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Was sich ältere Kunden vom Einzelhandel wünschen

Lebensmittel-Einzelhändler in Deutschland berücksichtigen die Bedürfnisse älterer Käufer noch zu wenig. Nicht einmal jeder fünfte der in Deutschland von Nielsen befragten älteren Konsumenten (14 Prozent) gibt an, dass die Geschäfte alltagserleichternde Kriterien erfüllen. Zudem meinen nur 21 Prozent, dass sie Werbung finden, die ältere Menschen und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt.

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Eine globale Studie zum Thema Alter legt das Marktforschungsinstitut Nielsen vor. Bezüglich des Einzelhandels meinen nur 14 Prozent, dass Produkte in Regalen einfach zu erreichen sind. Senioren- beziehungsweise rollstuhlgerechte Eingänge finden 19 Prozent vor und 22 Prozent sagen, es gebe ausreichend Parkmöglichkeiten für Menschen mit Gehbehinderung. Die Hälfte der Befragten (49 Prozent) vermisst Sitzbänke für Ruhepausen, 57 Prozent sehen einen Mangel an Servicekräften, die Einkäufe zum Auto bringen, und 72 Prozent kritisieren, dass Geschäfte nicht ausreichend über motorisierte und dadurch leichter zu schiebende Einkaufswagen verfügen.

Kaufkräftige Senioren bieten Chancen für Handelsunternehmen

Ingo Schier, Geschäftsführer von Nielsen Deutschland, sieht Nachholbedarf für die Geschäfte – aber auch eine riesige Chance: „Wir wissen alle, dass die Gesellschaft immer älter wird. Händler, die sich rechtzeitig auf die Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe einstellen, haben die große Chance, sich auf dem Markt als kompetenter Anbieter zu positionieren und Kunden frühzeitig zu binden.“ Möglichkeiten gebe es viele – etwa, indem Supermärkte, ähnlich wie bei Baby-Artikeln, extra Regalreihen mit Produkten füllen, die ältere Kunden bevorzugt nachfragen. 39 Prozent der Studienteilnehmer hatten angegeben, dies zu vermissen, weitere 32 Prozent sagten aus, dass dieses Bedürfnis nur teilweise von den Läden erfüllt wird.


Gut lesbare Produktbeschreibungen vermissen die meisten Senioren.
Quelle der Grafik: Nielsen

Schon heute ist jeder fünfte Deutsche älter als 65 Jahre, Tendenz steigend. Ebenso wachsen die Lebenserwartung und damit die Zeitspanne, die ein Deutscher nach dem Eintritt in das Rentenalter gestalten kann. Und diesen „Unruhestand“ aktiv zu nutzen, das geben 59 Prozent der befragten Deutschen als eines ihrer obersten Ziele an. Noch höher fällt nur der Wunsch aus (90 Prozent), möglichst lange körperlich und geistig fit zu bleiben. „Den älteren Konsumenten ist es wichtig, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Zudem verfügen sie über eine erhebliche Kaufkraft und eine große Wirtschaftsmacht. Aufgrund dieser Kombination stellen sie für Händler und Hersteller wichtige Kunden dar“, sagt Schier.

Jeder Zweite möchte mit Würde und Respekt behandelt werden

Die Werbung vernachlässige diese Zielgruppe jedoch bisher. Nur ein Fünftel (21 Prozent) der Befragten in der Studie gab an, Werbung zu finden, die ältere Menschen und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Dass die ältere Generation eine adäquate Ansprache durchaus schätzen würde, zeigt eine andere Zahl aus der Studie: 50 Prozent der Deutschen und damit deutlich mehr als der europäische Durchschnitt (33 Prozent) wünschen sich, im Alter mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Dazu zählt auch die Wahrnehmung und Berücksichtigung der Interessen der Älteren als Verbraucher. Sie fühlen sie zum Beispiel allein gelassen bei Nahrungsmitteln, die sie für spezielle Diäten benötigen (42 Prozent).

Ebenso bemängeln sie, dass Supermärkte keine kleinen Packungsgrößen für Singlehaushalte vorhalten (44 Prozent). Und selbst wenn es solche Produkte gäbe – die überwiegende Mehrheit geht davon aus, dass Produktpackungen für ältere Menschen zu schwer zu öffnen und die Produktinformationen schwer lesbar sind (55 bzw. 59 Prozent). „Auch hier gibt es Chancen für Handel sowie die Produkthersteller, entsprechende Waren anzubieten und so die ältere Generation als besonders treue Kunden zu gewinnen“, betont Schier.

Den Lebensabend zu Hause verbringen

Möglichst lange unabhängig sein – dieser Wunsch spiegelt sich auch in der bevorzugten Wohnsituation der Älteren wider. Dabei sind die eigenen vier Wände bei mehr als der Hälfte der Befragten erste Priorität – entweder gemeinsam mit dem Ehepartner (33 Prozent) oder, falls nötig, auch mit Pflegepersonal, das ins Haus kommt (21 Prozent). Ein weiteres Viertel plant, in eine Einrichtung für betreutes Wohnen zu ziehen. Um dieses Leben meistern zu können, fehlt es jedoch nach Ansicht der Befragten weitgehend an entsprechenden Hilfsangeboten. Relativ gut sieht es mit Essen auf Rädern aus, das für 57 Prozent der Befragten ausreichend verbreitet ist. Ebenso geben 42 Prozent an, professionelle Hilfe bei der Einnahme von Medikamenten bekommen zu können. Häusliche Hilfe an sich sei schwer zu finden, sagen 36 Prozent. Mehr Unterstützung wünschen sich viele auch bei Krankenkassen und finanziellen Angelegenheiten (37 bzw. 40 Prozent).

Verglichen mit dem europäischen Durchschnitt scheint die Welt in Deutschland in Bezug auf das Angebot für ältere Menschen in Supermärkten zwar nicht rosig, aber immerhin auch nicht ganz schlecht zu sein. Verglichen mit ihren Nachbarn entpuppen sich die Deutschen allerdings als Familienmuffel: Nur 22 Prozent geben hierzulande an, im Alter mehr Zeit mit der Familie verbringen zu wollen – in Europa will mehr als jeder zweite (53 Prozent) seinen Lebensabend bevorzugt im Kreise der Lieben verbringen.

(Nielsen/asc)

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