Suche

Anzeige

Gründerin Spilka: “Jede Frau versteht unser Geschäftsmodell”

Mädchenflohmarkt
Die Vision von Mädchenflohmarkt ist es, Secondhand zur Selbstverständlichkeit zu machen, sodass Frauen schon beim Neukauf daran denken, dass sie den Artikel weitergeben können. © Mädchenflohmarkt

Einst Nische, heute fast ein Muss für nachhaltig orientierte Konsumenten: Maria Spilka, Gründerin von Mädchenflohmarkt, über Anfänge und Veränderungen im Online-Secondhand-Handel und ein großes Rebranding-Projekt.

Anzeige

Frau Spilka, Sie tragen heute einen Rollkragenpulli und eindrucksvolle Ohrringe. Gebraucht erworben?

MARIA SPILKA: Ausgerechnet diese Teile habe ich nicht secondhand gekauft, aber Hose und Sneakers. Ungefähr drei Viertel meiner Garderobe sind aus zweiter Hand. Ich bin meine beste Kundin. Zu Beginn von Mädchenflohmarkt war mein Kleiderschrank übervoll. Meine Mitgründer haben mich auf Diät gesetzt, ich durfte sechs Monate überhaupt nichts mehr kaufen. Seither bin ich achtsamer beim Konsum.

Corona hat den Online-Handel boomen lassen. Auch den Secondhand-Markt?

In der Tat. Vom ersten Lockdown an haben unsere Kundinnen viel Zeit damit verbracht, Sachen bei uns auf der Plattform einzustellen oder unserem Concierge-Service zu senden …

… der die Kleidung gegen Provision fotografiert und verkauft. Da hat wohl der Hang zum Ausmisten eine Rolle gespielt.

Den hat die gesamte Branche zu spüren bekommen. Für ein paar Wochen klaffte eine ungewöhnlich große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.

Wurde dann später auch mehr gekauft?

Ja, nach anfänglicher Corona-Starre sind die Käuferinnen sehr aktiv geworden, so dass wir 2020 unsere Umsatzziele so gut wie erreicht haben. In diesem Jahr verzeichnen wir bisher sogar ein überdurchschnittlich hohes Wachstum.

Maria Spilka von Mädchenflohmarkt: “Ich durfte sechs Monate nichts kaufen. Seitdem bin ich achtsamer beim Konsum.” (Foto: Mädchenflohmarkt)

Mädchenflohmarkt wird jetzt bald zehn Jahre alt und hat rund zwei Millionen Nutzerinnen. Wie hat sich die Branche verändert?

Als wir 2012 anfingen, gab es noch keine Influencer; Instagram war ein Fotobearbeitungstool und die wenigen, die über Mode bloggten, taten das aus Spaß. Der Zeitgeist ging in Richtung Demokratisierung, dieser Gedanke stand auch Pate bei der Gründung von Mädchenflohmarkt: Mode zugänglich und erschwinglich machen. Wir sind mit der Idee nicht die einzigen geblieben. Einige Mitbewerber gibt es noch heute, andere nicht mehr.

Was ist Ihre Alleinstellung?

Wir waren in Deutschland die ersten mit einem Concierge-Service. Es ging dabei nicht nur um Komfort, sondern auch um Sicherheit, etwa durch die Qualitäts- und Echtheitsprüfung. Auch eine verlässliche Zahlungs- und Versandlogistik war uns wichtig. Damit konnten wir uns profilieren. Vor einiger Zeit haben wir aber realisiert, dass wir uns mit den Markenbotschaften der ersten Jahre zu wenig differenzieren. Deshalb haben wir ein großes Rebranding-Projekt angestoßen. Bisher standen bei Mädchenflohmarkt Sicherheit und Leistung im Vordergrund. Künftig wollen wir nach außen tragen, dass Secondhand auch Spaß macht und gleichzeitig nachhaltiger ist.

Und damit jüngere Zielgruppen in den Blick nehmen?

Der Name Mädchenflohmarkt signalisiert: jung und günstig. Aber das Durchschnittsalter unserer Käuferinnen liegt bei 35 Jahren und das unserer Verkäuferinnen bei 40. Wir adressieren also in erster Linie Millenials. Die größte Affinität zu Secondhand-Mode hat aber die Generation Z, die wir künftig stärker ansprechen wollen.

Ist der Name Mädchenflohmarkt noch zeitgemäß? Männer grenzen Sie damit aus.

Wir stellen uns diese Frage immer wieder, glauben aber, dass wir einen Kategorie-Begriff geschaffen haben: Jede Frau versteht sofort, was unser Geschäftsmodell ist. Gegen ein Männersortiment haben wir uns bewusst entschieden. Wir machen bei Mädchenflohmarkt die Erfahrung, dass etwa 15 Prozent der Mode kaum oder gar nicht getragen wurde. Männer tragen ihre Sachen dagegen bis zur Löchrigkeit.

Was soll künftig Ihre Kernbotschaft sein?

Wir sagen: “We change the World, one re-loved piece of clothing at a time.” Damit wären wir beim Thema Nachhaltigkeit. Das ist bei den Leuten angekommen und ein Grund für den Secondhand-Boom. Bei der Gründung von Mädchenflohmarkt war das so nicht absehbar und spielte daher auch in unserer Kommunikation keine große Rolle. Heute greifen wir das Thema auf: Secondhand-Mode als Möglichkeit, mit Spaß und mit einem guten Gewissen zu konsumieren.

Unsere Vision ist es, Secondhand zur Selbstverständlichkeit zu machen in dem Sinne, dass Frauen schon beim Neukauf daran denken, dass sie den Artikel weitergeben können. Und sich deshalb häufiger für gute Qualität entscheiden. Das erreichen wir nur, indem wir den Concierge-Service so günstig und einfach machen, dass er für die breite Masse zugänglich ist.

Auch immer mehr Hersteller und Händler wie Levi‘s oder H&M etablieren für ihre Produkte Secondhand-Drehscheiben. Ist das ein Problem für Sie?

Nein, denn so wird das Thema Secondhand unterstützt. Schon kurz nach unserer Gründung hatten wir großen Marken vorgeschlagen, ihren Kundinnen anzubieten, nicht mehr getragene Sachen durch uns verkaufen zu lassen. Damals war das für sie komplett undenkbar. Aber seit 2017 arbeiten wir genau auf diese Weise etwa mit Breuninger zusammen. Immer mehr Modemarken möchten nachhaltiger agieren, und wir haben die Expertise, ihnen dabei zu helfen.

Seit Dezember kooperiert Mädchenflohmarkt auch mit About You. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Von 370.000 Artikeln, die About You in seiner Rubrik Second Love führt, stammen 330.000 von uns. Wir profitieren von Reichweite und Zielgruppenansprache – und ich glaube, dass auch About You zufrieden ist.

Kommt das Segment nicht langsam an seine Grenzen? Oder anders gefragt: Müssen Sie, um langfristig zu wachsen, über Mode hinaus in andere Segmente gehen?

Nein. Lediglich Kindermode läge darüber hinaus nahe, ist aber wegen der niedrigeren Preise nicht so einfach. Wir wollen Kooperationen mit Händlern und Marken erweitern und international investieren. Derzeit laufen in sieben Ländern Plattformen von uns, außerhalb des deutschen Sprachraums unter dem Namen Preloved.

Und was sind Ihre persönlichen Perspektiven? Cecile Wickmann hat ihre Plattform Rebelle nach acht Jahren unlängst verlassen. Für Sie keine Option?

Nein, ich habe auch nach all den Jahren noch so viele Ideen für Mädchenflohmarkt. Gefühlt fängt es gerade erst richtig an!

absatzwirtschaft+

Sie wollen weitere relevante Informationen und spannende Hintergründe für Ihre tägliche Arbeit im Marketing? Dann abonnieren Sie jetzt hier unseren kostenfreien Newsletter.

Anzeige

Marke

Warum heißt die Marke so? Heute: Starbucks

Es ist schon ein kulturhistorischer Treppenwitz, dass die weltweit bekannteste Cafékette nicht aus Italien oder Österreich stammt. Stattdessen kommt sie ausgerechnet aus dem Land, das über Jahrzehnte für schlechten Kaffee bekannt war, nämlich den USA. mehr…


 

Newsticker

Warum heißt die Marke so? Heute: Starbucks

Es ist schon ein kulturhistorischer Treppenwitz, dass die weltweit bekannteste Cafékette nicht aus…

Chrzanowski rückt an die Spitze der Schwarz-Gruppe

Die Lidl- und Kaufland-Mutter hat den Termin für den bereits im Vorjahr angekündigten…

Moderne Mitarbeiterführung: Mehr Coach, weniger Chief

Die Herausforderungen an Führungskräfte haben sich radikal geändert. Benjamin Minack beschäftigt sich mit…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige