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Screenforce Days: Endlich zeigt das Fernsehen wieder seine Muskeln

Unter dem Label Screenforce Days haben sich erstmals seit 13 Jahren wieder fast alle wichtigen deutschen TV-Vermarkter zusammen geschlossen, um ihre neuen Programme zu präsentieren. Die Veranstaltung überraschte positiv mit einem guten Mix aus Unterhaltung, Information und Inspiration, Negativ einzig: die übertriebenen Sicherheits-Maßnahmen.

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Von Jens Schröder

Auch wenn insbesondere in den jüngeren Altersgruppen etwas weniger geschaut wird als in der Vergangenheit: Das Fernsehen ist das deutsche Massenmedium Nummer 1 – und wird es auch auf absehbare Zeit bleiben. Um sich auch bei den Werbe-Umsätzen diese Position zu sichern und nicht noch mehr an Google, Facebook, etc. zu verlieren, rauften sich die deutschen TV-Vermarkter zusammen und stellten ein Gattungs-Marketing-Event auf die Beine, das an alte Telemessen-Zeiten erinnert: die Screenforce Days.

Screenforce Days erinnern an Telemessen

Die Telemesse fand Ende der 1990er, Anfang der 2000er-Jahr ein Düsseldorf bzw. Köln statt und lockte am Ende über 5.000 Leute an. Im Jahr 2004 zogen die veranstaltenden Vermarkter IP Deutschland (RTL-Gruppe) und SevenOne Media (ProSiebenSat.1) dann die Notbremse, die Telemesse war Geschichte. Die Veranstaltung war zu einer teuren Materialschlacht geworden – mit Weltstars, Goodie-Bag-Exzessen und immer mehr Publikum, das nichts mit der eigentlichen Zielgruppe der Media-Entscheider zu tun hatte. 13 Jahre später finden in Köln die Screenforce Days statt – und erinnern dann doch etwas an die Telemesse, auch wenn die Veranstalter den Vergleich nicht mögen. Erneut präsentieren sich fast alle großen Vermarkter und Sender mit aufwändigen Programm-Screenings, fahren Stars auf und lassen es – nicht nur mit Pyro-Technik – krachen. So traten am ersten Tag die Fantastischen Vier auf, zudem sangen u.a. Samu Haber und Yvonne Catterfeld – am Klavier begleitet von ProSieben-Chef Daniel Rosemann. Messe-Stände, Goodie-Bags und anderer Schnickschnack fehlen hingegen im Vergleich zu früher.

Stefan Raab stellte alle anderen in den Schatten

Die Sensation des ersten Tages war natürlich Stefan Raab, der auf der Bühne die von ihm erdachte Erfinder-Show „Das Ding des Jahres“ präsentierte. Andere TV-Menschen wie Steffen Henssler, Kai Pflaume, Marcel Reif, Joko und Klaas oder Steven Gätjen verblassten angesichts der gelungenen ProSieben-Überraschung, von der selbst SevenOne-Mitarbeiter vorher nichts ahnten. Auch wenn Tag 1 dadurch zu einer Art One-Sender-Show wurde, gelang es auch anderen Kanälen, mit ihren Screenings zu punkten. Insbesondere für die kleineren sind die Screenforce Days – wie damals eben auch die Telemesse – eine große Chance, denn wo sonst bekommt man mal ein Fachpublikum aus 2.500 Leuten an einem Ort? Und Sender wie Sport1, der Disney Channel und Servus TV nutzten ihre Chance mit teilweise recht charmanten Screenings. Ein Faktor, der den Screenforce Days bei all dem Spaß mit neuen Programmen richtig gut tut, sind die Inspirationen, die man zwischen den Screenings bekommt. So redeten am ersten Tag u.a. Zeit-Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo, Werber Jean-Remy von Matt und Philosoph Richard David Precht. Das Interesse an den Vorträgen war genau so groß wie das an den bunten Screenings, die Denkanstößte verleihen dem Event auch abseits der Programm-News eine gute Prise Relevanz.

Sicherheits-„Konzept“ verbesserungswürdig

Was im kommenden Jahr definitiv verbessert werden sollte, ist das Sicherheits-„Konzept“. Das bestand nämlich vor allem darin, durch Flughafen-ähnliche Schleusen riesige Menschen-Staus am Einlass zu erzeugen, Menschen mit Taschen ohne Laptop zur Rezeption zurück zu schicken, während Menschen mit größeren Tauschen (mit Laptop) ihre Tasche mitnehmen durften. Verstanden hat das niemand. Und: Menschen-Ansammlungen vor Veranstaltungsorten – mit zum Teil an die 100 Meter langen Schlangen sind vielleicht genau das, was sich Terroristen wünschen würden.

Doch auch trotz dieses nervigen Details: die Screenforce Days 2017 sind eine tolle Veranstaltung, mit der das Medium Fernsehen endlich mal wieder gebündelt seine emotionale Kraft zeigt.

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