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Verlage sind keine Vermarktungsmaschinen

Der scheidende Gruner+Jahr-Vorstand Dr. Martin Schuster und Dr. Jürgen Althans, Leiter Personalmanagement, über die Zukunft der Verlage und des Medienstandorts Hamburg

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Könnte Gruner + Jahr auch in einer anderen Stadt seine Verlagszentrale haben?

Dr. Schuster: Hamburg ist heute unverändert ein sehr stark journalistischer Standort und das spielt eine große Rolle. Doch das Erfolgsrezept von Gruner + Jahr ist, dass wir ein multinationales Haus sind.

Dr. Althans: Die Ländergesellschaften sind sehr autonom und die Redaktionen und Verlagsabteilungen sind mit „Nationals“ besetzt. Wir tauschen uns aus, transferieren Ideen und Konzepte. Deshalb haben wir so große Zeitschriftenfamilien: zum Beispiel: „Gala“, die in Deutschland, Frankreich und Russland erscheint oder “P.M.“, das deutsche populärwissenschaftliche Magazin, hat Geschwister in Spanien, Frankreich, Russland, Polen, den Niederlanden und Italien.

Ist die geografische Lage denn wirklich vorteilhaft?

Dr. Schuster: Selbstverständlich spielt die Infrastruktur für die Standortfrage eine wichtige Rolle. Hamburg darf sich im Wettbewerb mit den anderen großen Kommunikations- und Medienzentren in Deutschland und Europa nicht ausruhen. Es gibt unverändert an der Elbe viel zu tun. Falsch wäre es z.B. zu sagen, wir haben uns in Hamburg für Olympia beworben, es hat nicht geklappt und das war’s. Hamburg muß vielmehr den Leistungswettbewerb annehmen und besser sein als andere Standorte. Hier ist noch einiges zu tun.

Augstein, Bucerius, Springer waren Verleger, die allein über die Ausrichtung ihres Verlages bestimmten. Heute entscheiden Vorstände und Geschäftsführer. Stirbt der Verleger als solcher aus?

Dr. Schuster: Nein, das glaube ich auf keinen Fall. Verleger haben heute vielleicht ein anderes Rollenverständnis. Und die Nachkriegsituation – also die Gründerjahre vieler Zeitschriftenverlage – war eine andere als die heutige Lage der Branchen. Wenn ich aber für unser Haus spreche, dann bedeutet Verlegertum das Zulassen von journalistischer Kreativität, ebenso wie Sensibilität und journalistischen Freiraum. Solche Rahmenbedingungen sicher zu stellen, ist eine unabdingbare Aufgabenstellung für verlegerisches Handeln.

Dr. Althans: …das verbunden mit dem ökonomischen Sachverstand, das daraus auch ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäft wird. Diese Verbindung ist wichtig, weil der wirtschaftliche Erfolg die Unabhängigkeit langfristig sichert.

Dr. Schuster: Dazu gehört nicht nur die Kraft zu entscheiden, sondern auch die Entscheidungen durchzuhalten, wie zum Beispiel eine Zeitung wie die FTD zu gründen und erfolgreich zu entwickeln.

Die Entwicklungsräder der Verlage stehen kaum still, bedingt durch den Wettbewerbsdruck, Marktanteile zu halten und auszubauen. Sind Verlage mittlerweile zu Vermarktungsmaschinen verkommen?

Dr. Schuster: Nein, das ist falsch. Ich bestreite, dass Verlage Vermarktungsmaschinen sind. Sie müssen immer auf die Ziele achten. Und das Ziel ist der Leser und der Anzeigenkunde. Doch ohne den Leser und ohne den Käufer werden sie keinen Anzeigenkunden gewinnen können. Also ist es das primäre Ziel der Leser und der Käufer. Doch der Leser wird nicht durch eine Vermarktungsmaschinerie verlockt, die FTD zu lesen, sondern durch die journalistischen Inhalte. Marketing ist ein Instrument, aber es ersetzt nie Inhalte.

Welche Wachstumschancen bestehen noch für Verlage?

Dr. Althans: Durch Community-Bildung, durch Ableger, durch Line Extensions und durch Innovationen bestehen unverändert Chancen, die Geschäfte weiter zu entwickeln. Der Leser möchte neue Ideen und neue Konzepte haben, das ist bei Medien nicht anders.


Das Interview führte Sandra Fösken.


Dr. Martin Schuster ist Mitglied im Plenum der Handelskammer Hamburg. Seine Position als Vorstandsmitglied Finanzen/Personal bei Gruner + Jahr AG & Co gibt er zum 30.9.2004 ab.

Dr. Jürgen Althans ist Leiter Personal- und Managemententwicklung bei Gruner + Jahr.

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