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Augmented Reality bei Olympia: New York Times bringt Athleten lebensgroß ins Wohnzimmer

Die New York Times erweitert die Realität ihrer Leser

Die New York Times ist für ihre Innovationsfreudigkeit bekannt. Vor allem im digitalen Storytelling versucht das Medienhaus neue Wege zu gehen. Zum Start der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea hat die Zeitung nun eine Geschichte veröffentlicht, die mit Augmented Reality (AR) experimentiert. Nutzer sehen zum Beispiel über Smartphone-Bildschirme vier Athleten in Originalgröße und erhalten dazu Erklärungen.

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Besitzer eines iPhones oder iPads haben mit der New-York-Times-App nun die Möglichkeit, ihre Realität zu erweitern und sich olympische Athleten ins Wohnzimmer zu holen. Dafür nutzen die Macher die sogenannte AR-Technik, bei der durch die Kamera des Smartphones computergenerierte Zusatzinformationen oder virtuelle Objekte eingeblendet werden. Eine der ersten massentauglichen Anwendungen war das 2016 veröffentlichte Pokémon Go, bei dem Nutzer durch Straßen und Parks laufen konnten, um sich die digitalen Kreaturen zu schnappen.

Jetzt setzt ein Medienhaus die Technik erstmals in journalistischen Formaten ein. Die New York Times bewirbt ihr Produkt damit, dass man die Sportler so sehe, wie niemals bevor. Vor der Nutzung muss man der App lediglich erlauben, dass sie auf die Smartphone- oder Tablet-Kamera zugreifen darf. Zu sehen bekommt der Nutzer dann vier verschiedene Olympioniken. Zu dem Quartett zählen der US-amerikanische Eiskunstläufer Nathan Chen, der Shorttracker John Celski, die Eishockey-Torhüterin Alex Rigsby und die österreichische Snowboarderin Anna Gasser. Zudem gibt es einen Blick auf den Dress der US-Mannschaft bei der Eröffnungszeremonie.

„Die Technik war bereits länger fertig“, erklärt Graham Roberts, Direktor der Storytelling-Plattform der New York Times, gegenüber dem Onlinemagazin Observer. Man habe nur eine Geschichte gebraucht, bei der die Nutzung von AR Sinn macht. „Die Olympischen Spiele waren ein perfekter Zeitpunkt, um die Leser an die Technik heranzuführen.“ Dafür fotografierte das Team die Athleten in ihren charakteristischen Bewegungen. Danach entwarfen die Entwickler hochauflösende 3D-Modelle jedes Athleten und gestalteten sie so realistisch wie möglich. Der Nutzer kann die Ergebnisse in der App in zwei Größen begutachten: einer Miniatur-Ausgabe, die man beispielsweise auf dem Schreibtisch platzieren kann und einer Originalversion, die eine größere Fläche benötigt. Bei der zweiten Anwendungsmöglichkeit wird man in die Lage versetzt, sich um die Figuren zu bewegen und sie genau zu inspizieren.

„AR schafft eine Brücke zwischen der digitalen und der physischen Welt“, erläutert Roberts im Gespräch mit dem Observer. Leser könnten mit der Technik einen besseren Eindruck erlangen, wenn sie eine Person oder eine Sache aus verschiedenen Winkeln beobachten. So ist die Eishockey-Torfrau dabei zu sehen, wie sie einen rund 110 km/h schnellen Puck fängt. Oder der Shorttracker wird in tiefer Kurvenlage gezeigt. Was im ersten Moment wie eine nette Spielerei wirkt, offenbart bei längerer Nutzung eine praktische Komponente. Neben der visuellen Opulenz lassen sich nämlich eindrückliche Erklärungen einbinden und Fakten präsentieren. Dies passiert mit Hilfe von grafischen Einblendungen, die dem Leser die anfangs ungewohnte Nutzung erleichtern. Ziel ist es, laut New York Times, mehr Nähe zum Thema zu ermöglichen als beim normalen Blick aufs Display. Roberts bestätigte dem Observer zudem, dass AR künftig in weiteren Geschichten verwendet werden soll. Dafür soll das App-Feature bald auch auf mobilen Android-Geräten verfügbar sein.

Die New York Times hatte ihre Leser bereits einige Tage vor Veröffentlichung mit einem Beitrag an die Technik herangeführt und erklärt, wie AR funktioniert und was damit möglich ist. Zur Demonstration blickte man auf eine 3D-Darstellung einer klassischen New Yorker Zeitungsbox, von denen in den 90er-Jahren rund 13.000 im Stadtgebiet standen. Derzeit seien es nur noch 30, heißt es in dem Beitrag der Traditionszeitung.

In den vergangenen Jahren hat sich das New Yorker Unternehmen häufig mit neuen Formen des Storytellings beschäftigt – darunter 360-Grad-Videos oder Virtual Reality. So publiziert die NY Times unter anderem jeden Tag ein 360-Grad-Video. Ende 2015 versandte das Medienhaus gemeinsam mit Google über eine Millionen Cardboard-Brillen an ihre Abonnenten, um ein VR-Produkt zu promoten und ihre Leser damit in Kontakt zu bringen. Auch andere US-Medienunternehmen wie CNN experimentieren mit diesen neuen digitalen Erzählformen. In Deutschland sind die öffentlich-rechtlichen Sender Arte und WDR in dem Bereich wegweisend.

In den sozialen Netzwerken ließen erste Reaktionen nicht lange auf sich warten.

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