Werbeanzeige

Oettinger polarisiert, Google verärgert und „Handelsblatt Online“ fordert Manieren im Netz

Günther Oettinger soll neuer EU-Digitalkommissar werden – das gefällt nicht jedem. Martin Sonneborn hatte jedoch sichtlich Spaß an der Anhörung des designierten Amtsinhabers vor dem EU-Parlament. Google spielt deutschen Verlagen einen bösen SEO-Streich und „Handelsblatt Online“ kämpft gegen Trolle.

Werbeanzeige

Von Johannes Steger

Die Ernennung der Woche: Günther Oettinger wird Digitalkommissar

Er war Ministerpräsident, dann EU-Kommissar für Energie, nun soll er sich um´s Digitale kümmern: Günther Oettinger. Das stößt bei manch einem auf Unverständnis – schließlich war der Schwabe bisher nicht gerade als Digital Native aufgefallen. Ein Netzfremder als Vertreter der europäischen Internetinteressen? Das kann ja nicht gut gehen, denkt da mancher. Und schon bei seiner Anhörung vor dem EU-Parlament sahen viele diese Vermutung bestätigt. Die Promis, deren Nacktbilder im Netz von Hackern veröffentlicht wurden, nannte der designierte Kommissar „blöd“. Warum lade man solche Bilder schon im Netz hoch. So einfach ist es nun dann doch nicht – der handy-besitzende Mensch dürfte es wissen. Denn die meisten Mobiltelefone erstellen von Fotografien automatisch eine digitale Sicherungskopie in der Cloud. Dort sollten diese eigentlich vor Dritten sicher sein, wenn es nicht ein Hacker illegal schafft, sich Zugang zu diesen Daten zu verschaffen. Schuld tragen da wohl eher, neben den Hackern, die Unternehmen, die solche Back-ups erstellen und nicht ausreichend sichern, findet Christian Stöcker von „Spiegel Online“ und prophezeit Oettinger Überforderung im neuen Amt. Auch die Piratenpartei kann der Ernennung des einstigen Ministerpräsidenten nichts Positives abgewinnen und veröffentlicht via Twitter eine Game-of-Thrones-Parodie mit Oettingers Konterfei.

Wer sich an dem Auftritt Oettingers im EU-Parlament sichtlich erfreuen konnte, war der Satiriker und Die-Partei-Abgeordnete Martin Sonneborn. Er stellte dem baldigen Digitalkommissar die ein oder andere unangenehme Frage und schob dann noch ein „Könnten Sie die Fragen bitte auf Englisch beantworten?“ hinterher. Ein Seitenhieb auf Oettingers Englisch, das sich in einer Ansprache als durchaus verbesserungswürdig herausstellte. Ob Oettinger nach der Befragung auch wieder „nicht glücklich, aber happy“ war, ist nicht bekannt. Die Sonneborn-Fragen finden Sie auf „Meedia“.

Der Konflikt der Woche: Kampf der Titanen oder David gegen Goliath?

Google ist schon lange nicht mehr die einfache Suchmaschine mit den lustigen Logos. Das Unternehmen hat sich zum Netzgiganten entwickelt und kauft sich fernab von Suchmaschinen-Algorithmen in die Autoindustrie und den Haushaltstechnikmarkt ein. In Deutschland sind es auch die Verlage, denen das Gebaren des kalifornischen Konzerns gegen den Strich geht. Denn die VG Media, ein Zusammenschluss von Branchengrößen wie Axel Springer oder der Burda-Gruppe, will durchsetzen, dass Google für die Snippets (Artikel-Ausschnitte mit Fotos in den Suchergebnissen) zahlen muss. Die Suchmaschine sieht das anders und geht jetzt einen drastischen Schritt: Statt der üblichen Fotos, Überschriften und Teaser sollen jetzt nur noch Überschriften und die Links angezeigt werden. Da nicht alle deutschen Verlage mitziehen, könnte das den Betroffenen erhebliche Wettbewerbsnachteile bescheren. Es bleibt abzuwarten, ob wir hier eine digitale Version von David gegen Goliath mit historischem Ergebnis erwarten dürfen. Ein Streitprotokoll finden Sie auf „Meedia“.


Die Highlights der Woche auf absatzwirtschaft.de:

>>> Apple zwischen Bendgate und Brandlove

>>> Wie Unternehmen gut informierte Käufer gewinnen

>>> Wer Kreativität fördert, verbessert das Geschäftsergebnis


Die Aktion der Woche: „Handelsblatt Online“ als Digital-Knigge

Wer sich regelmäßig in den Kommentaren unter Online-Artikeln aufhält, der weiß: Von Höflichkeit und Manieren hält man hier scheinbar wenig. Schuld daran sind Trolle. Nicht etwa die, die man gemeinhin aus Märchen und Fabeln kennt. Es handelt sich hierbei um ein Netzphänomen. Nutzer, die es darauf anlegen, ausfallend zu werden und eine sachliche Diskussion über ein Thema im Netz zu stören. Anders als im Märchen sind diese sehr real. „Handelsblatt Online“ hat jetzt eine Aktionswoche gestartet: „„Macht das Web sozialer – wider den rauen Ton im Netz!““. Mit Einblicken aus dem Redaktionsalltag, Expertenmeinungen und Selbsttests will das Online-Medium für einen besseren Umgangston im Netz werben. Unter den Beiträgen findet sich auch Best-of der schlimmsten Troll-Produkte.

Werbeanzeige

Absatzwirtschaft Newsletter

absatzwirtschaft Newsletter schon abonniert?

Newsticker

Editorial zur absatzwirtschaft 10/2016: Visionen brauchen Egos und Bedürfnisse

Donald Trump ist unbestritten ein Phänomen. In Sachen Eigenvermarktung macht dem US-Präsidentschaftskandidaten keiner etwas…

Studien der Woche: Über AdFrauds, Digitalisierung des Handels und die Generation 50+

Marktforschung und Wirtschaft veröffentlichen täglich neue Studien, die für Unternehmen und Marketer wichtig…

Vernetzte Autos: Telekommunikation und Automobil-Hersteller gründen die „5G Automotive Association“

Audi, BMW, Daimler, Ericsson, Huawei, Nokia, Intel und Qualcomm machen gemeinsame Sachen und…

Werbeanzeige

Werbeanzeige