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Digitale Wirtschaft setzt 110 Milliarden Euro um

Mit einer Wachstumsrate von 16 Prozent wird die digitale Wirtschaft in Deutschland in diesem Jahr nach Informationen des Online-Nachrichtendienstes „Neue Nachricht“ deutlich über dem Wachstumsniveau des Bruttoinlandsproduktes von etwa drei Prozent liegen. Trotz der konjunkturellen Eintrübungen, die mit der Debatte über die Schuldenkrise in Europa einhergeht, werde sich an der Prosperität des Onlinewerbemarktes nichts ändern, verkündete Arndt Groth, Präsident des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW), auf der Kölner Fachmesse Dmexco.

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Auf der Pressekonferenz seines Verbandes sagte Groth: „An dem positiven Trend wird sich auch im nächsten Jahr nichts ändern. Der Gesamtmarkt der digitalen Wirtschaft knackt dieses Jahr die Marke von 110 Milliarden Euro. 2012 wird der Umsatz wahrscheinlich auf über 120 Milliarden Euro steigen.“ Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Internets könne man auch an der Zahl der Arbeitsplätze ablesen, die bei 364 000 liegt. Im nächsten Jahr geht der BVDW von 390 000 aus. Negativ beurteilt der Verband allerdings die um sich greifende Regulierungswut in Fragen des Datenschutzes. „Wir haben eine Schieflage zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Rechtssystem. Kontraproduktiv wirkt sich vor allem das Safe-Harbor-Abkommen aus, das die Europäer mit den Amerikanern getroffen haben. Auf dieser Grundlage ist es für Datenschutzbeauftragte in den EU-Ländern unmöglich, vermutete oder zu kritisierende Tatbestände direkt mit den Unternehmen auszudiskutieren. Jede amerikanische Firma zieht sich hinter das Safe-Harbor-Abkommen zurück und ist damit in Europa juristisch nicht erreichbar“, erklärte BVDW-Vorstandsmitglied Matthias Ehrlich.

Diese unselige Regelung, die von der Politik vorgenommen worden sei, stachelt die Wut der Datenschützer an. „Aus diesem Konflikt ergeben sich fragwürdige Aktionen gegen Unternehmen in Deutschland, wie wir es zur in Schleswig-Holstein durch Thilo Weichert erleben. Er kann den direkten Dialog mit Facebook nicht führen und konzentriert sich deshalb auf unverantwortliche Weise auf Anbieter in seinem Bundesland“, kritisiert Ehrlich. Es sei nicht hinnehmbar, sich auf schwächere Firmen zu stürzen und sie zu bedrohen. Hier fehle die nötige Rechtssicherheit. „Das ist für alle Seiten extrem unbefriedigend. Wir haben unseren Mitgliedern die Situation erklärt. Zudem sprechen wir mit unserem Verbandsmitglied Facebook über diese Angelegenheit“, erläutert Ehrlich. Man sollte diese Konflikte allerdings weniger in der Öffentlichkeit austragen, sondern in Gremien der Selbstregulierung klären. Dafür sei zum Beispiel der Deutsche Datenschutzrat Online-Werbung ins Leben gerufen worden, der mit Sitz in Berlin am 1. Januar 2012 seine Arbeit aufnehmen wird. Nach Auffassung von Karl-Heinz Land, Chief Evangelist des Business Intelligence-Spezialisten Microstrategy, müsse man das eine tun ohne das andere zu lassen. Es wäre klug, gegen die Bußgeldandrohungen in Schleswig-Holstein einen Musterprozess anzustreben, um endlich Rechtssicherheit zu bekommen.

„Zielgruppengenaue Online-Werbung und personalisierte Dienste sind der Treibstoff der digitalen Wirtschaft in den nächsten Jahren. Deshalb darf man die Deutungshoheit über Sinn und Unsinn von Algorithmen und Analysetools nicht den feuilletonistischen Laienspielern überlassen. Es geht hier doch nicht um Datenspionage“, betont Land. Bei den Facebook-Apps wie „Wisdom“ oder „Emma“, die sein Unternehmen auf den Markt gebracht hat, gehe es um die Präferenzen der Kunden und um eine Verbesserung des Kundenservice. „Niemand mag die Berieselung der klassischen Werbung, die sich jeden Tag über uns ergießt. Besser ist es doch, mit Zustimmung der Kunden herauszufinden, was ihn wirklich interessiert. Darum geht es bei der ganzen Strategie der Personalisierung und um nichts anderes“, betont Land. Hier biete der Social Graph von Facebook die besten Informationen.

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