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Fünf Beobachtungen vom Mobile World Congress und der Start-up-Show 4YFN

Christian Clawien, Director Digital Strategy bei fischerAppelt © © Foto: fischerAppelt

Da ist er auch schon wieder vorbei, der Mobile World Congress in Barcelona. Für die absatzwirtschaft blickt Christian Clawien, Director Digital Strategy bei fischerAppelt, auf eine ereignisreiche Woche, in der er auch noch Zeit fand, auf der Start-up-Show „Four years from now“ vorbeizuschauen. Fünf Beobachtungen von zwei Events.

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Ein Beitrag von Christian Clawien, Director Digital Strategy bei fischerAppelt

Wenn eine lokale Tageszeitung auf der Start-up-Show „Four years from now“ (4YFN) mit dem Slogan wirbt „Alles, was sie wissen müssen – auf Papier.“, dann klingt das fast wie eine Entschuldigung. Ein Bild, das Bände spricht über die Transformationsprozesse in den Medien. Die spielten interessanterweise kaum eine Rolle bei den über 300 Start-ups, die sich auf der Parallelveranstaltung 4YFN zeigten. Auch Social Media- oder Endkundenapps sah man dieses Jahr kaum. Die Luft ist anscheinend dünn geworden für Neugründungen, deckt das Zuckerberg-Imperium doch die meisten Bedürfnisse ab. Bunt, laut und vibrierend war es dennoch. Einen roten Faden aus tausenden Fäden zu spinnen – eine schier unlösbare Aufgabe. Und dennoch: Ein paar Linien lassen sich ziehen, nach drei Tagen Mobile World Congress und 4YFN.

Alles wird elektrisch – und vernetzt

Über Elektroautos ist ja schon eigentlich alles gesagt worden und es wird bald losgehen. Schneller sind da die kleineren elektrischen Vehikel. Elektrotretroller sind das nächste Ding für alle europäischen Großstädte. In Deutschland ab 1.4. zugelassen, in Barcelona schon überall auf der Straße. Als Verleih über Scoop oder zum Kaufen von SEAT. Auch im Airbus BizLab fragt man sich, ob die Zukunft auch im Himmel aus dem Akku kommt. Das Easyjet / Wright Electric Konzept soll ab 2027 rund 180 Passagiere auf 540 km rein elektrisch befördern. Und dann kommt auch noch die Autonomie dazu. Ein interessantes Start-up hier: „Humanising economy“.

Denn was unter autonomen Fahrzeugen alleine gut funktioniert, gerät heute in Unruhe, wenn der Mensch dazu kommt. Mit Kameras erkennt man beispielsweise, wenn jemand sein Telefon aus der Tasche vor der Ampel zieht und dann unaufmerksam wird. Das autonome Fahrzeug fährt langsamer. Autonome Maschinen müssen menschliches Verhalten aufmerksam studieren, damit es nicht zu Unfällen kommt. Das Start-up hilft dabei.

B2B erlebt einen Gründer-Frühling

Twilio, GitHub, Plaid, Duo oder Stripe. Noch nie gehört? Eine neue Riesenwelle von B2B-Enterprise Software as a Service Plattformen, die für Milliarden über den Tisch gehen. Und so wundert es nicht, dass auf dem 4YFN gefühlt zwei Drittel aller Gründungen digitale Services für andere Services sind. Data Frameworks, smarte Algorithmen, die Conversions im E-Commerce treiben, KI Tools und so weiter. Auch der Gewinner des 4YFN-Awards zählt zu dieser Kategorie.

„Nanolock“ ist eine Sicherheitssoftware, welche direkt in IoT-Devices integriert wird. Ein israelischer Sicherheitsspezialist ist im Team, ein paar Millionen Umsatz macht man schon. Es geht um die Werkzeuge zum Produzieren von Software. So ist „ParkNav“ ein B2B-Anbieter, der über verschiedene Datenquellen freie Parkplätze anzeigen kann. Viele Parking-Apps haben deren Daten integriert. Google bietet mit Flutter ein Tool an, dass iOS und Android-Apps auf einem gemeinsamen Code entwickelt. Vorbei die Zeiten von doppelter Entwicklung und Maintenance. Die Abbey Road-Studios haben damit ihre erste Musik-App gebaut, die mehrfach Preise gewonnen hat: Topline. App-Baukästen wie “King of App” machen App-Entwicklung mittlerweile so einfach wie das Aufsetzen eines WordPress-Blogs.

Geld ist da – sitzt aber nicht mehr so locker

Venture Kapital ist weiterhin ausreichend vorhanden, die Eintrittsschwellen werden aber immer höher. Unter 5 Millionen Dollar Umsatz im Jahr braucht man sich kaum noch zu bewerben. Und das Geld kommt später. Bei Series A Fundings oft erst nach 3,5 Jahren. Die Zahl der Deals sinkt, aber das Volumen steigt.

Wer als europäisches Start-up im Valley Fuß fassen will, braucht nachweisbares Interesse und erste Kunden in den USA. Die Entwicklung bleibt aber oft noch in Europa. Kein Wunder. Ein Ein-Zimmer-Apartment kostet im Valley pro Monat gerne mal über 3.000 Dollar, ein Tech-Entwickler verdient durchaus 250.000 Dollar im Jahr.

Technologie – politisch wie nie

Wie in der letzten Kolumne angedeutet: Technologie wird immer politischer. Die Causa Huawei überschattete den ganzen Kongress. Doch jetzt mehren sich langsam die Stimmen von anderen Unternehmen, die die Chinesen in Schutz nehmen. Laut eines Medienvertreters, der mit sehr vielen Telkos gesprochen hat, haben die allermeisten weder Probleme noch Angst vor chinesischer Netztechnik. Doch das Engagement geht noch weiter.

Nicht nur Smartphones und 5G-Technik bietet Huawei an, auch das Enterprise-Geschäft wächst stark. So ist die “Huawei Digital Platform” als eine Art digitales OS für IoT, KI, AI und Smart Cities auch schon in Europa im Einsatz, beispielsweise in Italien. Ob aber beispielsweise Ericsson aus dieser Debatte etwas schöpfen kann, muss sich noch zeigen. Als während des Kongresses die weltweite Kritik an der App „Absher“ laut wird, die arabische Frauen gängelt, bekommt man ein Gefühl dafür, dass technischer Fortschritt nicht immer etwas mit der Werbung für eben diesen zu tun hat.

Mensch bleiben lohnt sich

Viele gute Nachrichten gibt es natürlich auch – und damit enden wir dann auch. Einer der Top VCs Andreessen Horowitz hat verkündet, dass er bis Ende des Jahres mindestens ein Drittel Start-ups finanzieren will, die sich zu den UN Sustainable Development Goals bekennen oder Lösungen zur Erreichung der UN-Ziele entwickeln. Zum Beispiel mit IoT, um das Aussterben von Bienen zu verhindern. Dass dieses in Hunderttausenden Plastikflaschen auf dem Event konsumiert wird, wäre übrigens eine schöne Aufgabe für nächstes Jahr für den Veranstalter GSMA.

Geht das nicht anders? Vielleicht findet sich ein Start-up, das die Lösung dafür schon in petto hat. Ich glaube ganz fest daran!

Die ersten beiden Berichte lesen Sie hier und hier.

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