Arbeitgebermarken: Alles muss auf den Prüfstand

Deutschland ist auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Immer schwieriger wird es für Unternehmen jeder Größe, offene Stellen schnell zu besetzen. Für Benjamin Minack ist das auch eine Chance, Arbeitgebermarken von Unternehmen komplett neu aufzustellen.
Benjamin Minack ist Gründer der Agentur ressourcenmangel und Präsident des GWA.

Kundenprojekte müssen verschoben, neue Aufträge abgelehnt werden. Verlassen dann noch mehr Kollegen das Unternehmen, gerät der Wachstumsmotor endgültig ins Stottern. Ein für Ihr Unternehmen realistisches, für Sie beunruhigendes Szenario? Dann sollten Sie schnell handeln. Denn bis wirkt, was jetzt zu tun ist, werden einige Monate oder Jahre vergehen. Stottert die Recruiting-Maschine, kommt die Zeit, sich grundsätzlichere Frage zu stellen. Keine schnell aufgesetzte Kampagne, keine Intensivierung der Bemühungen um die Nachwuchsgewinnung allein wird das Problem fehlender Bewerber und mangelnder Bleibemotivation aktueller Kollegen beheben.

Man muss tiefer bohren wollen

Ein Potemkinsches Dorf mag kurzfristig wirken, sorgt aber für massive Enttäuschung, Spannungen und folgend tiefe Risse in der Organisation. Personalabteilung und Kommunikationsbereich haben sich bisher in den meisten Unternehmen nicht allzu viel zu sagen. Der Fachkräftemangel und der massive Druck ganzer Kohorten auf ihre Arbeitgeber sich zu wandeln, ist ein guter Anlass, dies zu ändern. Und zwar gründlich. Die Entwicklung einer Arbeitgebermarke, die Analyse der Employer Journey vom Kandidaten bis zum Boomerang, das Entwickeln von Vorstellungen zum Beziehungsmanagement zwischen Kollegen und Arbeitgeber erfordert den Anspruch, gemeinsam tiefer bohren zu wollen als bis zum wöchentlichen Newsletter der Personalabteilung und dem Intranet mit Kantinenplan. Unter dem Zeichen des digitalen Wandels verschwinden ganze Märkte, ganze Industrien. Was so mächtig ist, kann auch ein Nordstern für die eigene Organisation sein. Das heißt aber auch: Alles muss auf den Prüfstand. Die eigene Sicht auf Prozesse, Definitionen und Methoden ebenso.

Der Fahrplan zum Glück ist ganz leicht aufgeschrieben und schwer umzusetzen:

1. Perspektivwechsel. Eine Arbeitgebermarke wirkt nach Innen und von Innen heraus. Je mehr Kollegen aktiv durch den Prozess geführt werden, desto wirksamer wird das Ergebnis.

2. Führung. Strategische Projekte brauchen eine gute Verankerung in der Organisation. Auch wenn alleine Chef sein immer angenehmer ist: Hier braucht es ein Führungsteam mindestens mit Kommunikations- und HR-Kompetenzen.

3. Impulse. Sie sind nicht alleine. Hören Sie zu – unter anderem meinen Kollegen Michael Trautmann und Christoph Magnussen. Ihr Podcast „On the way to New Work“  gibt spannende Einblicke. Oder besuchen Sie die HR-Safari.

4. Zeit. Lassen Sie sich Zeit, nehmen Sie sich Zeit. Aber machen Sie es bloß nicht nebenbei. Dieses strategische Projekt ist kritischer für den Unternehmenserfolg als jedes CD-Projekt.

5. Expertise. Holen Sie sich früh Unterstützung ins Haus. Mindestens die Hälfte des Projekterfolges hängt an der Kommunikation. GWA-Agenturen mit entsprechenden Kompetenzen finden Sie u.a. auf agenturmatching.de.

Diese Kolumne entsteht in Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der Kommunikationsagenturen (GWA). Der GWA-Präsident Benjamin Minack (ressourcenmangel), Vizepräsidenten Nina Rieke (DDB Group) und Vorstandsmitglied Tobias Spörer (elbkind) schreiben hier regelmäßig für die absatzwirtschaft zum Thema Kunde-Agentur-Beziehung. Anlass ist eine große Kooperation zwischen der absatzwirtschaft, dem GWA und Agenturmatching: zur Agentursuche.