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„Unsere Silberpfeile sollen wieder vorne fahren“

Strategie Der neue Motorsportchef von Mercedes für das Rennstall-Team wollte „absatzwirtschaft“ zwar so kurz nach seinem Amtseintritt noch kein Interview geben. Doch zum Start der Formel 1- Saison am 17. März im australischen Melbourne beantwortete der verantwortliche Daimlervorstand Prof. Thomas Weber exklusiv fünf Fragen von Redakteur Thorsten Garber zu seinen Erwartungen inbesondere an den Wechsel von Norbert Haug nach 22 Jahren zu Torger Christian „Toto“ Wolff.

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Prof. Weber, welchen direkten Effekt in der bald beginnenden F1-Saison 2013 erhoffen Sie sich vom personellen Wechsel an Ihrer Motorsportspitze?

THOMAS WEBER: Ich bin davon überzeugt, dass Toto Wolff frischen Wind in unser Motorsport-Team bringen wird. Natürlich wollen wir unsere Silberpfeile so bald wie möglich wieder vorn sehen. Es wäre aber kontraproduktiv, schon jetzt zusätzlichen Druck aufzubauen und hochgestochene Ziele für die kommende Saison auszugeben. Wichtig ist, dass wir konzentriert weiterarbeiten, unsere Performance steigern, um dann 2014 ganz nach vorne zu fahren.

Welche Erwartungen haben Sie mittel- und langfristig an Ihr Motorsport-Team?

WEBER: Wir haben mit unserem Bekenntnis zum Formel 1-Engagement und wichtigen personellen Entscheidungen die Weichen für die Zukunft gestellt. Damit haben wir ein solides Fundament geschaffen, um unserem Team die notwendige Sicherheit und Perspektive zu geben. Klar ist aber auch, dass wir uns nicht in der Formel 1 engagieren, um über Jahre hinweg im Mittelfeld festzusitzen. Wir wollen regelmäßig um Siege fahren und im Titelkampf ein Wörtchen mitreden.

Sie haben das Renn-Urgestein Niki Lauda als neuen Gesellschafter mit zehn Prozent an ihrem Rennstall-Unternehmen beteiligt, Toto Wolff soll sogar mit 30 Prozent einsteigen. Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser deutsch-österreichischen Kooperation. Und stellt dabei die gleichzeitige finanzielle Beteiligung von Wolff am Williams-Team kein Problem für Sie dar?

WEBER: Nikis und Totos Beteiligungen sind in erster Linie ein Vertrauensbekenntnis zu unserem Team und unserem Unternehmen. Beide teilen die Vision von der wiederkehrenden Stärke unserer Silberpfeile und wollen den Weg dahin gemeinsam mit uns gehen. Dass Toto noch eine finanzielle Beteiligung an Williams hat, stellt sicher keinen Interessenkonflikt dar. Die Daimler Compliance-Vorschriften sind besonders streng, was mögliche Interessenskonflikte anbelangt – und Toto Wolff wird sich selbstverständlich an diese Regeln halten.

Sie sollen den Motorsport-Etat um 50 auf 200 Millionen Euro erhöht haben, um wieder Siege einzufahren: Inwieweit bringt der hohe finanzielle Aufwand einen Return on Investment?

WEBER: Zunächst kann ich ihnen sagen, dass wir unseren Gesamtkostenaufwand für die Formel 1 im Vergleich zu 2005 halbiert haben. Unser F1-Team „Mercedes AMG Petronas“ finanziert sich größtenteils aus Einnahmen, die über unsere Sponsorpartner generiert werden; außerdem über Einnahmen, die wir vom kommerziellen Rechteinhaber FOM erhalten. Die Gehälter aller Mitarbeiter – also auch die der Fahrer und des Managements – werden aus diesen Einnahmen bestritten. Daimler trägt die Kosten, die bei Mercedes AMG High Performance Powertrains in Brixworth für Konstruktion, Entwicklung, Aufbau und Einsatz des F1-Motors entstehen. Dieser Motor wird sowohl bei uns als auch bei zwei Kundenteams eingesetzt. Und was den Return on Invest angeht, hat beispielsweise allein der erste Silberpfeil Grand Prix-Sieg von China einen zusätzlichen TV-Mediengegenwert von rund 66 Millionen Euro in den weltweit wichtigsten TV-Märkten generiert. Zudem besteht ein Technologietransfer zwischen Straße und Rennstrecke. Dieser wird aktuell bereits beim SLS AMG Electric Drive praktiziert. Dessen Elektrik-Antriebsstrang wird als Joint Venture zwischen Mercedes AMG und unseren F1-Motorenspezialisten in Brixworth entwickelt.

Ihr Marketing- und Vertriebschef Jochen Schmidt sagte uns jüngst im Interview, eine Verjüngung von Mercedes sei „absolut gewollt“. Verschafft Ihr Auftritt in der Formel 1 der Marke auch die benötigte Jugendlichkeit?

WEBER: Auf jeden Fall. Mit Nico Rosberg und Lewis Hamilton haben wir zwei junge, sehr sympathische Fahrer, die die Marke global hervorragend repräsentieren und ganz klar zur Verjüngung beitragen.

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