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Sears Watch, Cebit und Lindenstraße: Die Vergänglichkeit von Geschäftsmodellen und Marken

Stellen Sie sich vor, Sie würden im Jahr 2118, also in hundert Jahren an dieser Stelle folgende Zeilen lesen: „Nach mehreren Rettungs- und Restrukturierungsversuchen musste Amazon, der einst größte Internethandelskonzern der Welt am 15. Oktober dieses Jahres Insolvenz anmelden.“ Unvorstellbar! Oder noch nicht?

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Genauso unvorstellbar wäre es gewesen, wenn man etwa vor 70, 60 oder 50 Jahren die Insolvenz von Sears vorhergesagt hätte. 1886, als Sears Watch Company gegründet war Sears über Jahrzehnte eine amerikanische Einkaufs- und Handelsikone. Bereits 1887 erschien das erste Mal der Sears Versandkatalog. Später verlagerte Sears den Fokus in Richtung stationärer Handel, eröffnete in den USA große Läden in Einkaufszentren und wurde so bis in die 1980er Jahre zum größten Einzelhändler Amerikas. In den besten Jahren erwirtschaftete das Unternehmen ein Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung der USA.

Nur mit dem Aufstieg von neuen Geschäftsmodellen im Handel, allen voran zuerst durch Walmart und Target in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dann durch den immer stärker werdenden Online-Handel zu Beginn des 21. Jahrhunderts geriet das Geschäftsmodell von Sears immer mehr unter Druck. So fusionierten die Einzelhändler Sears und Kmart 2005 ihre beiden alten Geschäftsmodelle, um sich gemeinsam gegen den Abwärtstrend und vor allem auch gegen den zunehmenden Internethandel zu stellen. (Wobei sich heute die Frage stellt, ob diese Fusion den Weg in die Insolvenz verzögert oder unter Umständen sogar beschleunigt hat?)

Der Altar der Vergangenheit

Aus dieser Warte betrachtet, wird es auch  spannend, ob die Fusion von Karstadt und Kaufhof wirklich eine echte Zukunft bietet oder den Überlebenskampf nur verlängert. Beide sind ähnlich wie Sears und Kmart große Markennamen, aber gleichzeitig auch Vertreter alter Geschäftsmodelle in der Wahrnehmung der Kunden.

So zeigt die Geschichte immer wieder, dass Unternehmen und auch Investoren enorm viele Ressourcen und enorm viel Zeit in die Rettung von alten Geschäftsmodellen und Marken investieren. Nur stellt sich dabei immer wieder die Frage, ob diese Ressourcen und diese Zeit nicht besser eingesetzt wären, wenn man damit neue Geschäftsmodelle und Marken erschaffen würde. Nicht umsonst meinte einst Managementlegende Peter Drucker, dass viele Unternehmen ihre Zukunft auf dem Altar der Vergangenheit opfern würden.

Toys“R“Us, Otto-Katalog, Lindenstraße, Cebit und Amazon

Speziell das Internet ist zu einem echten Katalysator für neue Geschäftsmodelle geworden, die alte Geschäftsmodelle in Frage stellen und damit auch die Konsumgewohnheiten von Kunden verändern. Noch Mitte der 1990er Jahre wurde Toys“R“Us als Benchmark bei den sogenannten Category-Killers „gefeiert“. Dieses Jahr musste man in den USA endgültig aufgeben.  Hierzulande mussten wir uns 2018 vom Otto-Katalog verabschieden. In der Fernsehwelt wurde die Einstellung der Kultserie Lindenstraße angekündigt. Zudem muss die deutsche Messelandschaft zukünftig auf die einstige Vorzeigemesse Cebit verzichten.

Und Amazon-Gründer Jeff Bezos ließ am 16. November dieses Jahres mit folgender Aussage aufhorchen: „Amazon is not too big to fail…In fact, I predict one day Amazon will fail. Amazon will go bankrupt.” Das mag stimmen. Das Geschäftsmodell und die Marke Amazon mögen ein Ablaufdatum haben. Das Unternehmen Amazon mag länger leben, wenn es Bezos oder seinen Nachfolgern gelingt, neben Amazon in neue Geschäftsmodelle und Marken zu investieren. Oder anders gefragt: Wie würde die Sears Holding heute dastehen, wenn man statt oder neben Kmart auch Amazon besitzen würde?

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Kommentare

  1. Warum reden denn immer noch alle vom Lindenstraßen-Aus?! Wenn ihr so weiter macht, wird das noch zum Unwort des Jahres. Die Lindenstrasse wechselt doch nur das Medium. Woher ich das weiß? Ganz einfach: Zwei Millionen schauen immerhin regelmäßig zu. Das ist für eine Serie in der heutigen Zeit viel. Welche Serie bei den Stramingdiensten wird pro Folge von so vielen Zuschauern gesehen?

    Man braucht auch nicht mit Qualität und interessanten oder uninteressanten Geschichten zu argumentieren. Das hat in der Unterhaltungsbranche noch nie funktioniert. Die Lindenstraße mit Serien wie Lost oder Homeland zu vergleichen ist in etwa so, wie wenn man Helene Fischer mit Mariah Carey vergleicht. Helene Fischer steht, wie kürzlich berichtet wurde, auf Platz 3 der Forbesliste der Interpretinnen, die mit ihrer Musik am meisten Geld verdienen. In New York reibt man sich verwundert die Augen, wie sich so viele Menchen für eine derartige, wie sie es nannten Bierzelt (im Original beer-hall) Musik begeistern können. Fakt ist: Millionen hören im deutschsprachigen Raum Helene Fischer, ohne auf der Suche zu sein, ob es nicht vielleicht eine qualitativ höherwertige Alternative gebe, die mehr so ist wie Mariah Carey. Das Gesamtpaket Helene Fischer wird so angenommen wie es ist. Bierzelt hin Bierzelt her.

    Aber zurück zur Serienwelt: RTL meinte mit den Serien “Mr Robot” und “This is Us” (von denen ich zum ersten Mal lese), das große Los gezogen zu haben, da sie zuvor bei Streamingdiensten gut ankamen. Das Resultat war ein Quotendesaster. Nach den Ursachen wird geforscht. Man stellt fest, dass mehr und mehr Leute sich vollständig vom Fernsehen verabschiedet haben und Serien on demand schauen. Ebenso herrscht in der Film- und Fernsehwelt dieser Tage eine Dynamik wie seit dem Aufkommen des Privatfernsehens nicht mehr. Vor 14 Tagen verkündete Max Conze als Chef von ProsiebenSat1 den Aufbau eines deutschen Streamingsdienstes als Antwort auf Netflix und Co. Hier ein Zitat, entnommen aus der Berliner Zeitung: “Es werde „immer ein großes Bedürfnis nach massentauglicher Unterhaltung geben. Und nach Themen, die für das Leben der Zuschauerinnen und Zuschauer relevant sind”. US-Lizenzware komme weniger an oder sei nicht mehr zu bekommen – auch das stärke den Trend zu Eigenproduktionen”.

    Es ist also keine Frage, ob es mit der Lindenstraße weitergeht, sondern nur wo. Auch für Netflix und Co. ist sie interessant: Wer sich für amerikanische Serien eines gewissen Genres interessiert, hat bereits ein Streaming-Abo. Es ist also fraglich, ob die x-te Serienneuheit aus den USA noch zu höheren Abo-Zahlen führen wird. Netflix braucht also eine Strategie, wie es Amazon Prime die Marktführerschaft abringt. Amazon Prime braucht wiederum eine Strategie, wie es eben diese Vorherrschaft verteidigt. Mit der LiStra könnte ein völlig neues Marktsegment erschlossen werden, und das auch noch völlig ohne Werbung. Das Feuilleton jeder deutschen Tageszeitung würde mindestens einmal kräftig rascheln. Zudem setzte ich auf einen Sogeffekt. Vielen Leuten, die zuvor die Streamingsdienste ignorierten, wird die Lindenstrasse vermitteln, dass v.a. Serien sich aus der konventionellen Fernsehwelt Schritt für Schritt verabschieden. Nicht wenige werden sich sagen, dass, wenn nun schon sogar die Lindenstraße bei einem Streamingdiesnt gezeigt wird, es doch nun an der Zeit ist, sich selbst auch ein Abo zuzulegen.

    Ich komme also zu dem Schluss, dass über die Lindenstraße ein wahrer Geldregen hereinbrechen wird und Geißendörfers es sich aussuchen können, mit wem sie weitermachen. Ferner wird die LiStra die erste deutsche Serie sein, die den Absprung aus dem sinkenden Schiff der Fernsehanstalten schafft und somit abermals Fernsehgeschichte schreiben wird.”

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