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Lebensmittel: Der mühsame Kampf gegen die Verpackungsflut

Lebensmittel
Lebensmittel: "Der Handel ist in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst- und Gemüse zu vergrößern."

Immer mehr Verbrauchern sind aufwendige Plastikverpackungen ein Ärgernis. Der Handel reagiert und verkauft inzwischen etwa Toastbrote ohne Plastikhüllen oder Schlangengurken ohne Schrumpffolien. Verbraucherschützern ist das nicht genug.

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Von Erich Reimann, dpa

Aldi ist stolz: Rund 15.000 Tonnen Verpackungsmaterial hat der Discounter nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr bei seinen Eigenmarken im Interesse des Umweltschutzes eingespart – Plastik, aber auch Metall, Papier und Glas.

Der Billiganbieter ist nicht allein mit seinen Bemühungen. Die Handelskette Rewe und ihr Discounter Penny sparen durch Verpackungsveränderungen nach eigenen Angaben mittlerweile pro Jahr 8200 Tonnen Kunststoff ein. Und auch Edeka und Lidl trimmen die Verpackungen ihrer Eigenmarken sowie ihre Obst und Gemüseangebote auf mehr Nachhaltigkeit.

Die Handelsketten haben guten Grund, sich beim Thema Umweltschutz Mühe zu geben. Bei einer im März durchgeführten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov sagten 72 Prozent der befragten Verbraucher, dass sie bevorzugt Produkte kaufen, die wenig Verpackungsmüll verursachen. Nicht einmal ein Drittel der Konsumenten war der Meinung, dass es bereits ausreichend umweltfreundliche Verpackungen gibt.

Lebensmittelläden haben einiges geändert

Dabei hat sich in den Lebensmittelläden in Deutschland in den vergangenen Jahren schon einiges verändert. Schlangengurken etwa werden praktisch nur noch ohne die früher obligatorische Hülle aus Schrumpffolie verkauft. In den Obst- und Gemüseabteilungen sind neben den unvermeidlichen dünnen Plastikbeuteln immer öfter wiederverwendbare Kunststoffnetze im Angebot, die allerdings bezahlt werden müssen. Und einige Händler – wie die Supermarktkette Real – haben auch schon damit begonnen, an den Frischetheken auf Wunsch Wurst und Fleischwaren in von den Kunden mitgebrachte Behältnisse zu geben.

Auch hinter den Kulissen wird an vielen Stellen geschraubt. So reduzierte Lidl bei Wiener Würstchen durch eine dünnere Unterfolie den Plastikeinsatz bei der Verpackung um 16,3 Prozent. Das spart im Jahr rund 78 Tonnen Kunststoff. Ein höher konzentriertes Flüssigwaschmittel erlaubt kleinere Flaschengrößen und verringert den Kunststoffverbrauch noch einmal um 116 Tonnen. Selbst bei den Plastiktüten fürs Toastbrot wird inzwischen der Plastikeinsatz reduziert. Die Tüten sind dünner geworden.

Rewe und Penny sparen allein dadurch, dass Bananen unverpackt verkauft werden, rund 205 Tonnen Plastik. Und der Verzicht auf Plastikhüllen bei Salatgurken bringt noch einmal 160 Tonnen Reduktion. Edeka hat unter anderem bei Rispentomaten 5,4 Millionen Plastikschalen pro Jahr durch Pappkartonschalen ersetzt. Außerdem nutzen Edeka und Rewe bei etlichen Obst- und Gemüsesorten mittlerweile eine Laser-Gravur zur Kennzeichnung der Bio-Ware, um Etiketten und Folien überflüssig zu machen.

Verbraucherschützer sind noch nicht zufrieden

Doch auch wenn einiges in Bewegung gekommen ist, sind Verbraucherschützer noch längst nicht zufrieden. Ein großes Ärgernis ist für sie etwa, dass Obst und Gemüse nach wie vor häufig in Plastikverpackungen angeboten werden. “Es reicht nicht, Verbrauchern Mehrwegnetze anzubieten, wenn sie dann überwiegend vorverpackte Produkte in den Regalen finden. Der Handel ist in der Pflicht, das Angebot an unverpacktem Obst- und Gemüse zu vergrößern”, findet der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Klaus Müller. Vor allem Discounter müssten hier noch ihre Hausaufgaben machen.

Eine nicht-repräsentative Stichprobe der Verbraucherzentralen bei den großen Handelsketten ergab im Frühjahr, dass Obst und Gemüse noch immer zu fast zwei Dritteln in Plastikverpackungen verkauft werden. Vor allem bei den Discountern war die Plastikquote überdurchschnittlich hoch. Am besten schnitt unter den überprüften Händlern noch Edeka ab. Hier war immerhin gut die Hälfte des Obst- und Gemüseangebots unverpackt.

Was die Verbraucherschützer bei der Stichprobe besonders ärgerte: Wer umweltbewusst einkaufen wollte und zu unverpacktem Obst und Gemüse griff, musste für die losen Produkte häufig sogar mehr zahlen als für die aufwendig verpackte Ware. Für die Verbraucherschützer ist das ein Unding. Sie fordern: “Verbraucher müssen unverpackt einkaufen können, ohne höhere Preise oder längere Wege in Kauf nehmen zu müssen.”

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