Influencer-Marketing im Metaverse: Viel Hype um nichts?

Die Entwicklung des Metaverse soll Influencer*innen künftig ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Das meiste davon ist allerdings reine Spekulation - noch.
Nicht unbedingt beeindruckend: Mark Zuckerbergs Avatar im Metaverse. ©Meta

Es soll die Zukunft des Internets werden, riesige virtuelle Räume erschaffen, unsere digitalen Interaktionen revolutionieren und nebenbei einen gewaltigen Wirtschaftsfaktor darstellen: das Metaverse. Spätestens seit Mark Zuckerberg vor gut einem Jahr seinen Konzern Facebook in Meta umbenannte, überschlagen sich die Spekulationen, überbieten sich die Superlative und vor allem die Träume von der endlos vernetzten, auch mit der Realität verwobenen digitalen Welt. 

Ein erster Investor zahlte bereits die unglaubliche Summe von 3,8 Millionen Euro für ein virtuelles Grundstück im Decentraland. Bei vielen herrscht Goldgräberstimmung: Wer sich gerade noch keine Gedanken macht, welchen Einfluss das Metaverse auf seine*ihre Branche hat und zu den Vorreiter*innen gehört, verschläft vielleicht die große Entwicklung, so der Gedanke bei vielen. Das gilt auch für Influencer*innen, die oft Trends erkennen und sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen müssen.

Influencer-Marketing beruht immer auf Authentizität

Authentizität: Das ist das große Kernthema des Influencer-Marketings. Die Meinungsmacher*innen inszenieren sich auf Augenhöhe mit ihrer Gefolgschaft, sie sind gleichermaßen Identifikations- und Projektionsfläche, sie geben den Kund*innen das Gefühl, nicht von einer unpersönlichen Performance angesprochen zu werden, sondern von einem Normalmenschen, dem man vertrauen kann. Was in Wirklichkeit nichts weniger als Performance ist. Der Wirkung tut das keinen Abbruch. 

Wie sich dieses Gefühl von Nahbarkeit und Echtheit im Metaverse umsetzen und vielleicht sogar noch verstärken lässt, das ist die große Aufgabe, vor der Influencer*innen jetzt stehen. Wie immer in der Branche ist ein maximal kreativer Umgang mit den Möglichkeiten des Mediums gefragt, einem Medium allerdings – und hier liegt gerade der Knackpunkt der ganzen Thematik – das überhaupt noch nicht existiert. 

Metaverse bietet ganz neue Inszenierungsformen

„Das Metaverse ist definitiv die Zukunft, nicht nur für Markenauftritte, sondern auch für Influencer*innen. Die Möglichkeit, kreativ mit der 3D-Welt umzugehen, kann den Weg für außergewöhnliche Nutzer*innen-Erfahrungen ebnen und den Umgang von Kund*innen sowohl mit der Marke selbst, als auch Influencer-Kampagnen verbessern“ so das Influencer-Paar Pushpal Singh Bhatia and Ravneet Kaur (That Couple Though) gegenüber APN News

Besonders konkret klingt das zugegebenermaßen noch nicht. Will man sich an Spekulationen beteiligen, sind aber auf jeden Fall ganz neue Formen der Präsentation und des Geldverdienens denkbar. Ein bezahlter, „persönlicher“ Besuch der Influencer-Person im heimischen Wohnzimmer per Hologramm? Kostenlose Werbeveranstaltungen – eine Art virtuelle Tupper-Party? Im November findet bereits das zweite Musikfestival in Decentraland statt. Björk und Ozzy Osbourne treten auf – in Form von Avataren. Im Meta-Spiel Horizon Worlds existiert schon jetzt ein Comedy-Club, auf dessen Bühne fleißig performt wird. 

Der Comedy-Club in der App Horizon Worlds. ©Meta

Die großen Neuheiten im Metaverse: Interaktion und Bezahlsysteme

Das entscheidend neue Element im Metaverse wird die direkte Interaktion zwischen Influencer*innen und ihren Follower*innen sein. Sicher lässt sich das Gefühl der Nähe und der Authentizität, das Influencer ausmacht, durch die direkte Avatar-Repräsentation und das VR-Erlebnis noch verstärken. Es dürfte einen großen emotionalen Unterschied machen, ob man das Profil einer Person anklickt oder ihrem Avatar sozusagen auf der Straße begegnet und Hallo sagen kann. 

Diese neue Dimension der Darstellung dürfte ganz neue Inszenierungsformen hervorbringen. Außerdem ist durch die Verwendung von Kryptowährung ein direktes Bezahlsystem möglich, das bisher auf Plattformen wie Instagram gefehlt hat.

Influencer-Werbung kann also ganz unmittelbar zu einem Kauf führen. Das Hotel, das man im Urlaub zu besuchen plant, schon vorab virtuell durchschreiten? Vielleicht geführt von bekannten Reise-Influencer*innen? Die neue Adidas-Kollektion in der virtuellen Realität oder mit Augmented-Elementen präsentiert bekommen und dabei gleich einkaufen? Alles ist denkbar. 

Metaverse: Vielleicht viel Hype um nichts? 

Genau dort liegt aber auch das Problem des Metaverse. Alles ist denkbar und nichts ist konkret. Bisher existieren ein paar Sandbox- und Open-World-Spiele wie die genannten Decentraland und Horizon Worlds, die hauptsächlich wie nette Spielereien wirken, in ihrer Darstellung aber arg kindlich und grafisch – gelinde gesagt – unschön sind. Vor allem, wenn man bedenkt, was technisch in Online-Spielen bereits möglich ist.

Zudem dürften sich einige noch an das Jahr 2003 erinnern, als das Spiel Second Life einen ähnlichen Hype auslöste, wie jetzt das Metaverse. Obwohl die Plattform laut der Betreiber immer noch rentabel läuft, blieb die heraufbeschworene virtuelle Revolution definitiv aus. Wie viele Menschen damals gepusht von medialen Superlativen sinnlos Geld investiert und damit ein paar Wenige reich gemacht haben, dazu gibt es leider keine genauen Zahlen. Außerdem gibt es Berührungsängste mit der – zudem noch sehr teuren – VR-Technologie, die den großen Erfolg des Mediums bisher trotz guter Möglichkeiten ausbleiben ließ. 

Ob es sich beim Metaverse also um ein unabwendbares Zukunftsmodell handelt oder um eine Blase, die sehr schnell platzen wird, das lässt sich gerade trotz vielfacher gegenteiliger Behauptungen überhaupt noch nicht absehen. Diese Tatsache wird aber weder Unternehmen noch Influencer*innen davor bewahren, sich schon jetzt mit den Spekulationen und denkbaren Möglichkeiten auseinandersetzen zu müssen. Denn egal ob kurzer Hype oder virtuelle Revolution: die Schnellsten haben die besten Chancen, am Ende zu profitieren.

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