Avatare? Nein danke!

Marketing Tech verändert nicht nur die Zielgruppen-Ansprache, sondern schafft auch neue Umgebungen. Während komplett virtuelle Realitäten wie das Metaverse gehypt werden, bringen hybride Lösungen schon heute Mehrwerte.
Trotz Metaverse-Hype setzen sich hybride Welten durch. ©iStockphoto

Was haben wir uns während der Corona-Pandemie digitale Kommunikationstechnologien schöngeredet: Videokonferenzen, digitale Zusammenarbeit, virtuelle Events, alles easy. Doch spätestens seit dem OMR Festival von vergangener Woche dürfte auch den kühnsten Marketing-Visionären wieder klar geworden sein: An das Real Life (RL) reichen virtuelle Formate nicht heran: 70.000 Menschen im Erfahrungsaustausch und im Bühnenrausch, Emotionen live und in Farbe. Zumindest denen, die in Hamburg vor Ort waren, dürfte es nun wieder schwerer fallen, sich ein Leben und gemeinsame Events in virtuellen Realitäten vorzustellen – weder für sich, noch für die Käufer ihrer Produkte und Dienstleistungen. Metaverse? 70.000 Avatare? Headset? Vielleicht schlafen wir noch einmal eine Nacht darüber.

Hybrid ist mehr als ein Kompromiss

Eventuell liegt die Wahrheit in der Mitte. In hybriden Konzepten und digital aufgewerteten Realitäten. Bestes Beispiel: Augmented Reality (AR). Sie kann für das reale Leben Mehrwerte liefern, indem sie es mit digitalen Informationen anreichert. Seit Kurzem unterstützt Google Maps Nutzer*innen mit Hilfe einer KI-basierten Technologie dabei, sich besser in komplexen Gebäuden zurechtzufinden, zum Beispiel in Flughäfen oder Einkaufszentren oder auch an neuen Orten. Mit der Auswahl „Live View“ wird auf dem Smartphone-Display das reale Kamerabild mit virtuellen Pfeilen und Anweisungen erweitert, um besser zum Ziel zu navigieren. Ein klarer Mehrwert. So soll es sein.

In Werbekampagnen halten hybride Konzepte ebenfalls Einzug. Nicht nur in Form von gebrandeten Augmented-Reality-Filtern, sondern auch in der Produktion. AlphaTauri zum Beispiel, die Premium-Fashion Brand von Red Bull, spielt aktuell eine hybrid produzierte Kampagne im Social Web aus. Virtuelle und reale Elemente verschmelzen darin miteinander. Produziert wurde im Mixed-Reality-Studio von Plazamedia mithilfe der sogenannten XR-Technologie. Dabei werden digitale, dreidimensionale Welten kreiert und auf einer LED-Wand im Studio dargestellt. Dieser virtuelle Background wird mit Requisiten aus der realen Welt kombiniert, sodass sich die digitale und die analoge Ebene visuell verbinden. Diese Technologie wird bisher hauptsächlich in der Film-und Gaming-Industrie eingesetzt. Nun tastet sich die hybride Produktion in die Werbewelt vor und spart auch dort Reisezeit und Ressourcen. Im Moment spricht vieles für RL und hybride Lösungen. Das Metaverse bleibt noch einen großen Traum entfernt.

Schon gehört?

Mit hybriden Stories lassen sich Zielgruppen mitunter sehr gut ansprechen. So möchten jetzt Axel Springer und Snap Inc. im Rahmen einer globalen Partnerschaft in den Aufbau von Augmented-Reality-Nachrichtenerlebnissen für die mehr als 600 Millionen Snapchat-Nutzer*innen investieren. Außerdem soll die FreeTech Academy von Axel Springer mit Unterstützung von Snap die Grundlagen von AR unterrichten und die nächste Generation von Reportern darauf vorbereiten, mit AR-Storytelling auf Snapchat zu experimentieren.

Mit AR geben sich Gamer hingegen selten zufrieden. Sie gelten als digitale Trendsetter und sind bereits heute oft in komplett virtuellen Welten unterwegs. Warum Gamer eine ultimative Marketing-Chance sind, ist in einem aktuellen Podcast von The Drum zu hören.

Doch digitale Umgebungen bergen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken – Apples IDFA-Änderungen, die sterbenden Drittanbieter-Cookies, Datenschutzaktualisierungen und vieles mehr tragen dazu bei. Einem Bericht der Marketing Tech News zufolge hat die Hälfte der Vermarkter aufgrund neuer Werbevorschriften Umsatzeinbußen erlitten.

Übrigens: Umsatzeinbußen drohen auch, wenn in der Firma Daten-Chaos herrscht. Wenn Sie schon immer wissen wollten, woran man es erkennt und wie man es löst, dürfte Ihnen dieser Beitrag des CDP-Instituts gefallen. Falls nicht, könnte ein Frustshopping vor dem AR-Spiegel eine Alternative sein.

In diesem Sinne. Bleiben Sie inspiriert!

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