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Krise dämpft Konjunkturerwartung

Die europäische Finanzkrise hat sich erneut zugespitzt. Je nachdem, wie stark die einzelnen Länder von dieser Entwicklung betroffen waren, fallen auch die Einschätzungen der Verbraucher aus – in Bezug auf die künftige Entwicklung der Konjunktur, der Einkommen sowie der Bereitschaft, größere Ausgaben zu tätigen. Schlecht ist die Stimmung nach Informationen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vor allem in den Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Italien. Und auch in den USA kommt die Wirtschaft nicht in Schwung.

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Die GfK-Studie „Konsumklima Europa und USA“ beruht auf Verbraucherinterviews und gibt einen Überblick über die Entwicklung von Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung der Konsumenten in zwölf europäischen Staaten und in den USA. In Europa ist die Finanzkrise in Form einer Verschärfung der Bankenkrise zurückgekehrt. Wie eng das Schicksal der Staaten dabei mit dem der Banken verknüpft ist, zeigt der Fall Spanien. Die EU hat einem Rettungspaket von 100 Milliarden Euro für die Regierung in Madrid zugestimmt, um ihre Finanzinstitute zu retten. Auch Griechenland und Irland haben bereits Milliardenhilfen erhalten, um ihre Banken zu stützen. Ob Krisenfonds und Konjunkturprogramme eine Entschärfung der Finanzkrise bewirken und ein Auseinanderfallen der Eurozone verhindern, werden die nächsten Monate zeigen. Entscheidend wird der Reformwille der betroffenen Länderregierungen sowie der jeweiligen Bevölkerung sein.

Deutschland: Befürchtungen und Zuversicht

Das sich eintrübende internationale Umfeld zeigt nun offenbar auch Wirkung bei den Konjunkturaussichten der Deutschen. Die Konsumenten befürchten offenbar, dass sich Deutschland über kurz oder lang dem Abwärtstrend im Euro-Raum nicht vollkommen entziehen kann. Vor allem für die Exportentwicklung bestehen durch die Rezession nicht unbeträchtliche Risiken auf wichtigen europäischen Absatzmärkten. Wachsende Beschäftigtenzahlen sowie im Vergleich zu den Vorjahren spürbar verbesserte Tarifabschlüsse lassen die Erwartungen an die weitere Einkommensentwicklung jedoch weiter steigen. Außerdem ist die Preissteigerung für die Lebenshaltung im Mai unter die psychologisch wichtige Schwelle von zwei Prozent gesunken. Dadurch sehen die Konsumenten ihre Kaufkraft gestärkt.

Italien tief in der Rezession

Die erneute Verschärfung der Finanzkrise hat die Wirtschaft fast jedes europäischen Landes überrascht. Allerdings gibt es mit Rumänien und Portugal auch zwei Lichtblicke. Am schlechtesten beurteilen die Italiener (minus 60,2 Punkte) und Tschechen (minus 57,1 Punkte) die Chancen auf wirtschaftliche Erholung. Am höchsten sind die Werte in Frankreich (minus 8,2 Punkte), Rumänien (minus 2,6 Punkte) sowie in Deutschland (3,0 Punkte). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei minus 35 Punkten. Die USA weisen ein Niveau von 21,2 Punkten auf.

Zum Sorgenkind der EU hat sich Italien entwickelt. Es steckt tief in der Rezession und es sieht nicht so aus, als würde es bald wieder herauskommen. Nachdem die italienische Wirtschaft im ersten Quartal 2012 um 0,8 Prozent geschrumpft ist, deuten erste Zahlen daraufhin, dass sich die schlechte Entwicklung auch im zweiten Quartal fortgesetzt hat. Die Konsumenten kappen ihre Einkäufe wie nie zuvor. Als Folge brechen die Umsätze der Wirtschaft weg. Und der Staat muss seine harten Sparprogramme durchziehen. Auch der Export ist derzeit keine Hilfe. Die Industrie ist auf dem Weltmarkt immer weniger präsent. Italien exportiert nur noch Waren im Wert von 375 Milliarden Euro.

Harter Sparkurs in Portugal

In Portugal hat sich die Konjunkturerwartung nur leicht verbessert, verzeichnet aber seit September vergangenen Jahres einen kontinuierlichen Anstieg. Zwar musste Portugal unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen, doch es nutzt die Hilfen und Reformvorgaben der EU, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Die Regierung verlangt ihrem Volk mit seinem Sparkurs harte Opfer ab: Kürzungen im öffentlichen Dienst, im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystem. Die Mehrwertsteuer stieg auf 23 Prozent. Ein Liter Super kostet wegen der Benzinsteuer mit 1,78 Euro mehr als in Deutschland. Vier Feiertage werden im Jahr 2013 wegfallen. Auf den meisten Autobahnen wird jetzt Maut kassiert; die Gesundheitskosten steigen aufgrund einer neuen Steuer. In der Gesellschaft gibt es jedoch keinen Konsens darüber, dass die europäische Rettungsaktion die Reformen einfordert, die notwendig sind. Viele umgesetzte Reformen werden nicht als erfolgreich angesehen. Dennoch hatten die Bemühungen Erfolg. Das Haushaltsdefizit von 9,8 Prozent im Jahr 2010 ist auf erstaunliche 4,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Jahr 2011 zurückgegangen. Der Tourismus wächst nach wie vor – wenn auch langsamer. Die Wirtschaft wird in diesem Jahr um rund drei Prozent schrumpfen.

Einkommenserwartung in Europa steigt

In vielen Ländern Europas rechnen die Verbraucher in den kommenden Monaten mit steigenden Einkommen, wenn auch häufig auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Indikator bleibt überwiegend konstant oder steigt sogar an. Die niedrigsten Werte verzeichnen Portugal (minus 33,7 Punkte), Griechenland (minus 48 Punkte) und Italien (minus 68 Punkte). Mit steigenden Einkommen rechnen die Österreicher (minus 1 Punkt), die Rumänen (1,6 Punkte) sowie die Deutschen (40,1 Punkte). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei minus 43 Punkten. Die USA weisen ein Niveau von 14,7 Punkten auf.

Hohe Arbeitslosigkeit in Spanien

Die Einkommenserwartung ist in Spanien in den vergangenen Monaten insgesamt betrachtet relativ stabil auf einem sehr niedrigen Niveau geblieben. Im März lag der Indikator bei minus 29,7 Punkten, im Juni bei minus 32,9 Punkten. Allerdings ist sie im Mai kurzfristig auf minus 43 Punkte abgesackt. Das drängendste Problem Spaniens ist die hohe Arbeitslosigkeit. Sie liegt inzwischen bei knapp 25 Prozent – der höchste Wert in einem Industrieland weltweit. Insgesamt glauben 60 Prozent der Arbeitslosen – egal ob jung oder alt –, dass es in den nächsten zwölf Monaten sehr unwahrscheinlich oder absolut unwahrscheinlich ist, einen Job zu finden. Durch die hohe Arbeitslosigkeit steigen auch die Staatsverschuldung und damit das Staatsdefizit immer weiter. Die Forderung der Europäischen Kommission an Spanien, die Verbrauchssteuern zu erhöhen, zeigt inzwischen offenbar Wirkung. Dies schlägt entsprechend auf die Kaufkraft der spanischen Verbraucher durch. Das ohnehin schon geringe Einkommen wird künftig noch weniger wert sein.

Kritische Situation in Griechenland

Die Einkommenserwartung der Griechen hat sich in den vergangenen Monaten von ihrem tiefsten Wert in diesem Jahr (minus 66,6 Punkte im Februar 2012) auf aktuell minus 48 Punkte verbessert. Die Situation ist jedoch nach wie vor äußerst kritisch. Die Arbeitslosigkeit liegt mittlerweile bei über 22 Prozent. Viele Bürger, die ihren Job noch haben, werden seit Monaten nicht mehr bezahlt. Die Wirtschaft verharrt tief in der Rezession und eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Griechen hegen jedoch offensichtlich die Hoffnung, dass nach den erneuten Wahlen im Juni (die erst nach dem Befragungszeitpunkt der Studie stattfanden) eine regierungsfähige pro-europäische Regierung an die Macht kommt. Sie soll in Verhandlungen mit der Troika erreichen, dass Griechenland bei der Erfüllung der Auflagen für die Hilfsmillionen mehr Zeit gelassen wird. Zudem wird derzeit die Kaufkraft der Verbraucher aufgrund fallender Preise vor allem bei Lebensmitteln und Elektrogeräten gestärkt.

Anschaffungsneigung relativ konstant

In den meisten Ländern Europas ist die Anschaffungsneigung relativ konstant auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau. In einigen Ländern ist sie in den vergangenen ein bis zwei Monaten gestiegen. Die Verbraucher befürchten im Zuge der europaweiten Konsolidierungsbemühungen weitere Steuererhöhungen. In einigen Ländern sind bereits Mehrwertsteuererhöhungen zum Beginn des nächsten Jahres beschlossen. Die Konsumenten sehen daher, dass es aktuell günstig ist, größere Anschaffungen zu tätigen. Allerdings besteht zwischen konsumieren wollen und konsumieren können noch ein großer Unterschied. Viele Bürger können sich größere Anschaffungen einfach nicht leisten, auch wenn es sinnvoll wäre, sie jetzt zu erwerben. Die niedrigste Anschaffungsneigung gibt es derzeit in Großbritannien (minus 42,3 Punkte), in Portugal (minus 43,2 Punkte) und in Griechenland (minus 45,2 Punkte). Am meisten konsumieren möchten die Bulgaren (8,5 Punkte), Österreicher (22,4 Punkte) sowie die Deutschen (32,7 Punkte). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei minus 23 Punkten. Die USA weisen ein Niveau von minus 9,6 Punkten auf.

Amerikaner hoffen auf wirtschaftliche Erholung

Um die Wirtschaft in den USA zu stimulieren, hat die Regierung kürzlich beschlossen, die Lohnsteuer von aktuell 4,2 Prozent das Jahr 2012 über beizubehalten. Das ist eine Reduzierung um zwei Prozentpunkte, die im Januar 2011 eingeführt wurde. Die Amerikaner sind offensichtlich insgesamt der künftigen Entwicklung ihrer Wirtschaft gegenüber deutlich positiver gestimmt als die Europäer. Zudem hoffen Sie in den nächsten Monaten auf eine Erholung am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenrate ist im April mit 8,1 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Januar 2009 gesunken. Der Indikator der Konjunkturerwartung ist seit August letzten Jahres von minus 3,9 Punkten kontinuierlich auf aktuell 21,2 Punkte gestiegen. Der Durchschnittswert für den bisherigen Erhebungszeitraum liegt bei neun Punkten. Hinsichtlich ihrer weiteren finanziellen Lage zeigen sich die US-Bürger dagegen etwas weniger optimistisch: Die Einkommenserwartung liegt aktuell bei 14,7 Punkten; der Durchschnittswert beträgt 20 Punkte.

Die Konsumlaune der Verbraucher ist schlecht, die Einzelhandelsumsätze in den USA sind im Mai zum zweiten Mal in Folge gesunken. Entsprechend ist die Anschaffungsneigung der amerikanischen Verbraucher in den vergangenen Monaten wieder gefallen. Im Juni erreichte sie nur noch minus 9,6 Punkte. Der Durchschnittswert beträgt minus sieben Punkte. Dabei sind die Amerikaner längst wieder in alte Gewohnheiten zurückgefallen. Weil Löhne und Gehälter kaum steigen, kaufen die Konsumenten wieder auf Pump. In den vergangenen Monaten nahmen sie so viele Kredite auf, wie seit zehn Jahren nicht mehr; die Sparquote sank auf das niedrigste Niveau seit Ende 2007.

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