Suche

Anzeige

2020 womöglich Wendepunkt für Elektroautos in Europa

Nicht nur staatliche Kaufprämien lassen den Absatz von Elektroautos derzeit steigen. © Michael Marais / Unsplash

Viel Geld haben die deutschen Autobauer in den vergangenen Jahren in Elektroantriebe gesteckt, doch so recht kaufen wollten die Autos nur wenige. Hilft jetzt ausgerechnet Corona den Autobauern dabei, hohe Strafen der EU-Kommission zu vermeiden?

Anzeige

Die Autobauer in Europa sind Fachleuten zufolge auf einem guten Weg, die verschärften Vorgaben der EU-Kommission in Sachen klimaschädlicher CO2-Abgase zu erfüllen. Im ersten Halbjahr stiegen die Neuzulassungen von elektrisch angetriebenen Autos in zehn großen europäischen Märkten um fast 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie aus einer Studie der Strategieberatung Strategy& hervorgeht, die zum Beratungsunternehmen PwC gehört. “Setzt sich der Absatzerfolg elektrifizierter Fahrzeuge fort, so erreichen die europäischen Automobilhersteller voraussichtlich in diesem Jahr die neuen CO2-Grenzwerte der EU”, sagte PwC-Automobilexperte Felix Kuhnert am Donnerstag.

Jahrelang hatten die Autobauer Milliarden in neue Technik rund um Elektromobilität und CO2-Vermeidung gesteckt, um hohe Strafen der EU-Kommission ab diesem Jahr zu vermeiden. Von Übergangsregelungen 2020 abgesehen, dürfen die neu verkauften Autos der Hersteller im Schnitt im Grundsatz nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Davon waren auch die deutschen Autokonzerne Volkswagen, Daimler und BMW im vergangenen Jahr noch weit entfernt mit Werten von jeweils deutlich über 120 Gramm.

Deutlich weniger Diesel und Benziner verkauft

Für das Erreichen der Ziele ist vor allem das Verhältnis der verkauften Elektroautos mit saubereren Antrieben zu den Verbrennern ausschlaggebend. Grund für den laut PwC mit 18,9 Prozent deutlich erstarkten Marktanteil der elektrifizierten Fahrzeuge sind vor allem die kräftigen Rückgänge von herkömmlichen Verbrennern in der Corona-Krise. Wochenlang konnten die Autobauer über die Händler wegen des Lockdowns keine Autos mehr verkaufen. PwC bezifferte in den zehn europäischen Ländern das Minus von Benziner und Diesel auf fast 58 Prozent in den ersten sechs Monaten.

Insbesondere der Anstieg bei den umstrittenen Plug-in-Hybridautos sorgte bei den Elektroautos für kräftigen Aufschwung. In den fünf größten europäischen Märkten kletterte der Absatz laut PwC mit rund 50.000 Stück auf mehr als das Doppelte. Auch die deutschen Oberklassehersteller Mercedes, BMW und Audi setzen stark auf die aufladbaren Mischantriebe, bei denen nicht garantiert ist, dass die Kunden sie auch den überwiegenden Teil der Nutzung mit Elektroantrieb emissionsfrei fahren.

Längerer Schub durch Kaufprämien erwartet

Auch in Deutschland geht es mit den Elektroantrieben vorwärts, im zweiten Quartal laut PwC um insgesamt 26 Prozent. Und die seit Februar aufgestockten und mit der Corona-Krise in Deutschland nochmals erhöhten Kaufprämien könnten den Fachleuten zufolge noch länger Schub geben. “Aktuell trifft die starke Nachfrage der Verbraucher auf ein noch begrenztes Angebot beziehungsweise lange Lieferzeiten, weshalb die Effekte der staatlichen Fördermaßnahmen in Deutschland erst im kommenden Jahr deutlicher zu spüren sein werden”, sagte Kuhnert.

“2020 könnte aus unserer Sicht den Wendepunkt für Elektromobilität in Europa darstellen, da die europäischen Regierungen jetzt koordiniert mit Fördermaßnahmen wie steuerlichen Vorteilen und Kaufprämien vorgehen”, sagte PwC-Analyst Christoph Stürmer.

In den USA und dem für Elektroantriebe besonders wichtigen chinesischen Markt sah es in der Corona-Krise hingegen weniger gut aus: Im zweiten Quartal sanken die Neuzulassungen von E-Fahrzeugen in China um 22 Prozent, in den USA um 33 Prozent. In beiden Regionen stiegen die Zulassungen von Hybridfahrzeugen im Juni aber bereits an. Es sei zudem damit zu rechnen, dass zusätzliche Förderprogramme die Nachfrage erhöhen dürften.

tht/dpa

absatzwirtschaft+

Sie wollen weitere relevante Informationen und spannende Hintergründe für Ihre tägliche Arbeit im Marketing? Dann abonnieren Sie jetzt hier unseren kostenfreien Newsletter.

Anzeige

Kommunikation

“Marke post Corona” – Serie über die Learnings aus der Krise

In unserer Serie "Marke post Corona: Learnings aus der Krise" berichten Marketingverantwortliche über ihre Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Zeit. Hier finden Sie alle acht Beiträge der Reihe im Überblick. mehr…



Newsticker

Cocooning und Projektgeschäft: Occhio wächst während Corona

Der Leuchtenhersteller Occhio legt beim Umsatz seit Jahren kräftig zu. Trends wie Cocooning…

Studien der Woche: New Work, Gen Z, Bundesliga, Mittelstand

Marktforschung und Wirtschaft veröffentlichen täglich neue Studien, die für Unternehmen und Marketer wichtig…

Hamstern gegen die Ohnmacht: psychologisch klar, aber unnötig

Kaum steigen die Corona-Zahlen, gibt es auch wieder erste Bilder von leeren Toilettenpapier-Regalen…

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige