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„Das hätte besser laufen können“

Die Diskussion über die unternehmerische und soziale Verantwortung im Fall Nokia will nicht abklingen. absatzwirtschaft sprach mit Thomas Knops, Head of Marketing Germany, über die zu erwartenden Auswirkungen auf die Marke, und die Möglichkeiten des Konzerns, gegenzusteuern.

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im Bild: Thomas Knops, Head of Marketing Nokia Germany

Wirtschaftsexperten geben dem Nokia-Management komplett Recht: Eine standardisierte Produktion von Handys oder Hemden ist in Deutschland nicht zu halten. War dies ausschlaggebend für Ihre Entscheidung?

KNOPS: Die Entscheidung basiert auf mehreren Gründen. Das Kostenniveau in Deutschland ist sehr hoch. Die Lohnkosten sind in den vergangenen Jahren um 23 Prozent gestiegen, während der ASP (Average Selling Price) um 35 Prozent gefallen sind. 23 Prozent aller direkten Lohnkosten in der Produktion weltweit entfallen auf den Standort Bochum, gleichzeitig trägt dieser nur 6 Prozent zum weltweiten Produktionsvolumen von Nokia Mobilfunkgeräten bei. Wir müssen außerdem beachten, dass sich die Produktionsserien verkürzen. Zusätzlich verkürzt sich die Lebensdauer der Produkte. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, müssen wir den Anteil an manueller Arbeit erhöhen, was sich direkt auf die Lohnkosten niederschlägt. Darüber hinaus hat sich auch die Marktdynamik verändert. Heute ist es erforderlich, die wichtigsten Zulieferer in der Nähe der Produktion zu haben. Wir haben es nicht geschafft, unsere Zulieferunternehmen an Bochum zu binden.

Nicht erst in Ihrem Fall wird öffentlich kontrovers diskutiert, ob ein Unternehmen mit komfortabler Rendite überhaupt noch an Kostensenkung denken dürfe. Können Sie aus Ihrer Sicht diese Schlussfolgerung argumentativ entkräften?

KNOPS: Teil unserer unternehmerischen Verantwortung ist es, Gewinne zu generieren, nur so können wir in die Zukunft investieren und damit 100 000 Jobs weltweit sichern. Unsere Stakeholder erwarten von uns ein Verhalten, das dieser Verantwortung gerecht wird. Wenn wir merken, dass ein Produktionsstandort nicht mehr wettbewerbsfähig ist, heißt verantwortungsvolles Verhalten leider auch harte Entscheidungen zu treffen. Wir fühlen uns für unsere Mitarbeiter und die Region verantwortlich. Daher streben wir eine sozial verträgliche, akzeptable und faire Lösung an.

Die Konzernspitze hat Fehler hinsichtlich der Art und Weise der Übermittlung eingeräumt. Die Zeit zurückgedreht: Wie würde Nokia die Schließung heute kommunikativ anpacken?

KNOPS: Wie gesagt, es ist uns nicht gelungen, die Entscheidungsgründe ausreichend zu erklären. Das hätte besser laufen können. Allerdings muss auch gesagt werden, dass es für solche Entscheidungen nie einen „richtigen Weg“ oder einen „richtigen Zeitpunkt“ gibt. Die Menschen reagieren auf solche Nachrichten nie positiv und das ist verständlich. Wir müssen nun bei der Umsetzung zeigen, dass wir verantwortungsvoll handeln.

Rechnen Sie mit einem Produktboykott? Gibt es schon Rückmeldungen aus Ihrem Vertrieb?

KNOPS: Zu diesem Zeitpunkt ist es noch zu früh darüber Auskunft zu geben. Wir gehen davon aus, dass sich kurzfristig Auswirkungen mit regional unterschiedlicher Ausprägung bemerkbar machen. Aber wir hoffen, dass wir langfristig unseren Kunden Mehrwert bieten können, und dass sie weiterhin Nokia Produkte kaufen werden und der Marke vertrauen. Zwar wird es in Zukunft keine Mobiltelefone „made in Germany“ mehr geben, da Nokia der einzige verbleibende Hersteller in Deutschland war. Allerdings werden die Verbraucher immer noch Mobiltelefone kaufen können, die in Deutschland entwickelt wurden – und zwar von Nokia.

Wird sich Fall hierzulande in irgendeiner Form auf die Marke Nokia auswirken?

KNOPS: Es wird eventuell Auswirkungen auf die Marke Nokia geben, allerdings ist es noch zu früh dies zu bewerten. Ich bin mir sicher, dass unsere Kunden langfristig erkennen, welchen Mehrwert die Produkte von Nokia ihnen bringen werden.

Der finnische Ökonom Eero Lehto empfiehlt, Nokia möge der betroffenen Region um Bochum einen Ersatz bieten, zum Beispiel Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Denkbar oder völlig unrealistisch?

KNOPS: Das Nokia Management und die Landesregierung von NRW haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die innovative Ansätze und Lösungen für die Zukunft der Wirtschaft in Bochum finden soll. Nokia will Verantwortung übernehmen und für die Region neue Perspektiven mit innovativen Ansätzen eröffnen. Wir sind bereit, diese Gespräche fortzuführen.

Die Fragen stellte Thorsten Garber

PS: Heute hat Nokia bei der NRW.BANK eine Stellungnahme zu den in den Jahren 1998/1999 erhaltenen Subventionen abgegeben. Die Erklärung von Nokia unterstreicht die feste Überzeugung des Unternehmens, alle Subventionsauflagen erfüllt zu haben. Nokia ist überzeugt, dass die von der NRW.BANK und Landesregierung in Aussicht gestellte und erwogene Rückforderung der Subventionen von Nokia keine Aussicht auf Erfolg hat.

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