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„Wir leben gut, wenn andere Märkte wachsen“

Für Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, gehört die Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung zum Tagesgeschäft. In der neuen Ausgabe der absatzwirtschaft spricht er über den zu erwartenden Konjunkturverlauf, über das Lernen im Umgang mit den Emerging Markets und über die Beziehung von Wettbewerb und Wachstum.

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Foto: Prof. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft

Wirtschaftsexperten waren lange optimistisch, was das Wachstum angeht. Jüngst gab es Negativmeldungen. Wie beurteilen Sie die Aussichten?

HÜTHER: Es gibt Hinweise auf eine Verlangsamung der Wachstumsdynamik. Die Euphorie ist gewichen. Auslöser sind die steigenden Energie- und Rohölpreise, der diffuse Kurs der Wirtschaftspolitik, der Arbeitskräftemangel und der Eurowechselkurs. Das hat unsere jüngste Befragung von Unternehmen ergeben. Die Ergebnisse sagen aber auch aus, dass die Investitionen nicht abreißen. Wer investiert ist zuversichtlich. Ich rechne also mit einer Fortsetzung des Aufschwungs, aber auf geringerem Niveau. Während das Wachstum in 2007 bei 2,5 Prozent lag, wird es in 2008 noch bei 1,9 Prozent liegen.

Laut Statistisches Bundesamt könnte die Inflationsrate aber erstmals nach 14 Jahren wieder die Drei-Prozent-Marke erreichen.

HÜTHER: Das gilt aber doch nur einmalig für November, vielleicht auch noch für den Dezember. Vergessen wir nicht, dass zum 1. Januar 2007 die Mehrwertsteuer erhöht wurde. Wir werden also jetzt im Januar erstmals auf der gleichen Zahlenbasis einen Vergleich zum Januar 2007 anstellen können. Sicher ist eine Inflationsrate von drei Prozent nicht schön, aber kein Grund zur Panik. Allerdings bleibt der Preisdruck, auch wenn die Kerninflationsrate in Ordnung ist.

Thema: Globalisierung. Müssen wir uns künftig darauf einstellen, dass Wachstumsmärkte wichtiger werden, und wir dadurch bei Engpässen das Nachsehen haben?

HÜTHER: Nein. Das würde ja voraussetzen, dass wir nicht mehr unsere Nachfrage-Befriedigung stemmen können. Wir haben aber doch die Kaufkraft. Wir müssen in der Tat aufpassen bei den Rohstoffen, auch im Agrarbereich, dass wir weiter zum Zug kommen. Der Markt wird bei Knappheit allerdings immer auf Substitution setzen. Unser Land beweist das mit Blick auf Energieknappheit mit einer herausragenden Energieeffizienz. Kurzum: Wir lernen, damit umzugehen.

Der starke Euro stellt uns als Exportweltmeister derzeit vor Probleme. Wie können Firmen dafür Vorsorge treffen?

HÜTHER: In unserer Umfrage belegte diese Sorge bei den Unternehmen den vorletzten Platz. Faktisch wird dies nur für Unternehmen zum Problem wie EADS, die in der EU produzieren und weltweit verkaufen. Die meisten Firmen betreiben aber eine weltweite Produktion. Sie federn dadurch auch Kurseffekte ab. Zudem gewinnt Deutschland durch stabile Nachfrage aus den Erdöl exportierenden Ländern. Der Euro ist nicht nur kein Problem, sondern durch die Stabilisierung in der Euro-Zone positiv. Nur extrem schnelle Schwankungen könnten solche Probleme verursachen.

Sind Wachstum und Wohlstand – wie von Ihrem Institut propagiert – im globalen Wettbewerb für eine Volkswirtschaft überhaupt dauerhaft zu realisieren? Oder müssen wir uns an weitere Einschnitte gewöhnen?

HÜTHER: Nein, das glaube ich nicht. Die stark werdenden Märkte in der Welt geben uns derzeit doch die Kraft. Wir leben gut davon, wenn andere reich werden und nicht arm bleiben. So verstehe ich auch Fortschritt in einer Freiheitsgesellschaft. Wettbewerb wird immer Wachstum erzeugen.

Das Gespräch ist Auszug eines Interviews, das Thorsten Garber für die Print-Ausgabe der absatzwirtschaft führte. Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen absatzwirtschaft 01/2008.

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