Sexismus in der Werbebranche bleibt bestehen

Der Ad Girls Club kämpft gegen Sexismus in der Werbebranche. Zwar scheint sich das Problem zu verbessern, allerdings wirkt es abschreckend auf Mitarbeitende der Branche. Das zeigt die Ad Girls Club Umfrage 2022.
Mit dem Ad Girls Club kämpfen Isabell Gabor (l.) und Lisa Eppel (r.) gegen Sexismus in der Werbebranche. ©Valerie Schmidt

Die Werbebranche hat ein Sexismusproblem. Mit dieser Prämisse gründeten Lisa Eppel und Isabel Gabor 2020 den Ad Girls Club, der seitdem gegen Sexismus in der Werbung kämpft. Mit dem Ad Girls Club Manifest und einer Umfrage machten sie auf die Thematik aufmerksam. Was sich seither verändert hat, zeigen die Ergebnisse einer neuen Umfrage.

Denn in der Problemdefinition waren sich 2020 fast alle einig: Damals konstatierten 96 Prozent der Teilnehmenden der Werbebranche ein Sexismusproblem. Dieses Jahr sind es noch 81 Prozent. Das Problem scheint weiterhin zu bestehen – und zwar in gravierender Form. Ganze 46 Prozent geben an, dass das Sexismusproblem ein Grund wäre, die Branche zu verlassen.

Sexismus verschärft Branchenprobleme

Das ist nicht nur schockierend, weil Sexismus niemanden zum Jobwechsel treiben sollte. Überdies ist es fatal für eine Branche, die unter akutem Fachkräftemangel leidet. Das meint auch Isabel Gabor: „Wir sprechen immer davon, unsere Branche für den Nachwuchs attraktiver zu machen. Der erste Schritt muss aber sein, Mitarbeitende zu halten. Und das geht nur mit klar definierten Maßnahmen z.B. für mehr Gleichstellung und Gleichberechtigung.“

Schließlich gehen mit Sexismus am Arbeitsplatz erhebliche Nachteile für Frauen einher. Dies untermauern die Ergebnisse der Umfrage: 76 Prozent der Teilnehmenden geben an, dass Frauen in der Werbung weniger verdienen. Zudem gehen 43 Prozent davon aus, dass sie schlechtere Karrierechancen haben. 76 Prozent der Frauen wiederum glauben, dass ein Kind einen negativen Einfluss auf die Karriere hat oder haben wird. Außerdem sind ganze 61 Prozent der Meinung, dass Frauen weniger ernst genommen werden als Männer.

Werbebranche hat sich verändert, aber nicht überall

Im Manifest forderte der Ad Girls Club vertrauensvolle Ansprechpersonen am Arbeitsplatz. Denn Sexismusprobleme bleiben allzu oft unausgesprochen. Jedoch haben laut Umfrage nur 48 Prozent eine vertrauensvolle Ansprechperson. 61 Prozent der teilnehmenden Frauen haben das Gefühl, Sexismus in ihrer Agentur offen ansprechen zu können. Nach dem Manifest scheinen sich vor allem die Agenturen bewegt zu haben, die das Manifest unterschrieben. So haben in den Manifest-Agenturen 73 Prozent der Teilnehmenden eine vertrauensvolle Ansprechperson. In den anderen Agenturen liegt dieser Wert bei 37 Prozent.

Forderungen bleiben weiterhin relevant

“Auch, wenn sich viele Zahlen verbessert haben, ist dies noch lange kein Grund zur Freude. Die strukturellen Ungleichheiten sind immer noch deutlich zu erkennen“, betont Lisa Eppel. Wichtig sei auch zu betonen, dass sie in der Umfrage nur eine Dimension von Diskriminierung betrachtet haben. Der Ad Girls Club fordert daher weiterhin einen konsequenten Kampf gegen Sexismus.

Methode

Für diese Umfrage wurden über 1.480 Teilnehmer*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Die Geschlechterverteilung lag bei 78 Prozent Frauen, 21 Prozent Männern und 1 Prozent Divers, die Altersspanne zwischen 18 bis 64 Jahren. 28 Prozent aller Teilnehmenden arbeiten in Agenturen, die das Ad Girls Club Manifest unterschrieben haben.