Die Geschichte hinter dem Markennamen Fanta 

Der Name der Limonade ist innerhalb der deutschen Belegschaft des Coca-Cola-Konzerns entstanden. Es gibt aber unterschiedliche Darstellungen, worauf er genau zurückgeht.
Fanta wurde erstmals 1940 produziert.

Fast jeder weiß, dass „Fanta“ eine Getränkemarke von Coca-Cola ist. TV-Freaks kennen auch vielleicht noch die US-amerikanische TV-Serie „Roots“ aus dem Jahr 1977 über die Sklaverei in den amerikanischen Südstaaten. Darin hieß eine der Hauptfiguren ebenfalls „Fanta“, was einen afrikanischen Ursprung des Namens vermuten lässt. 

Was die Limonade betrifft, so sind die namentlichen Ursprünge allerdings weder amerikanisch noch afrikanisch, sondern ziemlich deutsch. Am 9. Mai 1940 wurde die Marke beim deutschen Reichspatentamt in der Klasse 32 für alkoholfreie Getränke angemeldet. Anmelderin war die Coca-Cola GmbH, die deutsche Dependance des amerikanischen Konzerns in Essen, die sich bis zum Kriegseintritt der USA 1941 zwar noch in ihrer Verfügungsgewalt befand, aber autonom handeln konnte. Durch die ersten Kriegshandlungen im Atlantik war die Belieferung mit dem Coca-Cola-Grundstoff nicht mehr sicher und das Essener Management unter der Leitung des deutschen Max Keith suchte nach möglichen Ersatzstoffen. 

Apfelsine und Orange durften im Namen nicht vorkommen 

Dem Chefchemiker Wolfgang Schetelig gelang es, aus Molke, Apfelresten und diversen aus Italien importierten Fruchtsaftkonzentraten ein Surrogat herzustellen, das als Basis für eine Limonade mit Orangengeschmack dienen konnte. Dabei wurde strickt darauf geachtet, Stoffe zu nutzen, die nicht der Kriegsrationierung unterlagen. Dem Vernehmen nach waren keine wirklichen Orangen unter den Ausgangsstoffen. Dennoch überzeugte das Getränk die Entscheider, die nun einen klangvollen Namen dafür suchten, worin aber die Wörter Apfelsine und Orange nicht vorkommen sollten.  

Schetelig soll gesagt haben „das schmeckt doch fantastisch“, worauf intern der Name „Fanta“ daraus abgeleitet worden sein soll. Andere Quellen munkeln, dass Beteiligte des Herstellungsprozesses behauptet hätten, dass es „viel Fantasie“ bedurft hätte, um in der Limonade Apfelsinengeschmack zu entdecken und der Name „Fanta“ daraus resultiert. Da keiner der Beteiligten noch lebt, werden wir das tatsächliche Zustandekommen des Namens nicht mehr vollständig rekonstruieren können. Auf jeden Fall ist er eine Eigenkreation aus den Reihen der Belegschaft. 

Produktion 1942 kriegsbedingt eingestellt 

Tatsächlich musste die Herstellung von Coca-Cola in Deutschland Anfang 1942 komplett eingestellt werden, weil die USA nach Pearl Harbour und ihrem Kriegseintritt alle Lieferungen nach Deutschland untersagten. Von da an wurde in Essen nur noch Fanta produziert und erfreute ich großer Beliebtheit. Trotz Bombenschäden lief die Produktion sogar noch, als am 10. April 1945 die Amerikaner Essen in Besitz nahmen. Allerdings wurde dann die Fanta-Herstellung eingestellt. Schon eine Woche nach Kriegsende lief dort in kleinen Mengen wieder Coca-Cola vom Band; allerdings zunächst nur zur Versorgung der amerikanischen GIs.  

Die reguläre Produktion der braunen Limonade im großen Stil lief erst 1949 nach der Währungsreform wieder an. Max Keith wurde übrigens in Atlanta für seine Leistung – unter schwersten Bedingungen die Produktion aufrecht erhalten zu haben – ausgezeichnet und zum Europa-Chef von Coca-Cola befördert. 

Anfang und Mitte der 50er Jahre gab es keine Fanta, weder in Deutschland noch anderswo. Erst Ende der 50er Jahre bekam ein italienischer Coca-Cola-Abfüller in Neapel die Erlaubnis, für den Coca-Cola-Konzern eine Orangenlimonade – dieses Mal vornehmlich aus Orangensaftkonzentrat – herzustellen. Er erinnerte sich an das deutsche „Kriegsgetränk“ und nannte es Fanta – nicht zuletzt, weil die Markenrechte an diesem Namen ja weiterhin dem Konzern gehörten. Der Name Fanta hatte anfangs auch Gegner. So wollte der ehemalige belgische Coca-Coca-Chef Carl West das Getränk „Cappy“ nennen. Der Name bezeichnet heute eine andere Produktlinie von Coca-Cola. 

70 Geschmacksrichtungen mit und ohne Zucker 

Unter dem Namen „Fanta klar“ kam das Getränk 1959 auch auf den deutschen Markt, war aber alles andere als ein Erfolg. Der kam erst 1964, als die heutige Fanta in der berühmten braunen Riffelflasche angeboten wurde. Die Flasche stammt von dem französischen Designer Raymond Loewy, der auch Greyhound-Busse und Coca-Cola-Automaten entworfen hat. Das Design erfüllt auch einen Zweck, indem es den Inhalt vor zu viel Licht schützt.  

Neben einer Retro-Glas-Linie wird Fanta heute in allen möglichen PET-Flaschen angeboten. Außer Orange werden bis zu 70 verschiedene Geschmacksrichtungen mit und ohne Zucker vertrieben. Zuweilen wird aus dem Geschmack sogar ein kampagnen-gesteuertes Geheimnis gemacht. Der Geschmack der „Orangen-“Fanta wurde 2007 dem Zeitgeist angepasst und weniger süß gestaltet. Danach gab es aufgrund der Zuckersteuer in Großbritannien dort weitere Reduktionen. Mit den üblichen Ausnahmen, wie Nord-Korea und Iran, ist Fanta heute in fast allen Ländern dieser Welt erhältlich. 

Die Marke 

Gründung: 1940 Deutschland 

Umsatz: 38,7 Milliarden US-Dollar (2021, Coca-Cola gesamt) 

Mitarbeiter: 79.000 (2021, Coca-Cola gesamt) 

Marketing: Michael Willeke (Deutschland) 

Samland-Score: 7 von 7 

Dr. Bernd M. Samland ist Gründungsgeschäftsführer von Endmark und verantwortet seit 30 Jahren die Entwicklung von mehr als 2000 Markennamen. Es ist Fachbuchautor sowie Lehrbeauftragter und Gastdozent an mehreren deutschen und österreichischen Hochschulen. Im September 2024 erscheint sein Buch zur Kolumne „Warum heißt die Marke so“ mit einhundert der besten Storys zu bekannten Markennamen.