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Erich Sixt übergibt das Steuer an seine Söhne

Erich Sixt
Erich Sixt: "Das Unternehmen ist mein Leben." © Sixt

Erich Sixt hat aus einem Kleinbetrieb einen Konzern geschmiedet. Ein halbes Jahrhundert stand er an der Spitze – nun macht er Feierabend. Seine Söhne Alexander und Konstantin übernehmen das Steuer bei der Mobilitätsplattform, die auch für ihre auffälligen Werbemaßnahmen bekannt ist.

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Generationswechsel an der Spitze von Deutschlands größtem Autovermieter: Mitten in der Corona-Krise übergibt der 76-jährige Vorstandschef und Großaktionär Erich Sixt das Steuer an seine Söhne Alexander und Konstantin. Das teilte das Unternehmen am Montag in Pullach bei München mit.

Nach der Hauptversammlung am 16. Juni, kurz vor seinem 77. Geburtstag, scheide Erich Sixt aus dem Vorstand aus und wolle anschließend den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen, teilte das Unternehmen am Montag in Pullach bei München mit.

Sixt wächst von 200 auf 250.000 Fahrzeuge

Erich Sixt hat das Unternehmen ein halbes Jahrhundert lang geführt. Schon als 25-Jähriger übernahm er für seinen erkrankten Vater 1969 die Leitung des damaligen Taxibetriebs mit 200 Mietwagen in München.

Inzwischen ist Sixt einer der weltweit führenden und profitabelsten Mobilitätsdienstleister mit mehr als 250.000 Fahrzeugen und 8500 Mitarbeitern im In- und Ausland. Das Unternehmen ist in rund 110 Ländern weltweit präsent. Insbesondere in den vergangenen zehn Jahren vor dem Einsetzen der weltweiten Covid-19-Pandemie eilte der Konzern unter seiner Führung von Rekordjahr zu Rekordjahr.

Umsatzeinbruch durch Corona

Reisebeschränkungen und Lockdowns in der Corona-Krise ließen den Konzernumsatz von Sixt im vergangenen Jahr allerdings von 2,5 auf 1,5 Milliarden Euro drastisch einbrechen. Obwohl Sixt seine Autoflotte um ein Viertel verkleinerte, 1200 Stellen abbaute und viele Mitarbeiter in Kurzarbeit schickte, rutschte das Konzernergebnis vor Steuern mit minus 81,5 Millionen Euro in die roten Zahlen. Durch den Verkauf des Leasinggeschäfts stand unter dem Strich jedoch doch noch ein Gewinn von zwei Millionen Euro nach Steuern, wie Sixt am Dienstag bekannt gab

Deutschlands größte Autovermietung hat demnach auch im Corona-Krisenjahr 2020 einen kleinen Gewinn erwirtschaftet und dem scheidenden Vorstandschef Erich Sixt damit die größte Freude gemacht. “Ich möchte nicht nach 50 Jahren abtreten und im letzten Jahr noch einen Verlust verzeichnen”, sagte der 76-Jährige Firmenpatriarch am Dienstag in Pullach: “Dieser Makel” sei ihm erspart geblieben.

Sixt schließt Einstieg von VW aus

Zu Spekulationen über einen Einstieg von VW hatte der Firmenpatriarch klargestellt: “Das Unternehmen ist mein Leben. Das würde ich niemals verkaufen.” Er habe immer Wert darauf gelegt, dass seine Familie die Kontrolle über das Geschäft behalte.

Bis zur Corona-Krise hatten Sixt-Hauptversammlungen etwas von Familienfeiern gehabt, wenn Vater und Söhne auf dem Podium saßen und Mutter Regine Sixt am Rednerpult für ihre Kinderhilfe-Stiftung warb. Weil er stets frei spricht, eine eigene Meinung und Spaß an der Provokation hat, waren sie auch recht unterhaltsam. Meist stellt er auch noch eine neue Werbeidee vor.


Sixt-Marketingchef: “Unsere Fans nehmen die Motive als Serie war”

Sixt hat in den vergangenen Jahren immer mehr Politiker durch den Kakao gezogen. Gerade in den Social-Media-Kanälen trifft der Autovermieter damit den Nerv vieler Nutzer. Wieso der US-Präsident Donald Trump bisher vom typischen Sixt-Spott verschont geblieben ist, verrät Marketingleiter Robin Ruschke.


Erich Sixt hat seit 1969 schon viele schwere Krisen erlebt – schon in der Ölkrise mit Fahrverbot 1973 hat er nach eigener Aussage gedacht, das sei das Ende für das Unternehmen. Dieses sei jedoch kerngesund mit genug Eigenkapital ausgestattet, um selbst jahrelange Verluste zu stemmen, hatte Firmenchef Sixt zuletzt betont.

Alexander und Konstantin Sixt übernehmen

Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat nun Alexander und Konstantin Sixt zu gemeinsamen Vorstandsvorsitzenden ab 17. Juni bestellt. Mit ihnenübernimmt die vierte Generation der Familie Sixt die Unternehmensleitung.

Alexander (41) und Konstantin Sixt (38) traten in den Jahren 2009 beziehungsweise 2005 in den Konzern ein und wurden 2015 in den Vorstand berufen. 2009 trat das Unternehmen in eine exponentielle Wachstumsphase ein, die bis zum Beginn der Covid-19-Pandemie ununterbrochen anhielt. So konnte Sixt seinen Konzernumsatz von 2009 bis 2019 von 1,6 Milliarden Euro auf 3,3 Milliarden Euro verdoppeln, den Gewinn (EBT) von 15,1 Millionen Euro auf 337,4 Millionen Euro mehr als verzwanzigfachen und die Marktkapitalisierung von 0,5 Milliarden Euro auf 3,8 Milliarden Euro verachtfachen.

Drive Now, Sixt Leasing, “Phoenix

Alexander Sixt, aktuell als Vorstand zuständig für Konzernstrategie/M&A, Sixt Tech, Einkauf und Personal, hatte unter anderem bereits im Jahr 2011 den Grundstein für die neuen Mobilitätsdienste bei Sixt gelegt und gemeinsam mit BMW das Joint Venture Drive Now zu einem profitablen Carsharing-Anbieter in Europa aufgebaut. Bei Verkauf der Beteiligung der Sixt SE an dem Joint Venture unter Federführung von Alexander Sixt lag die Unternehmensbewertung von Drive Now bei insgesamt 420 Millionen Euro.

Des Weiteren war Alexander Sixt verantwortlich für die Restrukturierung der Sixt Leasing SE im Jahr 2010, den Spin-off im Wege eines Börsengangs im Jahr 2015 sowie den erfolgreichen Verkauf des Anteils von circa 41,9 Prozent, den die Sixt SE nach Börsengang noch an der Sixt Leasing SE hielt, an Santander und Hyundai im Jahr 2020. Zu Beginn der Covid-19-Pandemie Anfang 2020 übernahm er schließlich die Leitung des Krisen- und Kostenmanagementprogramms “Phoenix” des Konzerns. Hierdurch konnte Sixt nach eigenen Angaben Kosteneinsparungen von fast 600 Millionen Euro erzielen und im Jahresergebnis trotz des erheblichen Pandemie-bedingten Nachfragerückgangs im Bereich Mobility in Europa sogar einen leichten Gewinn vor Steuern (EBT) in Höhe von 7,3 Millionen Euro erwirtschaften.

Mit Sixt Tech zur globalen Mobilitätsplattform

Konstantin Sixt verantwortet als Vorstand Vertrieb (CSO) seit 2015 den Umsatz von Sixt. Die Umsatzerlöse des Geschäftsbereichs Mobility seit 2015 um 64 Prozent auf 2,49 Milliarden Euro im Jahr 2019 mit einem internationalen Anteil von 61 Prozent. Der Anteil der digitalen Reservierungen über Online & Mobile stieg auf 70 Prozent im Jahr 2019.

Bereits heute treiben Konstantin und Alexander Sixt gemeinsam den Bereich Sixt Tech voran, in dem sämtliche Digitalisierungsinitiativen des Konzerns gebündelt sind. Herzstück von Sixt Tech ist die globale Mobilitätsplattform One, in der das Unternehmen 2019 sein komplettes Produktportfolio digitalisiert zusammenführte.

Seitdem bietet das Unternehmen über die Sixt-App eine globale, integrierte Plattform für Autovermietung, Carsharing sowie Taxi- und Fahrdienste an. Im Sommer 2020 wurde das Angebot durch das Auto Abo Produkt Sixt+ ergänzt, das inzwischen bereits in acht Ländern inklusive der USA ausgerollt wurde. Ende 2019 verzeichnete die neue Plattform One rund zwei Millionen Euro Umsatz am Tag.

absatzwirtschaft+

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