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Wie Länder über “Reiseblasen” Urlaub möglich machen

Medienwirksam sprach sich der Flughafen Heathrow für Reiseblasen aus. So soll auf aufwendige Tests verzichtet sowie Wirtschaft und Tourismus wieder angekurbelt werden. © Heathrow Airport

Auf der ganzen Welt gewinnt die Idee von Reiseblasen an Bedeutung. So sollen Nachbarländer trotz der Corona-Beschränkungen gegenseitig für etwas wirtschaftliche Erholung sorgen. Kann der Sommerurlaub auf diesem Wege gerettet werden?

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Der weltweite Wert der Reise- und Tourismusbranche im Jahre 2020 wurde vor Corona auf über 700 Milliarden US-Dollar geschätzt. Inzwischen ist er aufgrund der Pandemie auf 447 Milliarden Dollar gesunken. Europa dürfte besonders stark betroffen sein. Die prognostizierten Einnahmen sinken hier von mehr als 200 auf 124 Milliarden Dollar. Der Tourismus, einschließlich Reisen, Unterkunft, Essen und Kultur, trägt in pandemiefreien Zeiten fast zehn Prozent zum BIP der Europäischen Union bei. Die EU-Bürger selbst unternehmen zwischen Juni und August in der Regel 385 Millionen touristische Reisen und geben dabei rund 190 Milliarden Euro aus.

Nun hat die EU-Kommission Leitlinien veröffentlicht, wie Länder die Reisebeschränkungen lockern und den Tourismus wieder in Gang bringen können. Die EU fordert in erste Linie von den Ländern Belge dafür, dass die Verbreitung von COVID-19 “über einen längeren Zeitraum erheblich zurückgegangen und stabilisiert ist und wahrscheinlich mit der Zunahme von Touristen stabil bleibt”.

Weitere Kriterien, die erfüllt werden müssen, sind: ausreichende Gesundheitskapazität, um mit kranken Touristen fertig zu werden, Tests, Maßnahmen zur Überwachung sowie zur Kontaktverfolgung. Dazu zählt auch, den grenzüberschreitenden Betrieb von COVID-19-Rückverfolgungs-Apps zuzulassen, damit die Bürger auf Reisen in die EU vor möglichen Infektionen gewarnt werden können. Entscheidend für den Tourismus ist, dass von nun an EU-Länder, in denen sich die Infektionsrate in ähnlichem Maße verlangsamt, die gegenseitigen Beschränkungen lockern dürfen. Alle Augen sind darauf gerichtet, wie sich die internationalen Grenzen wieder öffnen.

Außerhalb der Blase gibt es Quarantänepflichten

Die baltischen Staaten sind bereits dabei, eine Art “Reiseblase”, die es den Bürgern ermöglicht, sich frei zwischen ihnen zu bewegen, zu schaffen. Reiseblasen sehen vor, dass Ländern mit niedrigen, überschaubaren Infektionsraten den Bürgern des jeweils anderen Landes freien Zugang ermöglichen. In der Zwischenzeit gelten Quarantänebeschränkungen für Personen außerhalb der Blase. In der baltischen Blase dürfen Bürger aus Lettland, Litauen und Estland sich frei bewegen. Die Länder sind wirtschaftlich stark voneinander abhängig. Die Blase soll also den Warenverkehr sowie Geschäftsreisen sichern. Die Reisefreiheit gilt aber genauso für Privatreisen und Urlauber.

Wer von außerhalb der drei baltischen Staaten einreist, muss 14 Tage in Quarantäne bleiben. Die Regierungen der Länder stimmten den Maßnahmen per Videokonferenz zu. Unter Verwendung des Hashtags #BalticOpening sagte der litauische Premierminister Saulius Skvernelis auf Twitter, dass Finnland und Polen die nächsten Länder sein könnten, die “dem Block der freien Reise beitreten”.

Neuseeland für Krisenmanagement gelobt

Neuseeland und Australien haben sich verpflichtet, eine trans-tasmanische “COVID-sichere Reisezone” einzuführen, sobald diese sicher ist. Die Regierungschefs betonten, die Zone sei “für beide Seiten von Vorteil, würde den Handel und die wirtschaftliche Erholung fördern, den Tourismus- und Verkehrssektor ankurbeln, die sportlichen Kontakte verbessern und Familien und Freunde wieder zusammenführen”. Sobald die Zone sicher ist, werde sie auf die pazifischen Inselstaaten ausgeweitet. Die Staaten betonten, die wirtschaftliche Notwendigkeit der Öffnung der Grenzen, aber auch, dass letztlich eine frühe Bekämpfung des Virus der einzig sinnvolle Schritt gewesen sei. Neuseeland wurde für seinen Umgang mit Coronaviren international gelobt. Es gab nur 21 Todesfälle. Das Land hat gerade erst mit der Wiedereröffnung von Geschäften begonnen.

Neben diesen sehr konkreten Plänen erwägt auch China, Hongkong, Taiwan und Südkorea in seine Blase zu lassen. Israel ist im Gespräch mit Griechenland und Zypern. Ebenso hat der größte britische Flughafen eine Reiseblase vorgeschlagen. Diese solle der Wirtschaft weit weniger schaden als die derzeitige 14-Tage-Quarantänerichtlinie, die im Juni für ankommende Passagiere beginnen soll. “Der Vorschlag würde Reisekorridore oder Reiseblasen schaffen, die den freien Verkehr zwischen Ländern oder Städten ermöglichen, die ein sehr geringes Risiko aufweisen, aber möglicherweise Flüge von Hochrisikomärkten blockieren, um die öffentliche Gesundheit zu schützen”, heißt es in einer Erklärung des Flughafen Heathrow.

Das Land, das am wahrscheinlichsten in die britische Blase eingeladen wird, ist Frankreich. Downing Street teilte bereits mit, dass die Quarantäne aufgrund einer besonderen Vereinbarung zwischen den Regierungschefs Boris Johnson und Emmanuel Macron nicht für Reisende aus Frankreich gelten würde.

absatzwirtschaft+

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