Suche

Anzeige

Tourismusmarketing: Spontane Abstecher von der Autobahn

Mehr als 3400 solcher Schilder weisen am Rande von deutschen Autobahnen auf touristische Ziele hin. © Stadt Braunschweig

Eigentlich recht unscheinbar am Streckenrand, weisen Werbeschilder Reisende vor Autobahnabfahrten auf Schlösser, Wandergebiete, Museen oder historische Altstädte in der Nähe hin. Doch so unscheinbar sind die Piktogramm-Tafeln gar nicht, wie Wissenschaftler von der Hochschule Harz herausgefunden haben.

Anzeige

Wer hätte das gedacht: Deutsche Autobahnen führen Reisende nicht nur mal mehr, oft weniger pünktlich an das vorher ersonnene Ziel, sondern sie dienen auch selbst als “Reiseführer” und beeinflussen die Routenplanung noch während der Fahrt. Hier geht es ausnahmsweise einmal nicht um Stauklagen, Vollsperrungen und notgedrungene Routenänderungen, sondern um Tourismus- und Stadtmarketing.

Professor Sven Groß von der Hochschule Harz in Wernigerode und sein Team haben sich im Rahmen einer Studie mit der Wirkung der braun-weißen Werbeschilder beschäftigt, die am Streckenrand auf touristische Highlights der gerade durchquerten Region hinweisen – und dabei ein paar erstaunliche Erkenntnisse gewonnen.

Nur vier Prozent übersehen die Tipps

Erkenntnis eins: Die dezent, mit wenig Schrift und aussagekräftigen Piktogrammen illustrierten Schilder – die korrekte Bezeichnung dafür ist touristische Unterrichtungstafeln -, werden von den meisten Fahrzeuginsassen bemerkt. Nur vier Prozent der Befragten wollen noch nie eines der Piktogramme wahrgenommen haben. Zwei Drittel konnten sich dagegen noch an konkret abgebildete Inhalte wie Sehenswürdigkeiten, Städte oder Landschaften erinnern.

Erkenntnis zwei: Die touristischen Ziele am Wegesrand werden nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch immer wieder spontan angesteuert: Knapp jeder Sechste habe diesem Impuls schon einmal nachgegeben und seine Reiseroute ad hoc verlängert, um das beworbene Ziel zu besuchen. “Offenbar gibt es kurz-, mittel- und langfristige Wirkungen”, erklärt Groß, der an der Hochschule Harz auf dem Gebiet des Verkehrsträgermanagements lehrt und forscht und die Studie im Rahmen eines Forschungssemesters erstellt hat. Andere Befragte würden sich ein Ziel für spätere Ausflüge vormerken, manche hätten sogar angegeben, sich während oder nach der Autofahrt Listen von künftigen Zielen zu machen, so der Verkehrsexperte.

In Bayern gibt es die meisten Werbetafeln

Die braun-weißen Hinweistafeln werden seit Mitte der 80er Jahre an Autobahnen eingesetzt, für das Aufstellen ist die oberste Verkehrsbehörde des jeweiligen Bundeslandes zuständig. Daher gibt es auch kein zentrales Register. Die Studienmacher hat die Zahlen einzeln abgefragt und zusammengetragen: Demnach gibt es an deutschen Autobahnen mehr als 3400 touristische Schilder mit rund 1800 verschiedenen Motiven. Spitzenreiter ist Bayern mit mehr als 800 Tafeln.

Nun ist Bayern nicht nur an touristischen Ausflugszielen reich, es zählt neben NRW und Baden-Württemberg laut aktueller ADAC-Staubilanz auch zu den staureichsten Bundesländern. In dieser Konstellation dürfte das subtile Tourismusmarketing am Straßenrand gerade im Freistaat seine Wirkung entfalten und gestresste Reisende an der nächsten Abfahrt zum einen oder anderen ungeplanten Abstecher animieren.

absatzwirtschaft+

Sie wollen weitere relevante Informationen und spannende Hintergründe für Ihre tägliche Arbeit im Marketing? Dann abonnieren Sie jetzt hier unseren kostenfreien Newsletter.

Anzeige

Kommunikation

“Marke post Corona” – Serie über die Learnings aus der Krise

In unserer Serie "Marke post Corona: Learnings aus der Krise" berichten Marketingverantwortliche über ihre Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Zeit. Hier finden Sie alle acht Beiträge der Reihe im Überblick. mehr…



Newsticker

Studien der Woche: Sportbranche, Smart Speaker, Direktvertrieb

Marktforschung und Wirtschaft veröffentlichen täglich neue Studien, die für Unternehmen und Marketer wichtig…

Krise von “epischen Dimensionen” im Tourismus – Rettung 2021?

Das Katastrophenjahr 2020 für den Tourismus hat die Reisebranche nahezu abgeschrieben. Jetzt geht…

Die Dmexco naht – 5 Fragen an: Matthias Hach von Comdirect

Als Marketingvorstand der Comdirect Bank beschäftigt sich Matthias Hach intensiv mit auf den…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

  1. Gelungener Artikel, und ja die Tafeln sind gut und vor allem schnell Erkennbar. Dem vorbeifahrenden werden Informationen schnell und vor allem präzise Präsentiert worum es sich bei der Sehenswürdigkeit handelt. Es gibt viele Orte in Deutschland zu entdecken, von denen man noch gar nichts gewusst hat.
    Man kann nur jedem Raten auch mal an so einem Ort anzuhalten und diesen zu besichtigen.

  2. Das ist
    Es wäre besser, wenn man auch diese Sehenswürdigkeiten nach der Autobahnausfahrten WEITER beschildert würden!!! Oft bin ich raus gefahren und in die Pampa gelandet!

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige