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Frau Digital: Ich bin die Führung

Neben fachlicher Kompetenz brauchen gerade junge Frauen eine gesunde Portion Selbstbewusstsein

Nach jahrelanger Diskussion hat der Bundestag Anfang März die Frauenquote verabschiedet: Aufsichtsräte großer Unternehmen müssen künftig einen Frauenanteil von 30 Prozent aufweisen. In der digitalen Welt aber ist weibliche Führung noch eine Seltenheit. Die moderne Frau schafft sich ihre Position lieber selbst.

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Eine Verfechterin der Quote ist Sanja Stankovic nicht. Frauen, findet die selbstständige Marketingberaterin, müssten auch etwas dafür tun, wahrgenommen zu werden – zumindest in ihrer Branche. „Ich glaube, dass Netzwerken gerade im Digitalen absolut entscheidend ist. Frauen haben darauf aber oft keine Lust. Sie neigen eher dazu, mit Leuten essen zu gehen, die sie nett finden.“ Das daraus resultierende Problem: Während der Anteil an Frauen in den Publika von Branchenveranstaltungen wie dem Kommunikationskongress, Marketingtag oder auch den Online Markteting Rockstars zunimmt, stehen auf ihren Bühnen hauptsächlich Männer. Ein Blick in die Konferenzprogramme zeigt, dass auf Speakerseite vielleicht zehn bis 15 Prozent Frauen sind. Auch wenn sich das Verhältnis in den vergangenen Jahren verbessert habe, noch gebe es hier ausreichend zu tun, sagt Stankovic: “Mich stört das tatsächlich. Ich habe in dem Fall gar keine Lust auf eine Veranstaltung zu gehen.”

Agenturen haben ein Frauenproblem in der Führungsebene

Diese Tendenz zieht sich durch die gesamte Agenturlandschaft. Laut einer Studie, die der Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA im Oktober 2014 veröffentlichte, ist mit 62,5 Prozent die Mehrheit der in Agenturen tätigen Personen zwar weiblich, je höher man aber geht, desto magerer wird ihre Präsenz: In Führungspositionen finden sich nur noch rund 12 Prozent dieser Frauen. Von ihren männlichen Kollegen üben mehr als doppelt so viele –­ 27 Prozent – eine leitende Funktion aus. Im Vergleich zur restlichen deutschen Wirtschaft zeichnet sich ein noch düsteres Bild: Während sich der Frauenanteil in Vorständen seit 2009 branchenübergreifend mehr als verdoppelt hat und 2014 bei 5,4 Prozent lag, ist die Zahl weiblicher Führungskräfte in der Agenturlandschaft in diesem Zeitraum sogar zurückgegangen. 2014 verzeichnete sie laut GWA 2,9 Prozent – 2009 waren es noch vier Prozent. Lediglich in der Gruppe der Mitarbeiter ohne Personalverantwortung ist der Frauenanteil im selben Zeitraum von 46 auf 57 Prozent gestiegen.

Frauen haben eine höhere natürliche Fehlertoleranz

Und das, obwohl das Bewusstsein über die Vorteile von Geschlechterdiversität in den letzten Jahren stark zugelegt hat. Schenkt man einer Umfrage der Kommunikationsagentur Ketchum Pleon Glauben, so halten 58 Prozent der Befragten Frauen in Führungspositionen für besser geeignet als Männer: Weil sie offener sind für Experimente und damit einhergehend eine höhere, natürliche Fehlertoleranz mitbringen. Weil sie transparenter Kommunizieren und dadurch auch besser mit sozialen Medien umgehen können und darüber hinaus besonders kreativ sind.

„Mit einer netten und produktiven Art können Frauen viel erreichen“, weiß auch Fiona Brandes. Die 28-jährige Gründerin des Systemanbieters PayorShare beobachtet das nicht zuletzt bei sich selbst: „Ich würde behaupten, dass ich ein gutes Einfühlungsvermögen hab. Ich kann mich gut auf Kunden einstellen und mir gelingt es schnell, einen Draht zu Menschen aufzubauen.“ Freundlichkeit aber macht noch keine Frau zur Führungsperson. Neben fachlicher Kompetenz brauchen gerade junge Frauen eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, weiß Lea-Sophie Cramer. Die Gründerin des Online-Shops für Erotikartikel, Amorelie, lief in ihrer bisherigen Karriere öfters Gefahr, nicht ernst genommen zu werden – wegen ihrer jungen 27 Jahre und ihrer langen, blonden Haare. Ihr Gegenmittel sei daher stets eine gute inhaltliche Vorbereitung gewesen: „Wenn du den Mund aufmachst und mitdiskutierst, wirst du auch respektiert. Selbst, wenn du an einem Tisch von 13 Investoren die einzige Frau bist“, so Cramer.

Frauen gründen gerne

Statt jedoch mit Freundlichkeit, Kompetenz und Selbstbewusstsein die Stufen großer Agenturen oder Unternehmen zu erklimmen haben sich Frauen wie Stankovic, Brandes und Cramer dafür entschieden, ihre eigene Führungsriege zu bilden: als Selbstständige, Gründerinnen oder leitende Angestellte in jungen Start-ups. Sie schaffen sich damit ihr eigenes Netzwerk, Entscheidungsmacht und Freiheit ­– und sind damit nicht allein. Gerade in der digitalen Welt verwirklichen sich zunehmend junge, weibliche Persönlichkeiten selbst und helfen dabei, ein neues Frauenbild zu entwerfen. Absatzwirtschaft stellt eine kleine Auswahl davon vor.

Hier geht’s zu den Profilen von drei Powerfrauen:

Fiona Brandes: „Jede Frau sollte mehr Energie ins Fachliche legen, als ins Nägel lackieren“

Catharina van Delden: „Ich bin so angefixt von der Idee, etwas Eigenes schaffen zu können“

Sanja Stankovic: „Netzwerken ist gerade im Digitalen absolut entscheidend“

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