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Der richtige Sound beim Einkaufen: Die Macht der Supermarkt-Radios

Radio im Supermarkt ist umstritten. Doch viele Händler sind überzeugt, damit ihre Umsätze zu steigern. © Imago

Hintergrundmusik ist heute in Supermärkten und im Modehandel allgegenwärtig. Sie wird eigens für Händler produziert, soll eine Wohlfühlatmosphäre schaffen und das Geschäft ankurbeln. Die beiden größten Discounter sehen das anders.

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Von Erich Reimann, dpa

Ob im Rewe-Supermarkt, im Ikea-Möbelhaus oder beim Textildiscounter Kik: Hintergrundmusik ist heute in den meisten Einzelhandelsgeschäften und Restaurants eine Selbstverständlichkeit. Für die einen ist sie unverzichtbarer Bestandteil einer guten Einkaufsatmosphäre, für die anderen ein akustisches Ärgernis. Doch beide Einschätzungen greifen zu kurz. Denn die Musik in den Läden soll in erster Linie eins: Dafür sorgen, dass Verbraucher mehr Geld ausgeben.

“Mit Musik kann man viel erreichen”, betont Monika Imschloß, Junior-Professorin für Marketing und Handel an der Universität Köln. Studien belegten, dass das Tempo der Musik in den Läden das Einkaufstempo beeinflusse. “Wenn man langsame Musik spielt, bleiben die Leute länger.” Auch das Einkaufsverhalten selbst könne verändert werden. So habe eine andere Untersuchung gezeigt, dass französische Musik im Hintergrund den Verkauf von französischem Wein angekurbelt habe.

Rewe hat sein eigenes Supermarkt-Radio

Kein Wunder, dass Hintergrundmusik für viele Händler ein großes Thema ist. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe hat mit Radio Max sogar ein eigenes Supermarkt-Radio, das die Rewe- und Penny-Filialen, aber auch einige andere Händler mit seinen Programmen versorgt. “Das Einkaufen ist oft eine hektische Angelegenheit – nach der Arbeit müssen auf dem Weg nach Hause schnell noch ein paar Sachen besorgt werden. Da muss man den Kunden abholen und entschleunigen – eine Wohlfühlatmosphäre schaffen”, beschreibt Claudia Herbst, Programm-Direktorin bei Radio Max, die Herausforderung.

Doch bietet das Supermarktradio natürlich auch ein hervorragendes Werbeumfeld. In kurzen Werbespots könnten hier noch direkt vor dem Regal Kaufimpulse gegeben werden, erklärt Herbst. Dadurch seien Absatzsteigerungen von durchschnittlich 25 Prozent möglich.

Die Auswahl der Musik für die Supermarkt-Radios ist jedoch eine Kunst für sich. Wichtig sei es, Titel zu finden, die nicht polarisierten, betont Herbst. Volksmusik, Rap oder Heavy Metal seien da eher schwierig. Auch nervige, schrille Klänge kämen nicht in Frage.

Sender verspricht Umsatzanstieg durch Musik

Doch Radio Max ist nicht allein am Markt. Auch Wettbewerber wie Radio P.O.S., Mood Media, Ketchup Musik oder Echion beliefern Tausende von Läden in Deutschland mit speziell ausgewählter Musik – und versprechen den Händlern spürbare Effekte. Ketchup Music etwa verspricht auf seiner Website “Perfekte Hintergrundmusik für mehr Umsatz” und ist überzeugt: “Der richtige Sound lässt die Kassen klingeln.”

Radio P.O.S., das nach eigenen Angaben unter anderem Edeka, Deichmann, Fressnapf und Obi zu seinen Kunden zählt, verspricht den Händlern, eine verbraucherorientierte Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. “Sie soll den Kauf-Impuls ebenso wie das Gefühl im Kunden steigern, zu sagen: Hier komme ich gerne wieder hin”, heißt es auf der Homepage des Anbieters.

Echion beliefert unter anderem die Textildiscounter Kik und Takko, aber auch Real und Ikea mit Hintergrundambiente. Programmchef Stephan Dewes setzt dabei gerne nicht nur auf Musik, sondern auch auf abgestimmte Videoeinspielungen oder eigens ausgewählte Düfte. “Wenn wir alles richtig gemacht haben, empfindet man die Atmosphäre als positiv, ohne dass man sagen kann, warum.” Stille im Laden statt Dauerberieselung ist für ihn denn auch keine Alternative. “Das erzeugt eher Unruhe. Man fühlt sich dann mehr beobachtet”, meint Dewes.

Kritiker der Ladenmusik fordern Ruhe

Allerdings sehen das nicht alle so. Der Verein “LautsprecherAUS!” etwa wehrt sich im Internet gegen “allgegenwärtige Musikberieselung”. Auf seiner Webseite klagt der gemeinnützige Verein: “Zwangsweise Beschallung geht auf die Nerven, vermindert die Konzentrationsfähigkeit, lässt den Blutdruck steigen und schadet letztlich unserer Gesundheit.” Er fordert die “Anerkennung eines Rechts auf Ruhe im öffentlichen Raum”, zu dem er auch Geschäfte, Restaurants, Hotels und Arztpraxen zählt. Ob er sich damit durchsetzen kann, darf erst einmal bezweifelt werden.

Dass das Verkaufen auch heute noch ohne Musikberieselung ganz gut funktionieren kann, zeigen aber zwei der erfolgreichsten deutschen Lebensmittelhändler. Denn Aldi und Lidl setzen statt auf Hintergrundmusik noch immer auf ein wenig Ruhe.

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Kommentare

  1. Ich habe einen Rewe-Markt auf meinem Heimweg, in dem ich meine Einkäufe erledige – und ich finde die Musik grauenhaft. Wenn ich müde von der Arbeit komme, meine Einkäufe zusammensuchen und überlegen muss, was ich sonst noch brauche, dann macht mich das dauernde “Wumm-Wumm” aus den im ganzen Laden verteilten Lautsprechern richtig aggressiv. Es stört meine Konzentration sehr und ich empfinde es als Frechheit, anderer Leute Musikgeschmack vor den Latz geknallt zu bekommen. Wenn es wenigstens noch wirklich leise Hintergrundmusik wäre – aber es ist wirklich recht laut, sodass ich mich da manchmal wie in einer Disko fühle. Außerdem tun mir die dort arbeitenden Leute wirklich leid, die das den ganzen Tag lang aushalten müssen. Ich habe verschiedene schon gefragt, wie sie das eigentlich finden – manche finden es auch gut, aber die meisten sagen hinter vorgehaltener Hand, dass sie darauf wirklich gut verzichten können. Ich hoffe, dass dieser Trend bald wieder abflaut!

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