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Kai Hiemstra sagt als Zeuge im Ruzicka-Prozess aus

Für Prozessbeobachter war es nur eine Frage der Zeit, wann Ruzickas früherer Förderer Kai Hiemstra vor dem Landgericht Wiesbaden als Zeuge erscheinen muss. 1984 wurde Aleksander Ruzicka von Hiemstra bei HMS, Hiemstra Media Service, eingestellt. Stetig von Hiemstra protegiert wurde Ruzicka zunächst COO und übernahm 1999 den Posten des CEO von HMS & Carat. Die Wege trennten sich im Jahr 2001 als Hiemstra seinen Posten als Chairman verlor.

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Spätestens nachdem Ruzicka auch Hiemstras Sohn bei HMS & Carat entließ, pflegten Ruzicka und Hiemstra eine öffentliche, und meist wenig subtil geführte Feindschaft. Hiemstra gründete im Herbst 2005 eine neue Mediaagentur namens Werbekraft und jagte seiner ehemaligen, inzwischen von Ruzicka als Aegis Media geführten, Mediaagentur einen ersten Großkunden ab: de Beukelaer. Einerseits war von bittersüßer Rache die Rede. Andererseits von Hausverbot bei Aegis Media am Kreuzberger Ring 19.

Kai Hiemstra würdigte seinen Protegé am Montag im Landgericht Wiesbaden kaum eines Blickes, obwohl Ruzicka keine drei Meter neben dem Zeugenstand die Anklagebank drückte. Aleksander Ruzicka registrierte jedes Wort von Kai Hiemstra äußerlich unbeeindruckt. Zunächst schilderte Kai Hiemstra wie er 1972 die erste deutsche Mediaagentur gründete, diese Stück für Stück an Carat Espace verkaufte, das Unternehmen jahrzehntelang Marktführer war, er Ruzicka förderte und ihn 1999 zum CEO machte, bevor Hiemstra im Jahr 2001 im Streit das Unternehmen verließ. Die Fragen des Gerichtes und besonders von Ruzickas Verteidiger Marcus Traut konzentrierten sich jedoch auf eine weitere von Hiemstra gegründete Mediafirma: die PLV Programm- und Lizenzvermarktungs GbR. Diese externe Mediafirma wurde in den 90er Jahren als Treuhandkonstrukt mit vier Treugebern gegründet. Darunter Kai Hiemstra, Finanzchef Hans-Henning Ihlefeld und zwei weitere der damaligen HMS & Carat nahestehenden Personen. Ruzicka behauptet, seine Treuhandkonstrukte Camaco und Watson nach diesem Muster zum Beispiel auch mit vier Treugebern, demselben Zweck und denselben Geldflüssen gegründet zu haben.

PLV sei eine „legitimierte Sparbüchse“ aus der, immer wenn es nötig war, Geld an HMS & Carat ging, so Hiemstra. So habe HMS & Carat zusätzliches Einkommen generiert. Die Renditevorgaben des Networks seien im Laufe der Jahre immer höher geworden. Über die Sparbüchse PLV hätten die darüber erwirtschafteten Gewinne nicht in der Bilanz der Mediaagentur ausgewiesen werden müssen, so Hiemstra. Der damalige Miteigentümer Aegis sei in das Konzept der PLV von Beginn an eingeweiht gewesen, da man sonst sehr schnell in den Verdacht der Veruntreuung gekommen wäre, führte Hiemstra aus.
PLV habe Ideen finanziert und gegenüber den privaten Fernsehsendern Programme vermarktet. Diese hätten das Film Fonds Modell der PLV mit Freispots bezahlt. Diese Freispots seien von PLV an HMS & Carat oder deren Kunden weitergegeben worden, so Hiemstra. Diese zusätzlichen Freispots seien dann von HMS & Carat auf eigene Rechnung verkauft, bei Kunden kapitalisiert oder beim Neukundengeschäft eingesetzt worden, um attraktivere Konditionen anbieten zu können. Bei den Gesellschaftern der PLV sei kein Pfennig verblieben. Das ging alles „in die Firma“ so Kai Hiemstra. Obwohl es sich bei PLV um eine strikt vertrauliche Treuhandfirma gehandelt hat, schilderte Hiemstra die Vorgänge als „völlig transparent“.

Hiemstra widersprach Ruzickas Einlassung zum Thema Informationsgewinnung. Das habe es bei ihm nicht gegeben, erwiderte er energisch. Kai Hiemstra äußerte, dass er nie jemanden dafür bezahlt habe, ihm Informationen zu beschaffen. Vielmehr hätte seine Agentur eine gehobene Stellung im Markt und er selbst aufgrund guter Arbeit einen guten Ruf in der Branche gehabt. Es wurde zwar zu Events wie Ballonfahrten in Worms, zum Golf oder in die Frankfurter Oper eingeladen. Externe Budgets für Kontaktmanagement oder Neukundenakquise habe es jedoch nicht gegeben, so Hiemstra. Das sieht Aleksander Ruzicka anders. Er ließ in einem Beweisantrag diverse Telefaxe, Memos und Anschreiben vorlegen, die das Gegenteil beweisen sollen. Darunter einen Beratervertrag mit einer privaten Firma von HMS Mit-Gründer William P. Dieser sei mit 2 000 DM pro Tag dotiert gewesen. William P. soll Kai Hiemstra genau berichtet haben was er gerade mit welcher Kontaktperson macht, dies in Gedächtnisprotokollen detailliert geschildert und abgerechnet haben. Gezielte Nachfragen von Hiemstra um Konditionen von Wettbewerbern bei Vermarktern zu erfahren, sollen sich auch in dem umfangreichen Beweisantrag befinden. Zur Verwunderung des Gerichts wurde Kai Hiemstra jedoch nicht direkt mit den Unterlagen konfrontiert. Der Beweisantrag wurde erst gestellt als Kai Hiemstra den Zeugenstand bereits verlassen hatte.

Auch der Geschäftsführer der Wirtschaftsdetektei Control Risks Deutschland wurde am Montag als Zeuge vernommen. Primärer Ansprechpartner für Hans-Jürgen S. war Andreas Bölte, so S. Er habe ihn gezielt auf ein intransparentes Firmennetzwerk rund um Emerson FF gestoßen, das von einem Vorstandskollegen betrieben würde. Bei weiteren Treffen auch mit Hans-Henning Ihlefeld sei man bei Aegis Media sehr gut über das zu hinterfragende Firmennetzwerk informiert gewesen, äußerte S. Genauer könne er das nicht mehr sagen, da alle Berichte bei Control Risks vernichtet würden, so S. Jedoch räumte er ein, dass fast alle dieser Berichte in englischer Sprache verfasst werden, da das Headquarter von Control Risks in London residiert. Andreas Bölte habe versichert, dass die Recherchen nicht für strafrechtliche Schritte verwendet würden, sondern arbeitsrechtliche Konsequenzen gegen seinen Vorstandskollegen geprüft werden sollen.
Erhellender gestaltete sich die Aussage von Sven T. Er führt heute die zu Havas Media gehörende Mediaagentur MPG Deutschland. Zuvor war er bis zum Oktober 2006 als Geschäftsführer und New Business Director bei Carat Wiesbaden tätig. In dieser Eigenschaft hat er den Vertrag zwischen der Werbeagentur ZHP und Carat unterschrieben. Carat habe sich damals über jeden Neukunden gefreut. Insbesondere dann, wenn mit diesen Neukunden ein Gewinn für Carat erwirtschaftet werden konnte. Das sei mit den Kunden von ZHP der Fall gewesen, so T. Die Anklage hält die anteiligen Rückvergütungen von außertariflichen Vorteilen von Carat an ZHP in 38 Fällen für Untreue. Oberstaatsanwalt Dr. Thoma hatte keine Fragen an Sven T.

T. führte weiter aus, dass es regelmäßiges Thema in Managementmeetings bei Aegis Media war, wer bei welcher Veranstaltung welchen Kundenvertreter oder potentiellen Neukunden betreut. Laut T. sollen dabei auch die Potentiale von eigenen Jagdevents und Sommersonnenwendfesten oder externen Veranstaltungen wie dem Rheingaumusikfestival besprochen worden sein. Diese Meetings seien in größerem Rahmen abgehalten worden, weshalb neben Aleksander Ruzicka auch die Finanzchefs Hans-Henning Ihlefeld und später Andreas Bölte, Carat Geschäftsführer Walter Litterscheidt, aber auch die zuständigen regionalen Geschäftsführer von Aegis Media aus Zentral- und Osteuropa anwesend gewesen sein sollen. Das Management sei gezielt angehalten gewesen, alle zugänglichen Kontakte zu nutzen, Veranstaltungen zu besuchen oder selbst zu initiieren, um sich bestmöglich in die Kunden hineinversetzen zu können, so T. Für ihn seien etwa die oft zitierten Sommersonnwendfeste im Haus von Aleksander Ruzicka Geschäftstermine gewesen. „Wenn ich nicht bei Carat gearbeitet hätte, wäre ich auch nicht dabei gewesen“, so T.

Am kommenden Montag müssen sich Andreas Bölte und Hans-Henning Ihlefeld erneut den Fragen des Gerichts stellen. Seit ihren Aussagen im August und den inzwischen erfolgten Einlassungen der beiden Angeklagten, sowie vieler neuer Zeugen, soll sich gesteigerter Bedarf an Nachfragen ergeben haben. Über die Einvernahme der Aegis Media-Spitze in London, von Jerry Buhlmann und dem inzwischen demissionierten Robert Lerwill, ist noch nicht entschieden worden. Die 6.Strafkammer des Landgerichts Wiesbaden hatte unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk angekündigt, diese Einvernahmen notfalls persönlich in einem Londoner High Court vornehmen zu wollen. Zudem plant das Gericht den vorletzten CEO der Aegis Group plc, Doug Flynn als Zeugen zu vernehmen. Dem Vernehmen nach soll Jerry Buhlmann einen Termin Mitte Dezember vorgeschlagen haben, an dem die Kammer jedoch nicht verhandelt. Der Prozess ist bis auf weiteres an jedem Montag angesetzt.
mz

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