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„Ohne Verlängerungskabel wär`ich aufgeschmissen“

Worum geht es eigentlich beim Thema Elektromobilität? Dieser Frage geht Heinz Grüne, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Rheingold, auf den Grund, indem er mit seinem Elektro-Motorrad von Sylt bis zur Zugspitze durch Deutschland fährt. Bis zum 20. Mai sammelt der Psychologe auf seiner Tour Erfahrungswerte darüber, wie sich die Ladeprozedur derzeit tatsächlich bewältigen lässt. Nach den ersten fünf Tagen verrät Grüne im Kurzinterview bereits, welche positiven Überraschungen er durch das Experiment „Deutschland per Steckdose“ erlebt hat.

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Herr Grüne, wie anstrengend war die Suche nach Strom innerhalb ihrer ersten zwei Reisetage?

HEINZ GRÜNE: Ich bin inzwischen von Sylt nach Tarmstedt bei Bremen gekommen, auch wenn ich die Batterie meines Elektromotorrads zwischendurch immer wieder laden musste. Wenn man alleine fährt und die Leute freundlich anspricht, rollte mir bei Bauern, Imbissbetreibern oder Bäckereien mit Außengastronomie eine Welle von Sympathie entgegen. Überhaupt bin ich noch kein einziges Mal abgewiesen worden, wenn ich an einer Steckdose an der Außenwand oder per Verlängerung von innen nach außen gebracht etwa zwei Kilowattstunden Strom beziehen wollte. Man muss aber sagen: „Ich hab alles dabei, was dazu nötig ist.“ Ohne mein 20-Meter-Verlängerungskabel im Gepäck wäre ich aufgeschmissen. Dass alles so gut funktioniert, liegt auch daran, dass ich sozusagen ein Pionier auf dem Gebiet bin. Käme man mit einer Motorradgruppe des Weges und wollte zugleich ihre Batterien an einem normalen 220-Volt Haushaltanschluss aufladen, würde dieser das wohl nicht aushalten und würden die Bundesbürger nicht so tolerant sein. Das bringt einen aber beispielsweise dazu, darüber nachzudenken, wie Tankstellen oder auch ganz andere Formen einer Lade-Logistik aussehen müssten.

Welche Durchschnittsgeschwindigkeit fuhren Sie bisher und wie weit kamen Sie?

GRÜNE: Mit jedem Kilometer, den ich schneller fahre, geht die Reichweite geschätzt um einen Kilometer zurück. Das bedeutet, wenn man eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde bevorzugt, kommt man eben nur 25 Kilometer weit. Es ist ein komplett neues Fahrgefühl, weil die Angst immer mit fährt, dass man die nächste Möglichkeit zum Laden nicht erreicht. Der schönste Zustand ist, wenn alle sieben Leuchtioden der LED-Anzeige strahlen. Springen einem nur noch zwei ins Auge, kann die Maschine schon nicht mehr beschleunigen. Auch wenn ich leidenschaftlicher Fahrer schneller Räder bin, erwische ich mich jetzt oft dabei, dass ich denke: „45 Kilometer pro Stunde, mit denen ich dann 40 Kilometer weiter komme, sind fast ein bisschen viel.“

Was passiert mit Ihnen als Mensch und was taten Sie, während Ihre E-Motorrad-Batterie lud?

GRÜNE: Man verliert nahezu vollkommen das Zeitgefühl und man wird aufmerksamer gegenüber Dingen, die schaden oder nutzen. Außerdem darf man sich nicht gehen lassen. Die eiserne Regel lautet: „Bike first“, also das Laden des Motorrads geht vor. Wenn das Ladegerät erstmal leuchtet, bin ich glücklich. Dann erst schaue ich nach, wo es Getränke und eine Stärkung sowie eine gemütliche Stelle gibt – gestern war ich zum Beispiel auf einem Friedhof. Dieser Paradigmenwechsel hat sehr viel mit Entschleunigung zu tun. Das gilt auch für die Vorbereitung des Ladevorgangs und das muss man mögen.

Gibt es etwas, dass Sie bereits vermissen?

GRÜNE: Ich habe eine ganze Motorradtasche voll Elektronik wie einen Computer, eine Kamera, ein Blackberry und ein GPS-Gerät dabei. Das entspricht eigentlich meinem ganzen Büro. Ich vermisse selbst keine größere Batterie, denn die würde das Problem auch nicht lösen, nachladen zu müssen. Unabhängig davon sind wir wahrscheinlich noch mehr als fünf Jahre davon entfernt, dass man mit Elektromotorrädern eine Tagestour – ohne Ladeunterbrechung – unternehmen kann. Ich versuche allerdings das Erklimmen von Höhen zu vermeiden und fahre in Tälern entlang der Flüsse. Sonst sinkt die Reichweite zu extrem.

Was wäre denn das Schlimmste, was passieren könnte?

GRÜNE: Dass sie Leuchtioden auf einmal erlöschen und ich mit leerer Batterie da stehe. Dann wäre man noch viel mehr auf das „Goodwill“ der Mitmenschen angewiesen und müsste zur nächsten Steckdose auf einem Transporter mitfahren. Momentan ist der vielleicht größte Nachteil für Elektromotorradfahrer, dass die gelben Engel des ADAC in diesem Fall nicht an Ort und Stelle helfen können, den Elektroantrieb wieder flott zu machen. Da fühlt man sich noch wie ein Weltreisender in Nepal oder zurück in einer Esel- und Postkutschenzeit.

Das Gespräch führte Martina Monsees.

Mehr über Eindrücke, die Heinz Grüne auf seiner Fahrt sammelt, erfahren Sie unter
www.deutschland-per-steckdose.de und
www.facebook.de/deutschlandpersteckdose.

Wie es um das Marketing im Bereich Elektromobilität bestellt ist, lesen Sie zudem in der kommenden absatzwirtschaft (Ausgabe 6-2011).

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