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Chinesische Tech-Riesen nehmen Nahen Osten ins Visier

Das chinesische E-Commerce-Unternehmen JollyChic hat es geschafft, sich zu einer der größten E-Commerce-Sites in der MENA-Region zu entwickeln. © JollyChic

Alibaba und Co. erobern die E-Commerce-Welt des Nahen und Mittleren Ostens. Die chinesische Politik des Nicht-Einmischens in die Politik ist in der Region ein großer Wettbewerbsvorteil gegenüber westlichen Partnern. Europäische Unternehmen drohen den Anschluss auf diesem stark wachsenden digitalen Markt zu verlieren.

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Von Anne-Kathrin Velten

Wie mit den meisten Ländern basierten die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China den MENA-Staaten (Middle East and Africa) lange Zeit auf Öl. China importiert mehr als ein Drittel seines Öls und Flüssiggases vom Gulf Cooperation Council (GCC) und ist damit der zweitgrößte Exportmarkt der Region. Doch nun verschiebt sich der Wirtschaftsfokus.

Besonders Chinas Tech-Riesen nehmen die Region ins Visier. Die MENA-Region verfügt über eine relativ stabile digitale und physische Infrastruktur. Mit einer Internet-Durchdringung von über 60 Prozent und mehr als 150 Millionen Nutzern ist der Markt lukrativ und hart umkämpft. Chinesische Unternehmen werden mit offenen Armen empfangen. Die Staaten in der Region neigen dazu, ideologisch gegen den Einfluss des Westens zu kämpfen, insbesondere wenn er aus den USA kommt. Daher ist Chinas Politik der Nichteinmischung attraktiver als je zuvor.

Internet der Dinge und Blockchain im Fokus

Chinesische Risikokapitalgeber haben im vergangenen Jahr in Israel mehr als 325 Millionen US-Dollar investiert. Nun breiten sich die Investoren weiter aus. Sie interessieren sich für die Felder E-Commerce, Unterhaltung, Technologie, Logistik und Fintech. China engagiert sich besonders in staatlichen digitalen Entwicklungsprogrammen wie „Smart Dubai 2021“, Saudi-Arabiens oder Ägyptens nationalen Transformationsprogrammen oder Marokkos „Mohamed VI Tanger Tech City“. Damit ist die Volksrepublik an allen Drehkreuzen der Region aktiv. Das Internet der Dinge und Blockchain sind zentrale Themen von Smart Dubai 2021. Beides sind Bereiche, in denen chinesische Tech-Firmen derzeit führend sind.

Angesichts der Bedingungen in vielen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens sind chinesische Unternehmen bei der Expansion westlichen Partnern überlegen. Hinzu kommt, dass China einen zeitlichen Vorsprung hat. Bereits vor dem Kauf von Souqs, der größten E-Commerce-Seite der arabischen Welt, durch Amazon hatten chinesische E-Commerce-Riesen in die Region investiert. Alibaba zum Beispiel hatte sich zuvor zum Bau einer “Tech Town” zusammen mit der Dubai Developer Meraas Holding verpflichtet. Das neue Stadtzentrum soll über 3000 High-Tech-Unternehmen in der Nähe des Freihafens Jebel Ali in Dubai beherbergen. Dabei profitiert China davon, dass die Unternehmen nicht nur Technologie und digitales Know-how liefern können, sondern auch stark im klassischen Infrastrukturaufbau sind.

Prognosen zufolge wird der E-Commerce-Markt im Nahen Osten bis 2021 auf einen Wert von 49 Milliarden US-Dollar wachsen. Huawei gab gerade die Errichtung eines Cloud-Rechenzentrums in Ägypten bekannt. Das chinesische E-Commerce-Unternehmen JollyChic hat es geschafft, sich zu einer der größten E-Commerce-Sites in der Region zu entwickeln.

Zahl der chinesischen Urlauber wächst stark

Auch die wachsende Reisetätigkeit der Chinesen verändert die Märkte in der MENA-Region. Chinesen machen selbst in nordafrikanischen Ländern wie Marokko und Ägypten inzwischen die am stärksten wachsende Gruppe aus. Neben dem Wachstum traditioneller Branchen wie Einzelhandel und Gastgewerbe eröffnen sich durch die steigende Anzahl von Reisenden auch Möglichkeiten für Fintech- und Online-Buchungen. Alipay und WeChat-Pay haben in der ganzen Region großen Einfluss gewonnen. Israel war das erste Land, das Alipay für chinesische Touristen, Unternehmen und Besucher akzeptierte. Israelische Banken haben dafür eine Partnerschaft mit Alibaba unterzeichnet. Seitdem haben der in Dubai ansässige Kreditgeber Masreq und andere Finanzinstitute ebenfalls die Chance zur Zusammenarbeit genutzt.

Ein wichtiger Faktor für Chinas Interesse gerade an Nordafrika ist die Suche nach Rohstoffen. Das Land erhofft sich Zugang zu Kohlenwasserstoff, Eisenerz, Kupfer, Zink und Blei. EU-Länder, die historisch bedingt den Handel mit Nordafrika dominieren, geraten mehr und mehr ins Hintertreffen. Während der traditionelle Handel mit Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten immer noch an erster Stelle steht, zeigt das chinesische Engagement das enorme Wachstumspotenzial der Digitalwirtschaft. China hat politische Vorteile, europäische Unternehmen müssen sich aber dringend im Rahmen ihrer Möglichkeiten engagieren, um den Anschluss auf dem stark wachsenden Markt nicht zu verlieren.

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