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„Wenn Frauen führen“

Gleichberechtigung sagt noch lange nichts über Gleichbehandlung aus. Noch immer sind Frauen in Führungspositionen nicht nur in der Minderheit; sie müssen auch um die ihnen entgegengebrachte Akzeptanz als Führungskraft in einem männlich dominierten Umfeld kämpfen. Liegt ein Grund dafür in ihrer sozialeren Körpersprache?

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Weibliche Körpersprache unterscheidet sich von männlicher in erster Linie nicht in der Bedeutung der Gesten, sondern vielmehr in deren Anwendung: Viele Positionen, die für einen Mann selbstverständlich – wenngleich längst nicht immer angebracht – sind, würde eine Frau schlichtweg nicht einnehmen. Beispielsweise jene, bei denen der Genitalbereich offen präsentiert wird. Dies gilt ebenso für typische Machtgesten, denn auch diese sind vorwiegend männlich: Kurze, knappe Bewegungen, die Ausweitung der eigenen sowie die fehlende Rücksichtnahme auf fremde Distanzzonen. Zusammen mit einem mechanischen Lächeln und einem reduzierten Blickkontakt sendet man damit Signale, die eindeutig den eigenen Machtanspruch unterstreichen.

Generell beanspruchen Männer mehr Platz und führen ihre Körpersprache raumgreifender aus. Demgegenüber ist die weibliche Körpersprache deutlich rücksichtsvoller und bescheidener: Sie enthält weichere Bewegungen und benötigt weniger Raum. So stehen beispielsweise die Füße einer Frau im Stand näher beieinander. Reicht sie ihre Hand zum Gruß, liegt dabei die Hauptbewegung ihres Arms im Ellbogen; beim Mann liegt sie im Schultergelenk. Ein Mann holt weiten Schrittes aus, Frauen neigen zu kleineren Schritten. Männer drängeln, stoßen und schubsen eher und fassen Frauen in Einzelfällen wesentlich selbstverständlicher an, als diese es tun würden – und als es ihnen angenehm ist! Diese Form der Nähe resultiert allerdings weniger aus Fürsorglichkeit, sondern weil Männer schlicht Besitz ergreifender agieren. Es ist hinlänglich bekannt, dass Frauen mehr soziale Eigenschaften und Fähigkeiten haben als Männer; entsprechend äußert sich dies eben auch in ihren körpersprachlichen Signalen.

Und das soll eine Rolle spielen?

Dass diese Unterschiede im Arbeitsalltag relevant sind, mag sich mancher kaum vorstellen können. Doch wie sollten sie nicht? Immerhin fällt der Körpersprache ein Anteil von mehr als 50 Prozent an unserer Wirkung zu – und verschiedenste wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen immer wieder, dass ihr Einfluss größer ist, als viele von uns wahrhaben wollen, geschweige denn, als uns bewusst ist.

Nehmen wir das Beispiel der 45-jährigen Vertriebsleiterin Martina W.: Immer wieder beschleicht sie das Gefühl, dass einige männliche Teammitglieder sie nicht so ernst nehmen, wie sie es als Führungskraft schlicht erwartet. Meist sind es Kleinigkeiten, banale Anordnungen, bei denen sie das Gefühl nicht los wird, dass es deutliche Unterschiede in der Reaktion ihrer Mitarbeiter gibt, je nachdem, ob sie von ihr oder einem männlichen Kollegen erteilt werden.

Was sie bislang nie beachtet hatte: Der männliche Vorgesetzte, der seinem Mitarbeiter eine Akte vorlegte und ihn bat, diesen Vorgang noch bis zum nächsten Tag zu erledigen, begleitete seine Order mit einem auf den Stapel weisenden Zeigefinger. Scheinbar ging auch Martina W. bei vergleichbaren Situationen so vor – allerdings wies sie mit der nach oben geöffneten Hand auf die Akte. Optisch wird der Unterschied schnell klar: Bei der männlichen Variante handelte es sich um einen – wenngleich freundlich vorgebrachten – Befehl, während Martina W.´s Variante eher eine Option andeutet, über die man mal nachdenken kann – wenn man Zeit dazu findet!

Über den Autor:
Jan Sentürk ist Experte für Körpersprache. Der diplomierte Pädagoge und ausgebildete NLP-Practitioner hat zahlreiche Artikel und Veröffentlichungen verfasst, darunter das Buch „Positive Körpersprache“. Er entwickelte und produziert den Video-Service „Online-Gestenkoffer“. Sein neues Buch zum Thema weibliche und männliche Körpersprache erscheint Ende 2011.

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