wochenmagazinen „Focus“, „Spiegel“ und „Stern“. Zu Spitzenzeiten lag die Reichweite des „Focus“ bei deutlich über 5 Millionen Lesern, seit 2005 neigt sich die Kurve deutlich abwärts, jedoch scheint sich bei aktuell 3,4 Millionen Lesern zumindest eine Talsohle zu bilden.

Beim „Spiegel“ sind die Schwankungen längst nicht so ausgeprägt. In diesem Jahrtausend schaffte es das Nachrichtenmagazin in der Spitze auf gut 6,1 Millionen Leser. Der Tiefpunkt wurde 2015 mit 5,3 Mio. erreicht, jedoch ist die Reichweite danach wieder deutlich gestiegen. Beim „Stern“ ist eine Trendwende bislang ausgeblieben. 2005 lasen 8,4 Millionen Menschen das Wochenmagazin, seither hat es kontinuierlich an Publikum verloren. Allein seit 2010 ergibt sich ein Minus von 11 Prozent auf nun 6,7 Millionen Leser.

Gewinner und Verlierer

Bildschirmfoto 2016-07-07 um 10.50.46Relativ am meisten gut gemacht hat „The Red Bulletin“ mit einem Zuwachs von 41 Prozent. Allerdings weist das Lifestyle-Magazin mit 240 000 Lesern eine der geringsten absoluten Reichweiten auf. Prozentual große Sprünge zu machen, fällt den kleineren und spezialisierten Titeln leichter, wie auch an den in der Wachstumsrangliste folgenden Zeitschriften zu sehen ist: Nach „Einfach Hausgemacht“ und „Mountain Bike“ (jeweils plus 38 Prozent) reihen sich hier „Bike“ (33 Prozent), „Boote“ (28 Prozent) und „Happinez“ (27 Prozent) ein, ehe mit „Landidee“ (22 Prozent) das erste Magazin mit einer siebenstelligen Reichweite kommt.

Bei den Verlierern, gemessen an absoluter Reichweite, zeigt sich, dass es vor allem die Großen sind, die Einbußen verkraften müssen. Gleich 560 000 Leser sind „TV Spielfilm plus“ abhandengekommen, bei „Bild am Sonntag“ sind es 480 000 und bei „Bild mit B.Z.“ 380 000. Allerdings erreichen diese Titel immer noch jeweils zwischen 5 und 8,5 Millionen Leser. Schmerzhafter ist da schon das Minus von „PC Welt“. Das Computermagazin hat 340 000 Leser eingebüßt – und das ausgehend von einer Vorjahresbasis von 900 000. Sprich: Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der „PC Welt“-Leser haben sich binnen eines Jahres verabschiedet.

Bildschirmfoto 2016-07-07 um 10.51.02Unter den Neu- und Wiedereinsteigern in der AWA weisen nur die vereinigten Stadtillustrierten der „Metropolen Connection“ eine siebenstellige Reichweite auf (1,59 Mio.), „Garten Flora“ aus dem Deutschen Bauernverlag bleibt mit 940 000 Lesern knapp darunter, ebenso wie „Psychologie Heute“ aus dem Beltz Verlag mit 800 000.