Plant-based vs. Vegan: Wo liegt der Unterschied?

Immer mehr Menschen ernähren sich vegan. Doch nun sorgt ein weiterer Begriff für einen Hype in der Food-Branche: plant-based. Aber ist das nicht das Gleiche wie vegan?
Das Angebot vegetarischer und veganer Alternativen wurde in den letzten Jahren stark ausgebaut. ©Burger King x ProVeg

Von Stefica Budimir Bekan

Laut einer Studie von Veganz lebten 2,6 Millionen Veganer*innen im Jahr 2020 in Deutschland. Demnach ernähren sich 3,2 Prozent der Bevölkerung vegan und 3,6 Millionen (4,4 Prozent) vegetarisch. Zieht man eine Studie von Skopos aus dem Jahre 2016 zum Vergleich, lässt sich sagen: In nur vier Jahren hat sich die Anzahl der Veganer*innen von insgesamt 1,3 Millionen (2016) auf 2,6 Millionen Menschen verdoppelt. Ein aufsteigender Trend, auf den auch Burger King aufspringt. Mit „The Future of Fast Food: Die Plant-Based Revolution“ – so nennt das Unternehmen sein neues Projekt – will es die Fast-Food-Branche revolutionieren. Alle Beef-Burger bei Burger King in Deutschland gibt es jetzt nämlich auf Wunsch auch plant-based.

Jeder Burger soll in der Variante plant-based angeboten werden

Vor rund 25 Jahren hat Burger King mit dem Veggie King seinen ersten pflanzenbasierten Burger entwickelt. 2019 führte das Fast-Food-Unternehmen den Plant-based-Whopper und 2020 die ersten pflanzenbasierten Nuggets in der deutschen Systemgastronomie ein. 2021 folgte das weltweit erste Plant-based Burger King Restaurant in Köln. Nun will das Unternehmen noch eins draufsetzen.

https://www.instagram.com/p/CiH4a__KywG/

Dabei stellt das Unternehmen Fast-Food-Liebhaber*innen nicht nur eine Plant-based-Variante zur Verfügung. Ab sofort können Burger-King-Gäste deutschlandweit frei wählen, ob sie ihren Burger lieber mit flammengegrilltem Plant-based- oder Beef-Patty bestellen wollen. Der Fast-Food-Gigant garantiert: „Keine Kompromisse im Geschmack: 0 % Fleisch. 100 % Geschmack.“ Gemeinsam mit The Vegetarian Butcher hat Burger King pflanzenbasierte Pattys entwickelt, die nicht nur aussehen wie Fleisch, sondern auch danach schmecken sollen.

Wo liegt der Unterschied zwischen plant-based und vegan?

Plant-based, vegan – ist doch alles das Gleiche, oder? Nicht ganz. Denn obwohl die beiden Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es dennoch einen entscheidenden Unterschied. Veganer*innen verzichten nicht nur bei der Ernährung auf tierische Produkte wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch oder Honig, sie tragen auch weder Kleidung, die aus Pelz, Leder, Wolle oder auch Seide besteht, noch verwenden sie Kosmetik, die beispielsweise Schneckensekret beinhaltet. Sie leben also vegan, weil es ihre Lebenseinstellung ist. Sie wollen nicht, dass aufgrund ihrer Ernährung Tiere getötet werden oder die Umwelt darunter leiden muss.

Plant-based bedeutet „pflanzenbasiert“, heißt aber nicht unbedingt, dass alle Verfechter*innen dieser Ernährungsform auch bei Peta-Protesten in der ersten Reihe stehen. Beim plant-based-Food geht es in erster Linie um pflanzliche und vor allem unverarbeitete Lebensmittel, bei denen der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund steht, nicht der Umwelt- oder der Tierschutz. In einigen Restaurants wird „pflanzenbasiert“ oft auch als das angesehen, was es ist: nämlich eine „Grundlage“. Das bedeutet auch, dass Zusätze wie Käse oder Fleisch nicht automatisch ausgeschlossen, sondern auch gerne mit plant-based-Produkten kombiniert werden.

Plant-based bedeutet auch gesund

Bei der Plant-based-Ernährung geht es zudem um Clean Eating. Verarbeitete Lebensmittel sollten dabei grundsätzlich gemieden werden. Noch ein Unterschied zur veganen Ernährung: Denn diese schließt zwar alle tierischen Produkte aus, erlaubt aber oft stark verarbeitete Ersatzprodukte oder auch vegane Gummibärchen und Schokolade. Auf dem Speiseplan der plant-based-Eater stehen daher Gemüse, Salate, Vollkornprodukte oder Hummus, keine Pommes oder Weißbrot.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat beispielsweise 20 vegane Fertigprodukte auf ihren Inhalt geprüft und dabei Erschreckendes festgestellt. Neben zu viel Fett und Salz fanden sich vor allem in den veganen Alternativen zu Fleisch, Wurst und Käse auch größere Mengen an Zusatzstoffen und Aromen. Vegane Ersatzprodukte bieten somit nicht zwangsläufig eine gesündere Alternative. Verbraucher*innen müssen daher genau hinschauen und jedes Produkt anhand der Zutatenliste bewerten.

Eine norwegische Studie, die in der Zeitschrift „PLOS Medicine“ veröffentlicht wurde, hat außerdem herausgefunden, dass eine pflanzenbasierte Ernährung das Leben um zehn Jahre verlängern kann. Ob man die plant-based Produkte von Burger King als gesund bezeichnen kann, ist jedoch zu bezweifeln.

Auch stand die Fast-Food-Kette in der Vergangenheit in der Kritik, da Burger King seine vegane Patties auf dem selben Grill zubereitete, auf denen auch die Fleisch-Patties gebraten werden – für Veganer ein No-Go. Auch sind die plant-based Nuggets in der gleichen Fritteuse zubereitet worden, wie die fleischhaltigen King-Nuggets. Als Begründung hieß es damals, dass „gewisse Zubereitungsabläufe und Vorschriften in den Restaurants, die weltweit gelten“ dazu führten, dass plant-based Nuggets leider nicht in der Pommes-Fritteuse zubereitet werden könnten.

Ist „plant-based“ der beliebtere Werbe-Begriff, weil vegan“ abschreckt?

In der Tat meiden Unternehmen den Begriff vegan, weil er oft mit Aktivismus in Verbindung gebracht wird; plant-based dagegen bedeutet einfach pflanzlich und steht für einen gesunden Lebensstil. In den USA wurde zu diesem Thema eine Umfrage durchgeführt. Die unterstützt, was viele vermuten: Der Begriff „plant-based“ wird von den Menschen positiver aufgenommen als der Begriff „vegan“.

So wurden Produkte, die mit „plant-based“ gekennzeichnet waren, besser bewertet als Produkte, die vegane Label trugen. Zudem wurden in Restaurants tierfreie Menüs eher gewählt, wenn sie als „plant-based“ und nicht als „vegan“ beworben wurden.