Empfehlungen von Peter Figge (Jung von Matt)

Hier stellen Marketing- und Agenturentscheider*innen Fundstücke aus der Welt der Medien vor, die sie inspirieren. Heute: Peter Figge, Chef der Werbeagentur Jung von Matt
Peter Figge, Geschäftsführer von Jung von Matt, und seine Inspirationsquellen. ©Jung von Matt (Montage: Olaf Heß)

Von Peter Figge, Geschäftsführer, Jung von Matt

Bap e Figl – Vater und Sohn

Dumeng Giovanoli war einer der weltbesten Skirennfahrer und danach mehr als drei Jahrzehnte Gastgeber und Koch in der familieneigenen Pensiun Privata in Sils Maria im Engadin. Sein Sohn Gian Giovanoli ist ein bekannter zeitgenössischer Fotograf im Engadin und ebenso ein ausgebildeter und leidenschaftlicher Koch. Für dieses Buch haben sie die Rezepte ihrer Familie und ihres Hotels gemeinsam gekocht und fotografiert, sie zeigen zudem ihre Lieblingsfotografien aus der unvergleichlichen Natur ihrer Heimat und erzählen ihre ganz persönlichen Geschichten. „Bap e Figl“ ist eine Liebes­erklärung an das Engadin in Geschmack, Bild und Wort. Ein Buch zum Nachkochen, Nachsehen, Nachlesen und Nacherzählen. Allein, mit Freunden oder der ganzen Familie. Und für mich in Coronazeiten eine der schönsten Verbindungen zu meiner zweiten Heimat.

Das Buch „Bap e Figl“ von Dumeng und Gian Giovanoli ist eine Liebeserklärung an das Engadin in Geschmack, Bild und Wort. (Foto: Gian Giovanoli)

Aufbruch der Marke BMW ins Metaverse

Mit der Streamingplattform Joytopia hat die Marke BMW eine Pionierleistung in moderner Markeninteraktion vollbracht. Anlässlich der letzten IAA wurde eine hyperreale neue Erlebniswelt geschaffen, die gleichzeitig den Einstieg in das Metaverse darstellt. Mit Christoph Waltz als Erzähler und Coldplay als Konzertband. Überraschend und mutig für eine deutsche Traditionsmarke.

TikTok startet Lieferdienst

In nur vier Jahren hat TikTok die Schwelle von einer Milliarde aktiven Nutzer*innen überschritten. Kochvideos sind dabei ein relevanter Treiber. Wenn sich ein Rezept viral rasant verbreitet, sind Zutaten schnell ausverkauft. Als Branding-Idee mit Schwung schafft die App mit TikTok Kitchen nun ein eigenes „Delivery-only restaurant“, kooperiert dafür mit Lieferdiensten und will die Creator an den Erträgen beteiligen. Eine innovative Crowd-Cooking-Geschäftsidee, die bisher leider nur für die USA geplant ist.

Deutsche Bahn x Julian Reichelt

Julian Reichelt lässt seine Follower*innen an seiner „Grenzerfahrung“ im Zug teilhaben. Die Bahn kontert.

Schnell, auf den Punkt, gerne humor­voll – so sollte Markenkommu­nikation in den sozialen Kanälen sein. Dann entfaltet die Kraft des Unerwar­teten Momentum und erzielt überdurchschnittliche Wirkung. Die „Grenz­erfahrung“ des ehemaligen Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt während einer Bahnfahrt hat die Social-Media-Redaktion der Deutschen Bahn nicht nur exzellent mit einem sarkastisch-trockenen eigenen Tweet bestmöglich aufgegriffen, sondern die Interaktion mit den Usern auch danach durch weitere Tweets und Re-Tweets am Laufen gehalten. Ein gelungenes Beispiel für gute Markenkommunikation.

Der erste Grand Slam im Metaverse

Jenseits von immer neuen hype-getriebenen NFT-Nachrichten fanden die Australian Open einen innovativen Weg, um ein Event mittels NFTs zu virtualisieren und neue Wege der Fanbeteiligung zu schaffen. Fans konnten digitale Tennisballmarken kaufen, die sich auf einen bestimmten Teil des Platzes beziehen. Jedes Mal, wenn während eines Spiels bei den Australian Open 2022 ein Siegerschuss auf ihrem Plot landete, wurde der entsprechende NFT in Echtzeit mit Spiel- und Ballverfolgungsdaten aktualisiert. Ein gelungenes Beispiel für innovative Fan-Interaktion.

Das Coronavirus Update

„Erklärer der Nation“ wurden Christian Drosten und Sandra Ciesek schon für diesen ungewöhnlichen Podcast genannt. In einer Zeit der immer höher schlagenden Aufgeregtheitswogen und immer schrägeren Verschwörungstheorien soll er „so viele Menschen wie möglich so fundiert wie möglich informieren – ohne dabei unnötige Panik zu verbreiten“. Und erreicht inzwischen eine sehr breite Zuhörerschaft in bis zu 60 Ländern. Ein Beispiel für konstruktiven Journalismus, der so nötig ist wie nie zuvor. Nicht nur in der Corona-Debatte.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der März-Printausgabe der absatzwirtschaft.

Sie wollen tägliche Insights für Ihre Arbeit im Marketing? Dann abonnieren Sie jetzt hier unseren kostenfreien Newsletter.