Weltweiter Goldrausch

Metaverse und NFT sind zwei Begriffe, die (noch) nicht einmal der Duden kennt. Sollten Marken frühzeitig auf den Zug aufspringen? Unbedingt, findet die Verfasserin unseres Meinungsbeitrages.
Irena Nikic-Cemas ist Consultant, Dozentin für strategisches Marketing und promovierte XR-Expertin. ©privat (Montage: Olaf Heß)

Metaverse als omnipotentes, digitales Kommunikations- und Präsenzkonzept läutet unaufhaltsam die Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft ein. Es entsteht eine parallele Welt, frei nach dem Motto „Nichts ist virtuell unmöglich“. Hier wird man alles tun können, was auch heute in der echten Welt möglich ist. Eine virtuelle Infrastruktur ermöglicht die Befriedigung unternehmerischer und sozialer Bedürfnisse wie Handel von Gütern und Dienstleistungen, arbeiten, soziale und geschäftliche Kontakte knüpfen sowie Fort- und Weiterbildung.

Mit den Metaversen von Tech-Riesen wie Meta, Google, Microsoft oder Alibaba winkt ein gewaltiger globaler Markt mit neuen Geschäftsmodellen und hohen ökonomischen Potenzialen. Ein weltweiter Goldrausch ist ausgebrochen, der branchenübergreifend euphorisiert. Unternehmen aus Branchen wie Finanzen, Immobilien oder Handel schnuppern das große Geschäft mit NFTs. Das Metaverse zieht zunehmend die Aufmerksamkeit von Anlegern auf sich, da hohe Renditen winken. Start-ups finden neue Geschäftsmodelle zum Aufbau und zur Nutzung virtueller Umgebungen. So hat zum Beispiel das von Sony unterstützte Start-up H2L Anfang 2022 ein Armband auf den Markt gebracht, das die Körperbewegungen der User*innen direkt auf ihre Avatare überträgt und sie die gegenständliche Präsenz virtueller Objekte spüren lässt.

Käufer*innen werden zu Co-Ceator und Co-Brander

Es entsteht eine neue disruptive Generation des E-Commerce mit virtuell begehbaren Einkaufsstätten. Dort können Marken eindrucksvoll und hautnah in Szene gesetzt werden. Die Abgeschiedenheit der User*innen von der Außenwelt, die hohe Emotionalisierung und die Konzentration auf die angebotenen Inhalte erhöhen den Werbeerfolg. Im Marketing wird sich die Rolle der Käufer*innen deutlich verändern. Sie werden zunehmend zum „Co-Creator“ und „Co-Brander“, sodass Werbe- und Produktideen kooperativ entwickelt werden.

Shops können zu jeder Zeit standortunabhängig virtuell besucht und die Produkte vor dem Kauf nach dem Prinzip „Try before Buy“ ausprobiert werden. Mode kann mittels virtueller Umkleidekabinen begutachtet und konfigurierte Autos in einer virtuellen Fahrt getestet werden. Bei Multi-User*innen-Anwendungen steht auch dem Shopping mit Freund*innen nichts im Weg. Die reale Welt wird sukzessive mit der digitalen verschmelzen. Das Rezept für ein optimales Markenerlebnis und -wachstum liegt darin, aus einem profunden Nutzer*innenverständnis heraus, kreative Aktivierungsmaßnahmen mit einer kohärenten und konsistenten Marken- und Datenstrategie sowie Techno­logie-Expertise zu vereinen.


Dieser Meinungsbeitrag ist Teil unserer Rubrik „Pro und Kontra“. Denn es gibt immer zwei Seiten der Medaille: die Kontra-Seite hat Thomas Riedel in seinem Beitrag beleuchtet.

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