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So geht Demokratie: In diesem Unternehmen wählen die Mitarbeiter ihren Chef

Stoffels wurde von seinen Mitarbeitern zum Chef gewählt © Haufe-Umantis 2017

Wie gerne würden wir all die Narzissten, Tyrannen und Größenwahnsinnige auf den Chefsesseln abwählen. Doch das geht nicht. Das Unternehmen Umantis aus der Schweiz macht aber genau das. Es lebt eine Kultur der Mitbestimmung und Transparenz und lässt seine Führungskräfte demokratisch wählen. Kann das funktionieren?

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Beim Software-Unternehmen Haufe-Umantis geht es jedes Jahr aufs Neue um eine wichtige Wahl: Die der Fürhungsriege. Bei der jährlichen Veranstaltung bestimmen Mitarbeiter und Management gemeinsam die Strategie des Unternehmens und legen die Aufgaben für das kommende Geschäftsjahr fest – und wählen ihre Chefs. In jedem Team wird die Führung nur dann bestätigt, wenn sie mit mindestens zwei Drittel bestätigt wird.

CEO Marc Stoffel weiß um die Risiken und Chancen der demokratischen Mitbestimmung – er wurde schon fünfmal wiedergewählt. Seit der demokratischen Wahl steigt der Umsatz jedes Jahr und der Chef sieht einen Zusammenhang zwischen der Wahl und dem Erfolg. Schließlich ist Mitbestimmung heute ein großes Thema in vielen großen Firmen. Wenn Teams den eigenen Chef wählen oder auch absetzen, arbeiten sie auch besser zusammen, meint Stoffel.

Durchsetzungskraft

Auf den Tisch hauen muss Chef Stoffel aber nicht, wie er im Interview mit dem Handelsblatt erzählte: „Ich bin ein Typ mit einer sehr starken Meinung. Das heißt aber nicht, dass ich auf den Tisch haue um zu zeigen dass ich der Boss bin, sondern wie ich zu gewissen Punkten stehe. Sicher bin ich da nicht immer der einfachste Zeitgenosse.“ Auf die Stelle als CEO hat er sich beworben, nachdem der damalige Vorstandsvorsitzende und heutiger Verwaltungsratspräsident Hermann Arnold von seinem Posten zurücktrat und die Idee der demokratischen Wahl des nächsten CEOs ins Leben rief.  „Ich habe versucht meine Kollegen davon zu überzeugen, dass ich zu diesem Zeitpunkt der richtige Mann für sie bin. Es findet also in dem Sinn kein Wahlkampf statt, wie Sie das aus der Politik kennen, sondern man definiert eine Rolle, auf die man sich dann bewirbt.“

Was passiert, wenn man abgesetzt wird?

So gab es in der Firma auch schon ein paar „Absetzungen“. Die Vertriebsleiterin ist nun wieder Produktmanagerin. Und Führungskräfte verzichteten auch mal freiwillig auf ihre erneute Kandidatur, um ins Team zurückzugehen und sich dort mit ihrem Wissen einzubringen.

Die Abwahl muss man verdauen, aber auch das gekränkte Ego gehört mit dazu und es führt zu einer besseren Kommunikation innerhalb der Teams. Warum wurde ich abgesetzt? Was kann man verbessern? Diese Fragen sollte sich jede Führung irgendwann stellen, doch die meisten müssen sich der Kritik nie stellen – gerade weil sie nicht abgewählt werden können. Ich bin stolz und dankbar sagen zu können, dass wir über zehn ehemalige Führungskräfte haben, die zurückgetreten sind und nun als Mitarbeiter einen super Job machen. Das hat für die Leute auch Vorteile. Denn wenn ich wieder ins Team reingehe, dann kann ich von meinem Nachfolger viel lernen“, erzählt der Verwaltungsratspräsident Arnold.

Eine eigene Verfassung

Die Grundlage der demokratischen Unternehmensführung bildet das Haufe-umantis-Manifest, in dem die geltenden Werte in Bereichen wie Entscheidungsfindung, Leistung oder Team-Recruiting beschrieben sind. Mit der Abstimmung über die neue Verfassung legten die Mitarbeiter die grundlegenden Prozesse, Regeln und Werte des Unternehmens fest. Es ist ein Konzept der Zukunft und sollte auch bei großen deutschen Unternehmen

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