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Staatsanwalt sagt zu anonymen Strafanzeigen gegen Ruzicka aus

Nach dreiwöchiger Prozesspause hat das Landgericht Wiesbaden in der kommenden Prozesswoche nicht weniger als acht Zeugen geladen. Im Untreueprozess gegen Aleksander Ruzicka und David Linn beginnen damit weitere zwölf Verhandlungstage, die bis mindestens Ende November terminiert sind.

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Bereits am Montag wird der Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden, Oberstaatsanwalt Dr. Achim Thoma, in den Zeugenstand gerufen. Die als anonym getarnten Strafanzeigen gegen Aleksander Ruzicka waren vom „Anonymus“ an Thoma adressiert. Wie die Süddeutsche Zeitung am 5. November 2007 berichtete, war Thoma der Urheber der Anzeige bekannt.

Bereits vor der ersten Strafanzeige vom 5. Juli 2005 soll es mindestens ein konspiratives Gespräch zwischen Thoma und einem Aegis-Anwalt gegeben haben. Dieser soll auf Drängen der damaligen Aegis Media-Finanzchefs Andreas Bölte und Hans-Henning Ihlefeld mit der Staatsanwaltschaft Wiesbaden kommuniziert haben. Thoma wird erklären warum durch die von ihm geführte Abteilung Wirtschaftskriminalität fast ein Jahr lang keine ersichtlichen Ermittlungen aufgenommen wurden.

In detaillierter Kenntnis angeblicher Straftaten sollen die Wiesbadener Ermittler solange tatenlos zugeschaut haben, bis weitere 30 Millionen Euro in die Taschen der Angeklagten geflossen sind. Ein von der Verteidigung in Auftrag gegebenes Gutachten wirft den Ermittlern einen Verstoß gegen das Legalitätsprinzip und Rechtsbeugung vor.

Obwohl Aegis Media in der ersten Anzeige bereits von einem angeblichen Schaden in Höhe von 15 Millionen Euro und andauernden Straftaten ausging, habe die Staatsanwaltschaft Wiesbaden tatenlos zugeschaut, obwohl es ihr aufgrund der detaillreichen Anzeige möglich gewesen sei, das Handeln der Angeklagten sofort zu unterbinden, so das Gutachten.

Am kommenden Freitag sind weitere fünf Mitarbeiter von Aegis Media als Zeugen geladen. Erneut werden Mitarbeiter aus dem Mediaeinkauf für elektronische Medien, der Leiter TV-Buying sowie aus der Gruppenleitung TV-Einkauf gehört. Offenbar reichen die teilweise widersprüchlichen Aussagen der bisherigen Zeugen von Aegis Media über den operativen Umgang mit Freispotkontingenten nicht aus.

So hatte der Leiter des strategischen Mediaeinkaufs bei Aegis Media, René S., im Mai ausgesagt, dass es agenturintern bekannt war, dass Aegis Media mit der Barterfirma Emerson FF gearbeitet hätte, um Rechnungen für Freispots zu erhalten, die man den Kunden zeigen könne, damit diese für Freispots zahlen.

Zeuge René S. schilderte diesen Vorgang als marktübliche Kommerzialisierung von Freispots. In seiner Wahrnehmung sei das Media-Modell um Emerson FF eine Art Scheingeschäft gewesen, um Freispots besser vermarkten zu können, die sich bereits im Besitz von Aegis Media befunden haben. Aegis Media CEO Andreas Bölte entgegnete in seiner Aussage im August, dass ihm nicht bekannt sei wie René S. zu dieser Auffassung komme.

Aegis Media soll laut Anklage jahrelang Scheinrechnungen von Emerson FF bezahlt haben. Von Emerson FF seien diese Gelder danach zu verschiedenen Firmen geflossen, die sich im Besitz der Angeklagten befunden haben. Aegis Media beteuert, diese Firmen namens Camaco, Watson oder Life2Solutions entweder nicht gekannt oder mit diesen nie etwas zu tun gehabt zu haben.
mz

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