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„Für gute Marktforscher wird es bei Ipsos immer einen Platz geben“

Mitte Oktober war bekannt geworden, dass die Ipsos-Gruppe das Marktforschungsunternehmen Synovate gekauft hat. Rund 600 Millionen Euro hat Ipsos dabei an das Agenturnetzwerk für Kommunikations- und Mediaberatung Aegis überwiesen, das schon seit einiger Zeit nach einem Käufer suchte. Ipsos gehört nun zu den Top-3 der Marktforscher weltweit. absatzwirtschaft sprach mit dem alten und neuen CEO von Ipsos Deutschland, Ralf Ganzenmüller, über die Auswirkungen des Deals.

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Was war die Idee des Kaufs von Synovate?

RALF GANZENMÜLLER: Die Akquisition von Synovate wurde von unserem Headquarter in Paris initiiert. Aus meiner Sicht kann ich dazu sagen, dass die Konsolidierung der Branche ja erstmal nichts Neues ist. Man kann auf diese Weise seine Schwächen beseitigen, indem man einen Wettbewerber kauft, der in einigen Dingen stärker als man selbst ist. Zudem kauft Ipsos Größe und Präsenz. Wir sind nun zum Beispiel in den Niederlanden, in Belgien und in Skandinavien vertreten. Wir schließen Lücken, wo wir bisher noch nicht so gut unterwegs waren. So sind wir zwar gut in Asien, aber Synovate ist noch besser. Zudem gewinnen wir weltweit 6 000 neue „Talents“, wie man im Englischen sagt.
Es kommen im Übrigen auch einige Tools dazu, die wirklich weltspitze sind wie Censydiam, ein morphologisches Tool für quantitative und qualitative Marktforschung, oder Marketquest, eines der größten Produkttesting-Tools weltweit, das millionenschweren Umsatz garantiert.

Wird sich das auch auf die Forschung und Entwicklung auswirken?

GANZENMÜLLER: Ja klar, durch die Economics of Scale können wir uns in Sachen Forschung und Entwicklung mehr leisten. Das ist gerade jetzt wichtig, wo sich die Welt rasend schnell verändert, insbesondere in der Marktforschung. Die Geschwindigkeit der Entwicklung akzeleriert und das hat nur mit Technik zu tun, weil sich die Rechnerleistung alle paar Monate verdoppelt. Das eröffnet Möglichkeiten, die zuvor nicht da waren und darauf muss man reagieren. Die daraus resultierenden Entwicklungskosten lohnen sich für ein Unternehmen mit 16 000 Mitarbeitern logischerweise eher als mit 10 000 Mitarbeitern.

Thema Mitarbeiter: Wird es Freisetzungen geben?

GANZENMÜLLER: Didier Truchot, Co-President von Ipsos, hat wortwörtlich in einer Telefonkonferenz gesagt, dass man ihn beim Wort nehmen kann, dass nicht Kosten gespart und Marktforscher freigesetzt werden sollen. Wir sehen uns selbst als Home of Researchers und für gute Marktforscher wird es bei Ipsos immer einen Platz geben. Freisetzungen wären auch absurd, weil man nicht nur Tools kauft, sondern vor allen Dingen Köpfe. Sie machen letztlich den Unternehmenswert aus. Wir würden bei Freisetzungen also Werte und Eigenkapital vernichten. Es heißt aber im Umkehrschluss auch: für Mitarbeiter, die nicht Researcher sind, sondern reine Manager – so etwas soll es in unserer Branche ja auch geben – oder die in Funktional- und Supportbereichen arbeiten, wird es sicher Konsolidierungseffekte geben. Dass man deswegen betriebsbedingt kündigen muss, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Es wird eher über natürliche Fluktuation geschehen. Aber eines ist auch klar: Wir haben viel Geld für den Kauf ausgegeben, um noch mehr Geld zu verdienen. Das wird sich dann hoffentlich auch im Aktienkurs niederschlagen.

Apropos Wertevernichtung: Den Namen Synovate wird es nicht mehr geben…

GANZENMÜLLER: Der Name Ipsos ist auch nicht schlecht und ich kann es verstehen, dass der Gründer, der auch immer noch Hauptaktionär ist, gerne seinen Namen weiterführen möchte. Aber ich persönlich finde es schade, weil Synovate eine coole Brand ist und ich habe einen riesigen Respekt vor der großen Aufbauleistung, da die Marke aus dem Nichts geschaffen wurde. Aber wir lassen die Werte der Marke Synovate, die sich aus den Namensteilen „Synergie“ und „Innovation“ zusammensetzt, weiterleben und wollen in der Kombination von beiden Unternehmen insgesamt „The better Ipsos“ werden.

Wie lange soll der Integrationsprozess dauern?

GANZENMÜLLER: Beide Organisationen werden bis zum Ende des laufenden Jahres so weitergeführt wie bisher. Allerdings werden wir sicherlich nicht mehr gegeneinander pitchen. Hier müssen sich die Kunden dann entscheiden, von wem sie gerne das Angebot hätten. Wir werden natürlich im letzten Quartal dieses Jahres anfangen, zusammenzuarbeiten. Klar müssen wir ein paar Entscheidungen treffen, wer das Ganze oder einzelne Teilbereiche leitet, welche Tools genutzt werden und wie wir die Economics of Scale heben können, wie wir unsere Prozesse harmonisieren sollen, um dann tatächlich auch am 1. Februar mit „The better Ipsos“ am Markt vertreten zu sein. Es wird dann nur noch eine Marke geben unter einer Leitung …

… die Sie haben werden …

GANZENMÜLLER: Ja, das ist jetzt letzte Woche von der Ipsos-Gruppe bestätigt worden.

Und wann sollen erste Ergebnisse sichtbar sein?

GANZENMÜLLER: Nächstes Jahr, aber alles unter der Voraussetzung, dass wir es schaffen, unsere besten Mitarbeiter zu halten – bei Harald Hasselmann, MD von Synovate, ist uns das glücklicherweise schon gelungen. Wenn wir da weiter erfolgreich sind, habe ich keinen Zweifel, dass die Kombination aus Ipsos und Synovate stärker sein wird als die beiden Teile alleine waren. Wenn wir stärker und effizienter sind – Ipsos Deutschland ist allein im vergangenen Jahr organisch um mehr als 15 Prozent gewachsen, Synovate um circa zehn Prozent – dann haben wir auch weiterhin eine gute Voraussetzung, um eine Erfolgsgeschichte zu schreiben.

Die Fragen stellte Christian Thunig.

Ralf Ganzenmüller ist CEO bei Ipsos Deutschland.

The better Ipsos – Der Merger in Zahlen

Ipsos steigt mit dem Synovate-Deal zum weltweit drittgrößten Marktforschungsinstitut auf hinter Nielsen und der Kantar Group, die zu WPP gehört. Damit sind IMS und die GfK auf die Plätze vier und fünf verwiesen worden. Der konsolidierte Umsatz beträgt 1,75 Milliarden Euro (1,14 Euro im Jahr 2010). Das neue Unternehmen ist in 84 Ländern vertreten. Auch in Deutschland wird es ab Januar 2012 nur noch Ipsos als Marke geben.

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