Saubere Daten

Data Clean Rooms liegen im Trend, seit das Aus für Drittanbieter-Cookies besiegelt ist. In diesen sicheren Umgebungen können Unternehmen ihre Daten DSGVO-konform austauschen. Ist damit das Cookie-Problem gelöst? Noch nicht ganz.
In Data Clean Rooms können Unternehmen ihre Datensätze gegenseitig auf Überschneidungen prüfen. ©Unsplash

Ein Data Clean Room ist eine saubere Sache: Verschlüsselt, anonymisiert und aggregiert können Unternehmen in einer solchen Umgebung untereinander ihre Daten auf sinnvolle Überschneidungen prüfen lassen, ohne auf die Daten der jeweils anderen Partei zuzugreifen. Marketing (High) Tech macht es möglich und hat dafür gesorgt, dass Data Clean Rooms als eine der wichtigsten Alternativen zum Drittanbieter-Cookie gelten – und sich entsprechend immer stärker verbreiten, um Marketing-Aktivitäten zu planen oder zu messen. Big Tech, aber auch viele kleinere Anbieter, stellen solche Technologien für das Advertising zur Verfügung.

So präsentierte Google Anfang Oktober seine neue „Publisher Advertiser Identity Reconciliation“ (Pair), eine Reinraumlösung für Werbetreibende, die Display und Video 360 Ads verwenden. Mit Pair sollen Publisher und Werbetreibende ihre First-Party-Daten für Zielgruppen, die sowohl die Website eines Werbetreibenden als auch eines Publishers besucht haben, sicher und privat abgleichen können. Amazon Advertising kündete auf seiner jährlichen Unboxed-Veranstaltung Ende Oktober zusätzliche Funktionen für seine Reinraumlösung an, die Amazon Marketing Cloud. Und erst vor wenigen Tagen startete die Schweizer Martech-Firma Decentriq eine neue Clean-Room-Plattform für die Media- und Advertising-Branche – einfach zu bedienen und ohne die Unterstützung von Data Scientists nutzbar, verspricht der Anbieter. Offene Schnittstellen ermöglichen die Adtech-Neutralität.

Standards gesucht

Reinräume sind also sehr gefragt und sprießen wie Pilze aus dem Boden. Trotzdem steht die Entwicklung erst am Anfang; einige Herausforderungen müssen noch gelöst werden. Nicht nur, dass es verschiedene Typen und Ausprägungen gibt. Auch nutzen Datenreinräume in der Regel jeweils spezifische Datenfreigabemechanismen für ihre Kund*innen. Wer mehrere Clean Rooms benutzen möchte, muss sich der jeweiligen Technologie anpassen. Mitunter sind Reinräume untereinander auch nicht kompatibel. Standards würden Werbetreibenden die Nutzung erleichtern und könnten für Interoperabilität sorgen. Der IAB Europe, der europäische Verband für digitales Marketing und Werbung, hat das Problem erkannt. Datenreinräume werden dort in einer speziellen Arbeitsgruppe des IAB Tech Lab adressiert. Im Dezember dieses Jahres soll ein Entwurf für Data Clean Room Standards vorgelegt werden. In Anbetracht der rasanten Entwicklungen ist der Zeitpunkt gut gewählt. Damit stehen jetzt die Chancen gut, dass Data Clean Rooms die Massen begeistern und die Cookie-Diskussionen verstummen lassen.

Schon gehört?

90 Prozent aller Apps verstoßen gegen die DSGVO – das hat eine Analyse der Consent Management Plattform Usercentrics ergeben. Am besten schnitten Apps im Bereich Lebensmittel ab. Hier waren „nur“ 84 Prozent nicht DSGVO-konform. Bei Glücksspiel-Apps lag die Quote bei unrühmlichen 100 Prozent. Untersucht wurden Apps, die mindestens 50.000 täglich aktive Nutzer in der EU zählen und Tracker von Drittanbietern integriert hatten.

Ohne Drittanbieter-Tracker kommt das kontextuelle Targeting aus. Auch in Podcasts ist es auf dem Vormarsch. Das schwedische Podcast-Unternehmen Acast hat jetzt ein kontextuelles Targeting auf Keyword-Ebene gelauncht. Mit Hilfe von Sprache-zu-Text-Technologie, kombiniert mit künstlicher Intelligenz und natürlicher Sprachverarbeitung, identifiziert die Lösung Keywords und Sätze. Dadurch können Podcast-Ads nun sehr gezielt ausgespielt werden.

Übrigens: Wo lassen Sie eigentlich Ihre Daten und Kampagnen hosten? Ist alles „safe“ und nachhaltig? Das französische Raumfahrtunternehmen Thales Alenia Space führt jetzt im Auftrag der Europäischen Kommission eine Machbarkeitsstudie für Rechenzentren im Weltall durch. Im Konzept wird die im Weltraum verfügbare Energie direkt genutzt; zur Erde bestehen lediglich Internetverbindungen, die auf optischer Kommunikation basieren. Unter anderem soll überprüft werden, ob die CO2-Emissionen durch Produktion und Start solcher Weltraum-Rechenzentren niedriger sind als die Emissionen, die von bodengestützten Rechenzentren verursacht werden. In diesem Sinne. Bleiben Sie inspiriert!

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