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Verzweiflungstat oder gut durchdachter Plan? Twitter weicht 140 Zeichen auf

Auf Sturzflug

Ende des ersten Quartals soll es soweit sein: Twitter hebt seine 140-Zeichen auf. Wann das Zeichenlimit von 10 000 Zeichen kommt, ist unklar, lange kann es aber nicht mehr dauern. Was bedeuten die Neuerungen für das angeschlagene Unternehmen?

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„Wir kommentieren keine Gerüchte und Spekulationen“, teilte eine Twitter-Sprecherin mit und wollte somit nicht bestätigen, dass Twitter nun doch Ernst macht: Das Netzwerk mit mehr als 300 Millionen Nutzern will die lange Tradition brechen und die 140 Zeichen aufheben, so berichtet es die Tech-Seite Recode. Vor zehn Jahren waren die ersten Tweets in dem damals gestarteten Dienst noch über SMS abgesetzt worden. Die daraus entstandene Längenbegrenzung von 140 Zeichen wurde einfach beibehalten. Der Nachrichtendienst will nun Fotos und Links nicht mehr als Zeichen zählen – die bislang rund 23 bis 24 Zeichen kosteten. Twitter gilt als kompliziert und für Laien schwer verständlich, dass weiß auch CEO Jack Dorsey und versuchte im letzten Jahr viele Änderungen durchzusetzen.

Zwei Gründe für die Abschaffung der 140 Zeichen

Passiert irgendwo auf der Welt ein wichtiges Ereignis, erfahren die Menschen zuerst auf Twitter davon, aber nur in 140 Zeichen. Labertaschen können keine endlosen Geschichten mit Füllwörtern über Twitter teilen, was viele Anhänger des Kurznachrichtendienstes lieben. Doch unpraktisch ist die Grenze schon.

Denn Erstens gibt es technisch gesehen keinen Grund mehr, auf 140 Zeichen zu bestehen. Im Gegenteil: Die Beschränkung könnte Nutzer von der Plattform fernhalten. Die Grenze erscheint künstlich – und ist sonst bei keinem anderen Netzwerk zu finden.

Zweitens: Es könnte ein Akt der Verzweiflung sein, denn Dorseys diverse Änderungen haben das Problem der Stagnation nicht gelöst. Der Dienst ist bei Journalisten, Aktivisten und Prominenten von Musik bis Sport sehr beliebt, doch die Verbreitung in der allgemeinen Bevölkerung hapert. Mehr Zeichen könnten andere Zielgruppen ansprechen. Der aktuelle Fokus auf Links und Bilder soll nun erst einmal helfen. Denn das Unternehmen hat untersucht, dass das Hinzufügen von Fotos, Links oder Videos die Wahrscheinlichkeit eines Tweets erhöht, von anderen Nutzern retweetet zu werden.

Änderungen regen die Twitter-Gemeinde auf

Zu Dorseys Neuerungen gehörte zum Beispiel die Einführung von privaten Nachrichten, die 10 000 Zeichen lang sein dürfen. Um die 140 Zeichen zu umgehen, fotografieren Nutzer bei wichtigen Anlässen den Bildschirm ab und fügen die entsprechende Textstelle als Bild hinzu (deutlich mehr als 140 Zeichen). Oder sie lassen mehrere Tweets, so genannte „Tweetstorms“ los. Nutzerfreundlichkeit sieht einfach anders aus.

Trotzdem hält Dorsey bisher an den 140 Zeichen fest, auch wenn Gerüchte immer wieder die Runde machen, dass das 10 000 Zeichen-Limit kurz bevor steht. Eingeschworene Fans des Dienstes machen ihrem Ärger unter dem Hashtag #RIPTwitter Luft, wollen die 140 Zeichen, Twitters besonderes Merkmal, behalten. Für Jack Dorsey ist jede Änderung ein Balance-Akt: er will neue Nutzer gewinnen, die teilweise eingeschworene Twitter-Gemeinde aber auch nicht vergraulen.

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