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Spatial Economics: Wenn die räumliche Distanz kein Problem mehr ist, überdenken Mitarbeiter ihren Wohnort

Wenn Arbeitnehmer aufs Land ziehen

Die Industrienationen stehen vor der Herausforderung des Jahrhunderts. Die Entfernungskosten fallen dramatisch, Güter und Dienstleistungen lassen sich so günstig transferieren wie noch nie, lokale Produktionsstandorte ersetzen zentralisierte Fertigungsprozesse. Das hat Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle zahlreicher Unternehmen und Investoren - die aber sind sich der Gefahren noch nicht bewusst.

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Die Menschen und ihre Arbeitsstätten werden sich weiter voneinander entfernen. Unternehmen stellen sich mit kleinen, effizienten Produktionseinheiten schneller auf regionale Bedürfnisse ein, ihre Mitarbeiter werden aus den Vorstädten in ländlichere Gebiete ziehen. Diese neuen Ansiedlungsschwerpunkte bieten günstigeren Wohnraum, Nähe zur Natur und die Möglichkeit von Mehrgenerationenhäusern, die das Zusammenspiel von Beruf und Familie erleichtern. Die extrem gesunkenen Kosten der räumlichen Distanz (Spatial Economics) ziehen gravierende Veränderungen für Produktionsstandorte, Beschäftigungsschwerpunkte und eben auch der Mitarbeiterwohnorte nach sich.  Zu diesem Fazit kommt ihre aktuelle Studie „Spatial Economics: The Declining Cost of Distance“.

Arbeitnehmer können von überall arbeiten

Außerdem wird die Nutzung von Videokonferenzen und Internetschaltungen in der Arbeitswelt noch weiter zunehmen. Derzeit greifen 37 Prozent der Beschäftigten in den USA auf diese Form der vernetzten Kommunikation zurück, 1995 waren es acht Prozent. Schon innerhalb der nächsten zehn Jahre werden in der klassischen Pendlernation USA erstmals mehr Menschen auf dem Land leben als in den Vorstädten. Diese Entwicklung zeigt sich noch deutlicher in vielen europäischen Ländern. Dazu zählen Spanien, Italien und Frankreich. Deutschland hingegen bildet noch eine Ausnahme.

Auch der Handel kann sich anders ansiedeln

3D-Drucker, Drohnen und selbstfahrende Autos ermöglichen eine um bis zu 80 Prozent günstigere Auslieferung von Waren auf den letzten Metern. Kleine Handels- oder Gastronomiebetriebe können dank geringerer Kosten künftig mit 30 Prozent weniger Kunden profitabel arbeiten und sich weiter entfernt von Großstädten ansiedeln.

Die flexiblen Produktionsbetriebe in den Industrienationen können durch ihre nun wettbewerbsfähigen Preise den bisherigen Kostenvorteil vieler Niedriglohnländer ausgleichen. Die Notwendigkeit von Importen und Produktionsverlagerungen nimmt ab. Gerade die USA und Westeuropa dürften von dieser Entwicklung profitieren. „Das Erfolgsmodell für den Aufstieg vieler Schwellenländer, also exportgetriebenes Wachstum, unterdrückter Binnenkonsum und hohe Sparquote, funktionierte bisher, weil die Nachfrage der Industrienationen durch ihre billig produzierten Waren befriedigt wurde“, erklärt Sinn. „Doch die Spatial Economics werden die globalen Spielregeln verändern. In Zukunft werden Länder mit starker Binnennachfrage den Ton angeben“, so Walter Sinn, Deutschlandchef von Bain & Company.

Vier Handlungsfelder für Unternehmen und Investoren

Neben neuen Märkten und Geschäftsmodellen bringen die Spatial Economics auch andere Formen von Karriere und Lebensführung mit sich. Darauf müssen sich Unternehmen und Investoren einstellen und entsprechend handeln:

– Zukunftsgerichtet investieren: Immobile Vermögenswerte wie Büros, Einkaufszentren oder technische Infrastruktur verlieren an Wert, wenn Millionen Menschen aus den Vorstädten in ländliche Regionen umsiedeln. Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, sind die Bevölkerungswanderungen zu untersuchen und rechtzeitig neue, flexible Multistandorte zu schaffen.

– Produktions- und Lieferketten an sinkende Kosten anpassen: Unternehmen müssen auf die sich wandelnden Bedürfnisse der Konsumenten reagieren. Es gilt, alle Geschäftsbereiche zu analysieren, die besonders stark von den sinkenden Entfernungskosten betroffen sind, und rechtzeitig Alternativen auszuarbeiten.

– Neue Technologien testen: Das Top-Management muss sich an die Spitze dieser Entwicklung stellen und 3D-Druck, Lieferdrohnen oder Roboter in die Arbeitsabläufe integrieren. Denn es braucht Zeit zu ermitteln, welche der disruptiven Technologien sich in welchen Unternehmensbereichen einsetzen lassen.

– Mitarbeiter weltweit suchen und binden: Angesichts der massiven Bevölkerungswanderungen lassen sich Top-Talente nur noch schwer in einer Konzernzentrale bündeln. Stattdessen werden spezialisierte Teams, zum Beispiel Technik oder Finanzen, von verschiedenen Regionen aus arbeiten. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre weltweit tätigen Mitarbeiter auch virtuell ohne Reibungsverluste zusammenarbeiten können.

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