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Warum heißt die Marke so? Heute: Bulli

Der Bulli erlangt ab den 70er Jahren Kultstatus unter jungen Leuten. © Kevin Schmid / Unsplash

Den "Bulli" von Volkswagen kennt fast jeder, aber das Unternehmen versieht erst seit der letzten Baureihe einige Ausführungen seines T6 offiziell mit dieser Bezeichnung. Obwohl der "VW-Bus" schon seit Jahrzehnten so genannt wird, besitzt Volkswagen die Markenrechte für diesen Namen erst seit 2005.

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Angeblich war “Bulli” einer von neun Vorschlägen, die man bei VW vor der Markteinführung des Kleinbusses 1950 intern diskutiert hat. “Bulli” sollte demnach für “Bus und Lieferwagen” stehen. Dass man sich in der Volkswagen-Führungsetage dann für die äußerst sachliche Bezeichnung “Typ 2 T1” entschied, hatte auch markenrechtliche Gründe; denn man fürchtete eine zu große Nähe zum damals berühmten Bulldog-Traktor der Marke Lanz.

Typ 2 bezeichnete die zweite Baureihe nach dem Käfer (Typ 3 war dann der VW 1500/1600 und Typ 4 später das Modell 411/412); die Nachfolgemodelle des Transporters hießen T2 (ab 1967), gefolgt von T3, T4, T5 und T6 (ab 2015). Ab dem T4 wurde die Baureihenbezeichnung “Typ 2” aufgegeben. Daneben gab es ab den 80er-Jahren eigene Marken für bestimmte Ausstattungslinien wie “Caravelle” (ab 1981) und “Multivan” (ab 1997).

“Bulli” setzte sich ohne gesteuertes Marketing duch

In den 50er- und 60er-Jahren hieß das Fahrzeug im Volksmund einfach “VW-Bus” oder “VW-Transporter”. Erst als im Laufe der 70er-Jahre der VW-Bus unter jungen Leuten einen Kultstatus erlangte, tauchte wieder die Bezeichnung “Bulli” auf und setzte sich ohne gesteuertes Marketing in breiten Kreisen durch.

Das passiert häufig, wenn ein attraktiver Name für ein attraktives Produkt fehlt, genau wie beim Namen “Käfer”, der ebenfalls lange keine Marke des Herstellers war.

Markenrechte im Vorfeld des 60-Jahr-Jubiläums erworben

Volkswagen versäumte es zu der Zeit, sich die Markenrechte an “Bulli” zu sichern. So kam dem Konzern die Firma Kässbohrer Geländefahrzeug AG zuvor und meldete 1979 die Namen “Bulli” und “Bully” als Marke an.

Erst im Vorfeld des 60-jährigen Modelljubiläums gelang es Volkswagen, 2005 die Marke “Bulli” von Kässbohrer zu kaufen, wobei diese Firma aber weiterhin ihren “Pisten Bully” – ein Fahrzeug zum Präparieren von Skipisten – vertreiben darf.

Und bei Volkswagen kann man jetzt einen “Bulli” fahren, auf dem auch “Bulli” draufsteht.

Der Artikel ist im Rahmen der monatlichen Kolumne “Warum heißt die Marke so?” auch in der Print-Ausgabe der absatzwirtschaft erschienen. Einzelne Ausgaben oder ein Abo der absatzwirtschaft können Sie hier bestellen.

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Kommentare

  1. Um eins mal zu klären: Die Herkunft der Kurzform Bulli wird oft in der Zusammensetzung der Wörter „Bus“ und „Lieferwagen“ vermutet, dies trifft aber nicht zu. Das Volkswagenwerk schrieb die Namensgebung dem rundlichen (bulligen) Erscheinungsbild der charakteristischen VW-Bus-Front zu. Sonst müsste es ja “Buli” heissen.

    1. Sie mögen recht haben, was die nicht belegte Ableitung von „Bus“ und „Lieferwagen“ betrifft, zumal es dazu keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt. Allerdings war es nicht „das Volkswagenwerk“, das in den 70er Jahren die Bezeichnung „Bulli“ benutzte, sondern zunächst der schwer zu fassende „Volksmund“. Dass Volkswagen damit einer „bulligen“ Erscheinungsform Rechnung tragen wollte, wäre auch eher unwahrscheinlich zumal in den 70ern die Form (auch die der Front) vor allem im Vergleich zum Käfer eher kantig als rundlich war. Das gilt letztendlich auch schon für den T1, der zudem mit anfangs 25PS kaum mit „bulligen“ Eigenschaften glänzte.

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