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„Die Marke Adobe muss sich ändern“

Europa-Präsident Mark Zablan sieht in der Außendarstellung seiner Marke noch Defizite, wie er am Rande der Europa-Konferenz der Digital Business Unit von Adobe absatzwirtschaft-Autor Frank Puscher verriet. An der inhaltlichen Positionierung und ehrgeizigen Wachstumszielen lässt Zablan aber keinen Zweifel aufkommen. Adobe sei auf dem richtigen Weg.

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Sie haben auf der Bühne das Zusammenwachsen der Workflows von Kreation und Marketing gezeigt. Warum gibt es kaum Kreative auf dem Adobe Summit? Gibt es da noch Silos in der Adobe-Struktur?

MARK ZABLAN: Das sind ein paar Kreative hier, aber die haben nächste Woche ihre eigene Konferenz. Diese Veranstaltung dreht sich mehr um die Frage, wie monetarisiert man die Kreation. Es sind schon zwei Welten.

Spiegelt das nicht auch das Problem wieder, das Adobe in der Vermarktung der Marketing Cloud haben könnte, nämlich dass sich die Kreativen gar nicht so gerne an die Workflows ihrer Kunden anbinden oder gar messen lassen?

ZABLAN: Es besteht zweifellos ein großer Bedarf an Beratung und Services. Das ist der Grund, warum wir so genannte Systemintegratoren zu unseren stärksten Partnern zählen. Die müssen den Kunden helfen, ihre Prozesse neu zu definieren – von der Kreation bis zur Ausspielung.

Wollen Sie selbst mehr Geld mit Services verdienen?

ZABLAN: Nein, das ist nicht unser Fokus. Wir verdienen irgendwo um die zwölf Prozent durch Services und dabei bleibt es.

Im Kreativ-Segment hat Adobe irgendwann die Tür aufgemacht zu kleineren, preiswerteren Produktvarianten, um kleinere Agenturen heranzuführen. Wird das auch mit der Marketing Cloud passieren? Wird es eine Marketing Cloud light geben?

ZABLAN: Ich würde nicht sagen, dass der Mittelstand bisher ignoriert wird. Wenn man die USA und Europa vergleicht, wirkt Europa wie ein Mittelstandssegment. Wir müssen also die kleinen und mittleren bedienen und sind erfolgreich damit. Unser Ziel ist es nicht, Light-Produkte auszukoppeln, sondern den Unternehmen dabei zu helfen, unsere Produkte zu verstehen, die Cutting Edge Technologie sind. Sie können den Zeh ins Wasser tauchen, indem sie mit einzelnen Modulen beginnen und dann hoffentlich weitergehen.

Die hohen Preise werden das verhindern.

ZABLAN: Nicht, wenn es uns gelingt, den Kunden den ROI zu zeigen. Das ist elementarer Bestandteil der Verkaufsstrategie: Wir müssen den Kunden zeigen, warum sich die Investition rechnet und am besten auch bis wann.

Ist es für die Vermarktung der Marketing Cloud nicht leichter, auf einzelne Bausteine zu fokussieren, als auf die große, übergreifende Systemarchitektur?

ZABLAN: Aus der Marketing-Perspektive heben wir das Big Picture hervor. Wir wollen bewusst hervorheben, dass die Prozesse verzahnt und komplex sind und dass es mit Insellösungen nicht getan ist. Wir werden das so auch nicht bewerben.

International betrachtet, wie reagieren die Märkte auf Ihr neues Angebot?

ZABLAN: Die Reaktionen auf die Web-Plattform sind sehr ähnlich. Was das Thema Analyse angeht, sind die USA etwas weiter vorn, aber Großbritannien und Deutschland holen auf. Und das Thema Media-Plan und -Optimierung behandeln alle gleich. Das ist – dank Search – lange genug in den Märkten vorhanden. Social Publishing ist eher über die Branchen zu unterscheiden als über die Länder. Japan ist eher aggressiv im mobilen Segment.

Ist die Wahrnehmung im Markt stark genug für Adobe als Marketing-Partner?

ZABLAN: Nein. Daran müssen wir arbeiten. Vor allem in Europa. Tatsächlich tendieren kleinere Märkte gerne dazu, bei nationalen Anbietern zu kaufen. Adobe hat eine sehr starke Marke, aber vor allem auf einer Seite, nämlich der kreativen Seite. Nein, es ist ganz klar, wir müssen hier die Wahrnehmung im Markt steigern. Wir müssen darstellen, was wir entwickelt haben, was wir akquiriert haben und wie wir das integriert haben.

Fehlt etwas im Marketing-Portfolio? Zum Beispiel CRM?

ZABLAN: Darüber sprechen wir offiziell eigentlich nicht. Aber offensichtlich fehlt uns etwas im E-Commerce-Bereich. Da spielen wir bisher nicht mit. Da schauen wir ganz genau hin.

Im Customer Relationship Management-Bereich sehen wir keinen Bedarf, selbst einzusteigen. Hier ergeben strategische Partnerschaften mehr Sinn.

Aqkuirieren oder selber machen?

ZABLAN: Beides. Wir schauen beides an.

Was ist das größte Wachstumsfeld für die nächsten Jahre?

ZABLAN: Es gibt Regionen, in denen wir bisher schwach vertreten sind. Hierbei versuchen wir, mit den dort ansässigen Kunden unserer Partner ins Gespräch zu kommen. Aber grundsätzlich muss man wohl sagen, dass das ganze Thema Marketing bei Adobe als Wachstumsmotor betrachtet wird. Der Markt kommt auf uns zu. Da sind jährlich hohe zweistellige Wachstumsraten möglich. Und das nicht nur durch Verdrängung, sondern weil die Kunden bereit sind, einfach mehr auszugeben.

Was ist der aktuell wichtigste Trend im Online-Marketing?

ZABLAN: Wir müssen vor allem auf die Smart-Devices schauen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Werbung unserer Kunden auch dort zu sehen sein wird.

Und für Mark Zablan persönlich?

ZABLAN: Ich bin jeden Tag aufs Neue fasziniert von meinem iPad. Das ist für mich gleichzeitig Arbeitswerkzeug, Kommunikationsmittel und das Gerät für den Medienkonsum. Etwas kleiner sollte es noch werden bei gleicher Leistung. Das würde mich freuen.

Das Gespräch führte Frank Puscher.

Lesen Sie außerdem seinen Bericht über die Europa-Konferenz in London: Kreation und Marketing wachsen zusammen.

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