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Digitale Bildung: Aufstehen oder weiterschlafen?

Wie sieht es aus mit bundesweiten Standards für die technische Ausstattung, für digitale Lern- und Lehrmaterialien? „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“, so Goethe. Heute käme für ihn wohl auch das Surfen durchs WWW dazu. Sozusagen als digitale Bildung. Aber die verpennt die chaotische „GroKo“ gerade, meint Tobias Spörer. Er nimmt in seiner neuen Kolumne das Thema Bildung in Zeiten der Digitalisierung unter die Lupe.

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Erst kürzlich las ich auf Twitter: „Deutschland ist wie Italien! Geiles Wetter, keine Mannschaft bei der Fußball-WM und Chaos in der Politik.“ Während die Netzgemeinde derzeit für unseren sommerlichen Gesamtstillstand bei Sport und insbesondere der aktuellen politischen Situation in Deutschland noch viel Humor aufbringt, malen die traditionellen Medien ein Untergangsszenario nach dem anderen. Auch beim Thema digitale Bildung.

Das nicht fliegende, analoge Klassenzimmer

Immer noch bringen unsere Kinder ihre Zeugnisse aus den analogen Klassenzimmern mit. Trotz vieler Ankündigungen aus der Politik und einem (in Aussicht gestellten) neuen Bildungs-Etat für Laptops kann ich, bis auf ein paar löbliche Ausnahmen, nicht erkennen, dass Teenager und Jüngere auch nur ansatzweise auf die digitale Zukunft vorbereitet werden. Zudem geht es um weit mehr als die Anschaffung von ein paar Laptops, iPads und Whiteboards: Kommunen, Länder und Bund sollten mindestens endlich bundesweite Standards für die technische Ausstattung, für digitale Lern- und Lehrmaterialien schaffen – und vor allem in Sachen (Aus)Bildung den Schalter umlegen. Die Lehrerausbildung grundsätzlich zu modernisieren, wird aber Zeit fressen und zu lange dauern. Vielleicht können hier Quereinsteiger (mit)helfen, die Bildung schneller auf das 4.0-Level zu heben.

Mehr Sinn, mehr Spaß

Digitale Medien selbst können unterstützen, Lernprozesse oder Selbstlernphasen effektiver zu gestalten. Nehmen wir doch mal die Informationsrecherche oder die Produktion von Medien. Es fällt leicht, Filme aufzunehmen und an einem Rechner zu schneiden. Das würde in der Oberstufe gut ankommen. E-Learning und Gamification können unter den Schülern die Motivation enorm stärken. Zugleich können Ergebnisse analytisch und transparent vermittelt und Wissenslücken angegangen werden. Unterrichtsthemen ließen sich als Video oder Podcast speichern und könnten den Schülern zugänglich gemacht werden. Wie wäre es, wenn die dritte binomische Formel in einem Erklär-Video bereitgestellt würde? Was wäre, wenn Schüler direkt unter dem Video Fragen an den Lehrer stellen könnten?

Wie spannend könnte z. B. Geschichte anhand virtueller Zeitreisen vermittelt werden? Spezielle Apps könnten das Selbstlernen, die individuelle Förderung unterstützen. Es gibt mittlerweile zum Glück Verlage, die digitale Lern- und Lehrmaterialien im Angebot haben.

Die Gesellschaft digitalisiert sich. Und der Unterricht?

Das Unterrichtsfach „Technologie“ könnte sich sehr viel stärker mit dem Programmieren auseinandersetzen. Denn „Blockchain“, „Virtual Reality“ und „künstliche Intelligenz“ kommen schneller in unserem Alltag an, als neue Lehrinhalte es in den Stundeplan der Kleinen schaffen. Klar ist: Die digitale Bildung muss auch für die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung und die wichtigsten ethischen Fragen sensibilisieren. Wie geht die Gesellschaft damit um, wie gehen Lehrer und Schüler untereinander damit um? Natürlich sind wir keine Maschinen. Kein Schüler sollte isoliert nur am Gerät hocken, der Austausch mit dem Lehrkörper bleibt wichtig. Genauso klar ist: In der Grundschule sollten Kinder noch nicht am Bildschirm sitzen. Was nicht bedeutet, dass nicht schon grundlegende Strukturen erklärt werden könnten.

Digitale Bildung versus digitale Verblödung

An all die digitalen „Smartphone-Zombies“ da draußen, die bei Rot über die Ampel stolpern: Digitale Medien zu nutzen bedeutet nicht, digitale Medien nur zu konsumieren. Ich bin sicher, dass eine gut organisierte digitale Bildung bei Jugendlichen auch dazu beitragen kann, zu bewussteren Nutzern der sozialen Medien zu werden: Unlängst veröffentlichen die DAK und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Ergebnisse zur Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche (Quelle: https://www.dak.de/dak/download/dak-studie-social-media-nutzung-1968596.pdf). Danach sind 2,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen von den sozialen Medien abhängig. 95 Prozent der Jugendlichen besitzen ein Smartphone und müssen sich dessen auch alle sieben Minuten vergewissern. Durchschnittlich fünf Stunden am Tag verbringen sie mit WhatsApp, Facebook und Co. Die Nutzungszeiten für Computerspiele und anderen Internetkonsum kommen noch hinzu.

Schaffen wir doch eine natürliche digitale Konkurrenz durch Bildung. Digitale Bildung. Holen wir digitale Medien und Themen in den Unterricht und sprechen darüber. Über Fake News. Digitale Freundschaften. Gehackte Accounts. Mobbing in sozialen Medien. Die Lehrer sind integriert und mit den Schülern auf Augenhöhe. Wie oft bleibt heute das „Cybermobbing“ unter Schülern von Erwachsenen unbemerkt …

Noch ein Aspekt: Immer mehr Unternehmen verlangen nach dem Abschluss agiles Arbeiten. Wie unter diesem Aspekt betrachtet wohl die Arbeitswelt in zehn Jahren aussieht? Kann da der Unterricht in seiner aktuellen Form darauf vorbereiten? Wäre es denkbar, bei aller Hoheit der Bildungsministerien, dass sich die Industrie in puncto digitaler Bildung (transparent) einbringt? Denn: „Es gibt nur eins, was auf die Dauer teurer ist als Bildung ­– keine Bildung“, hat John F. Kennedy mal gesagt.

Diese Kolumne entsteht in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der Kommunikationsagenturen (GWA). Der GWA-Präsident Benjamin Minack (ressourcenmangel), Vizepräsidenten Nina Rieke (DDB Group) und Vorstandsmitglied Tobias Spörer (elbkind) schreiben hier regelmäßig für die absatzwirtschaft zum Thema Kunde-Agentur-Beziehung. Anlass ist eine große Kooperation zwischen der absatzwirtschaft, dem GWA und Agenturmatching: zur Agentursuche.

 

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