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Warum glauben so viele Intellektuelle, der Kapitalismus würde uns alle zerstören?

Kapitalismuskritk ist en vogue. Manchmal hat man fast das Gefühl, dass schon zu hohe Einkünfte verwerflich sind. Aber echte Kapitalisten (wenn man sie überhaupt so nennen kann) nehmen nicht nur - sie geben der Gesellschaft auch etwas zurück.Eine gewöhnungsbedürftige, aber nicht abwegige Vorstellung, die so manchem linksangehauchten Intellektuellen auf den ersten Blick vielleicht sogar wehtut. Aber Vince Ebert macht eine interessante Rechnung auf.

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Neulich unterhielt ich mich auf einer Vernissage mit einem angesehenen Philosophen über die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland. Während ich mich über den soliden Konsum und die niedrigen Arbeitslosenzahlen freute, war der smarte Geisteswissenschaftler skeptisch.
„Wir haben viel zu viele Dinge, die wir nicht brauchen.
Wir müssen wieder lernen zu verzichten“, meinte er stirnrunzelnd und nippte an seinem Champagnerglas.
Aha.
Komischerweise reden immer nur diejenigen von Verzicht, die sich sowieso alles leisten können.
Freie Märkte, fiel ihm ein renommierter Soziologe ins Wort und griff nach den Shrimps-Kanapees, würden uns alle unweigerlich in den moralischen, ökologischen und sozialen Ruin treiben.
Ich nickte und dachte an meinen letzten Aufenthalt in der Schweiz.
Hatte ich doch dort mit eigenen Augen gesehen, wie erschreckend die Lebensqualität in Lausanne, Zürich oder Genf ist.
Da sollte sich der freie Markt mal lieber an Nordkorea oder Kuba ein Beispiel nehmen.

Warum nur sind so viele Intellektuelle in den Gedanken verliebt, der Kapitalismus würde uns alle zerstören?
Dazu ein kleines Beispiel: Zwei Bekannte von mir haben ihr Studium mit Auszeichnung gemacht.
Der eine, nette, war ein philosophisch interessierter Visionär mit einem tiefen Gerechtigkeitssinn.
Der andere war schon in der Schule ein oberflächlicher Materialist, der unbedingt Karriere machen wollte.
Nach dem Studium schließt sich der Idealist Greenpeace an, kettet sich an einen Mammutbaum, zerstört Genmaisfelder und hält Walfangboote mit dem Schlauchboot auf.
Der Yuppie hingegen wird Investmentbanker, verkauft faule Derivate und kassiert 500 000 Euro pro Jahr.
Versteuern tut er nur 300 000 – den Rest hinterzieht er.

Die Ironie an der Geschichte ist: Während der intellektuelle Weltverbesserer einen Baum gerettet hat, der drei Monate später gerodet wurde, und außerdem ein paar Bauern und Walfängern gehörig auf den Geist gegangen ist, hat das Arschloch im Designeranzug der Gesellschaft 150 000 Euro Steuern für Schulen, Straßen und Kultureinrichtungen eingebracht.
Von den unterschlagenen 200 000 Euro kauft er Autos, Schmuck und teures Essen, bezahlt seine Putzfrau, seinen Golflehrer und seinen Koksdealer.
Der engagierte Gerechtigkeitsfanatiker kostet nur, der entfesselte Turbokapitalist gibt – ohne, dass er das will – der Gesellschaft etwas zurück.

Das ist das Raffinierte am Kapitalismus. Man muss kein guter Mensch sein, um sich moralisch gut zu verhalten.
Denn Kapitalismus dient nicht einem höheren Zweck. Er ist das einzige Wirtschaftssystem, das keine Ideologie darstellt.
Wahrscheinlich ist es genau das, was viele Intellektuelle daran so stört. Auch ich dachte lange Zeit, Kapitalisten sind allesamt rücksichtslose, kaltherzige Menschen.
Mit 17 lud mich ein Schulkollege zu seinem Geburtstag ein. Da sein Vater Unternehmer war, wohnte er mit seiner Familie in einer ziemlich beeindruckenden Villa.
Ich betrat leicht angewidert die Eingangshalle, die so aussah, als ob jetzt gleich J.R. die Treppen herunterkommen würde, um Dinge zu sagen wie: „Sue Ellen trinkt wieder …“
Zu meiner Überraschung betrat ein zurückhaltender, älterer Herr den Raum, der sich im Laufe des Abends als weitaus sozialer, nachdenklicher und verantwortungsbewusster entpuppte, als alle meine Bekannten, die solche Menschen als „Kapitalistenschweine“ beschimpften. Nach diesem Abend beschloss auch ich, ein Kapitalist zu werden.
Verzeiht mir, liebe Intellektuelle …

Vince Ebert ist Physiker und Kabarettist und mit seinem Bühnenprogramm „Freiheit ist alles“ deutschlandweit auf Tournee. Er ist auch Kolumnist der absatzwirtschaft.
Tourdaten unter www.vince-ebert.de.

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Kommentare

  1. Die übliche, einseitige, beschönigende Sichtweise. Nun, solange der Blick über den Tellerrand ausbleibt, kann dieses menschenverachtende System für dieses Individuum durchaus in Ordnung gehen.

  2. Na und woher kommt das Geld das der Banker erwirtschaftet hat? Denn dieses hat er meiner Meinung nach nicht verdient. Dass bspw. ein Manager 400 mal so viel verdient wie der Durchschnittsangestellte des gleichen Unternehmens sehe ich nicht gerechtfertigt. Nur weile diese gezwungenermaßen einen Teil ihres Lohns abgeben müssen, macht es sie weder zu einem guten Menschen im Sinne der Moral, noch haben sie die Welt zu einem besseren Ort gemacht. Und diese Bilder (Shrimps, Cocktail) zeigen eigentlich nur, dass der Artikel auf unsachliche Art und Weise versucht ein so wichtiges Thema anzugehen. Allerdings möchte ich auch sagen, dass ich einen solchen Banker, Manager oder sonst einen Großverdiener nicht im Vornherein als moralisch schlechten Menschen betiteln würde. Es ist nun mal so, dass der Mensch kein reiner Altruist und meist auf sein Wohl bedacht ist. Solche Unsummen sind freilich sehr verlockend, so dass wohl auch ich sehr damit zu kämpfen hätte wer ich sein möchte, ein „Gutmenschen“ oder ein Milliardär, wenn ich in diesem Moment die Wahl hätte. Wenn ich aber die Wahl hätte zwischen letzterem, oder einem „Durchschnittsmenschen“ in einer fairen und nachhaltigen Welt, in der Bildung, Kultur, Moral, Frieden und das allgemeine Wohl jedes Menschen höchstee Güter sind und nicht das Wachstum des BIPs, fiele mir die Entscheidung durchaus leicht. Over and out

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