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Wie Amazon die Supermarkt-Welt auf den Kopf stellt: Will Bezos Online und Offline untrennbar verbinden?

Also nun doch: Amazon setzt nicht nur auf den Online-Lebensmittelhandel sondern investiert nun auch stark in den Einzelhandel. Die Übernahme von Whole Foods ist eine Wende für den Internetkonzern. Was erhofft sich Amazon? Und liegt der Online-Versand nun auf Eis? Eine Einschätzung vom Experten

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Von den 38.441 physischen Supermärkten in den USA hat so gut wie jeder mit dem Online-Verkauf zu kämpfen oder bietet es einfach überhaupt nicht an. Jeff Bezos, Amazon-Chef hat anscheinend einen Plan, um die Zukunft des Lebensmittelhandels neu zu gestalten: Mehr Technik, weniger Schlange stehen, bessere Zusammenarbeiten von Online- und Offline-Welt. Somit kaufte Amazon einen der vertrauenswürdigsten Marken im Bereich Lebensmittel: Whole Foods steht für  ökologisch-nachhaltige Ware in den USA. Die Bio-Kette wurde für rund 13,7 Milliarden US-Dollar verkauft. Den jüngsten Zahlen zu urteilen, gibt es 461 Lebensmittel-Supermärkte – 440 Geschäften in den USA, weitere 12 in Kanada und neun in Großbritannien. In dem Kaufpreis für Whole Foods enthalten: die rund 3,1 Milliarden US-Dollar Schulden. Rund 87.000 Mitarbeiter arbeiten bei der Bio-Laden-Kette. Was also denkt sich Bezos bei dem Kauf? Für den Online-Händler ist es der mit Abstand größte Zukauf seiner Geschichte.

Online und Offline verbinden

Immer mehr Onlinehändler probieren den stationären Handel aus: Selbst Zalando, Home 24 oder Mymuesli drängen in Deutschland in die Innenstädte. So eröffnete auch Amazon schon vorher einige Buchläden und schmiedet Pläne für kleine Hightech-Supermärkte.

Doch ist es nicht auch ein Eingeständnis, dass der Online-Lebensmittelhandel nicht funktioniert? Steht dahinter die Einsicht, dass sich bestimmte Waren wie Lebensmitteln nicht gut über das Internet verkaufen lassen? Oder ist es eine klare Strategie? Professor Dominik Große Holtforth, Leiter des E-commerce Instituts in Köln, ist sich sicher, dass es eine Strategie dahinter gibt. „Amazon will ‚Allesverkäufer‘ sein und stellt ‚Customer Obsession‘ in das Zentrum seiner Strategie. Das bedeutet, dass Amazon in den Kanälen Waren anbietet, die die Kunden favorisieren. Und bei Lebensmitteln ist sowohl in den USA als auch in Europa die stationäre Filiale nach wie vor der wichtigste Kanal. Hier kann Amazon seinen Einfluss durch den Zukauf deutlich vergrößern. Allerdings darf dieser Zuwachs nicht überschätzt werden. Whole Foods hat in den USA ca. 440 Filialen, der große Konkurrent Walmart in den USA ca. 10 Mal soviel, also über 4.600.“

Amazon Fresh mit zu vielen Nachteilen?

Amazon Frehs startete im Mai auch in Deutschlands Hauptstadt. Obwohl der Anteil der Nach-Hause-Lieferung von Lebensmittel in Deutschland heute noch gering ist. Weniger als ein Prozent des gesamten Lebensmitteleinzelhandels wird geliefert. Doch die Prognosen sind gut und Amazon Fresh könnte hier Vorreiter im Markt sein, sich womöglich auch eine Monopolstellung aufbauen. Für Prof. Stephan Rüschen, Studiengangsleiter Konsumgüterhandel der dualen Hochschule Baden-Württemberg und Professor im Studiengang BWL-Handel mit besonderer Spezialisierung auf den Bereich Food/Lebensmittelhandel ist klar: „Ich denke dass wir 2025 an die 10 Prozent-Marke rankommen können, was dann schon sehr viel wäre. Es ist ein angebotsgetriebener Markt, der Wachstumspotenzial hat. In Berlin gibt es jetzt schon drei Anbieter, das heißt der Druck steigt, weil alle bekannter werden wollen. Es bleibt spannend“. Bleibt es denn auch spannend, wenn Amazon nun in den stationären Handel investiert? Das Zukunftsszenario: Amazon könnte auch in Deutschland eine Supermarktkette kaufen, sie technologisch aufrüsten und somit für einen neue Konkurrenz auf dem Markt sorgen. Was passiert dann mit Amazon fresh? Bleibt es nur ein kleiner Nebenschauplatz? „Ich sehe nicht, dass die Akquisition von Whole Food Amazon Fresh in Frage stellt. Vielmehr dürften die Whole Food-Filialen Amazon Fresh ergänzen und auch die eine oder andere Synergie zulassen. Ich denke, dass Amazon beide Kanäle eigenständig entwickelt. Sicher werden Whole Food-Filialen digitalisiert, dabei kann Amazon auf Konzepte und Technologien ihres Muster-Stores Amazon Go zurückgreifen. Außerdem könnten die Filialen die Amazon Fresh Infrastruktur ergänzen, zB. als Rückgabestationen“, weiß Große Holtforth. „Allerdings dürfte auf Grund der Unterschiedlichkeit der logistischen Prozesse zwischen Filial- und Versandbetrieb auch die Logistik beider Kanäle im Wesentlichen getrennt bleiben.“

Fazit: Whole Foods ist groß genug, um als neuer Kanal im Amazon Portfolio eine Rolle zu spielen, aber zu klein, um die expansive Strategie bei Amazon Fresh zu ersetzen. „Es wird vermutlich eine Schnittmenge geben – ein Online Versand mit Filialanschluss und einen Filialbetrieb mit Online Innovationen“, ist sich Große Holtforth sicher. Es bleibt also spannend.

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Kommentare

  1. Was Amazon von Whole Organic Foods hat, ist die Verbindung der Kanäle, doch vielmehr noch excellentes Wissen über Einkaufskonditionen, Verbindungen direkt zu den Herstellern durch Mitarbeiter, welche diese teils seit vielen Jahren pflegen. Dazu genaue Statistiken, was an Biolebensmitteln in stationären Stores gut läuft, was weniger. Dies dürfte die Kundenorientierung von Amazon Online im Bio-Lebensmittelbereich zumindeste in den USA deutlich verbessern.
    Bernd Schüßler
    https://www.berndschuessler.de/kundenorientierung-optimierung.html
    Marketingagentur Freiburg

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