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Astra-Motive als Negativ-Beispiele: FC St. Pauli verbannt sexistische Werbung aus dem Stadion

Gleich zweimal müssen die preisgekrönten Werbe-Motive der Hamburger Astra-Brauerei herhalten

Lange galt: Fußball und Herrenwitze – das passt. Spätestens seit der #Aufschrei-Debatte und der #MeToo-Diskussion sollten diese Zeiten aber vorbei sein. Der FC St. Pauli sieht das zumindest so und hat nun zusammen mit Pinkstinks ein „Regelwerk gegen Sexismus im Stadion” herausgebracht – inklusive einiger Negativ-Beispiele. Gleich doppelt vertreten: die Hamburger Biermarke Astra.

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Die Kiez-Kicker sehen sich in diesem Fall in einer Vorreiterrolle, immerhin seien sie der erste Verein Deutschlands, der mithilfe einer klaren Richtlinie sexistische Diskriminierung auch im Bereich der Vermarktung die rote Karte zeige, verkündet der Klub via Pressemitteilung.

Für die Sponsoren und Werbepartner hat der FC St. Pauli zusammen mit Pinkstinks eine Broschüre mit Regeln, Definitionen und konkreten Beispielen für sexistische Werbung erstellt. „Aus dem Stadion verbannt wird künftig Werbung, die Menschen als sexuelle Gebrauchsgegenstände darstellt, Menschen aufgrund ihres Geschlechtes bestimmte Rollen zuordnet oder ein generelles geschlechtsbezogenes Über-/ Unterordnungsverhältnis darstellt“, erklärt der Verein.

Die Negativ-Beispiele zeigen unter anderen eine Anzeige mit Atze Schröder, der eine Bratwurst hochhält. Dazu der Werbetext: „Danach müssen Gina und Lisa erst einmal in die Traumatherapie” oder eine Almdudler-Kampagne mit dem Claim: „Auch Männer haben Gefühle: Durst.”

Ein Ausschnitt aus der Broschüre, die die Kiez-Kicker zusammen mit Pinksticks aufgelegt haben

Gleich zweimal als Negativ-Beispiele herhalten müssen die preisgekrönten Werbe-Motive der Hamburger Astra-Brauerei. Mit dabei ist eine Anzeige, die das Hinterteil einer Stripperin und den Slogan „Tatsch-Screen” zeigt, sowie ein Motiv auf der ein „Bier mit Busendeko” (Pinkstiks-Beschreibung) zu sehen sind.

Auf den ersten Blick erweckt die Broschüre den Eindruck, als ob man sich an Astra, zumindest gefühlt das Lieblingsbier der Pauli-Fans, ganz schön abarbeite. Ein Eindruck, der jedoch täuscht. Denn die Verantwortlichen des Zweitliga-Klubs haben zuvor die Brauer um Erlaubnis gefragt, wie Astra-Sprecher Christoph Boneberg im Interview mit der Zeit Hamburg verrät.

„Der Zeitgeist hat sich geändert. ‚Neu: der Astra Tatsch-Screen‘ – das wäre kein Motiv, mit dem wir heute noch an die Öffentlichkeit gehen würden“

Dort erklärt er, dass es einfach zu Astra gehöre, mit Klischees zu spielen und gewisse Dinge nicht allzu ernst zu nehmen. “Wir machen Werbung mit Augenzwinkern. Das kommt bei vielen Fans gut an, wird aber auch teils kontrovers besprochen. Das ist uns bewusst, und deshalb haben wir der Nutzung sowie der Einordnung – vermeintlich sexistisch oder nicht – zugestimmt.”

Boneberg gibt aber auch zu, dass man heute das eine oder andere Motiv aus der Vergangenheit nicht mehr so nutzen würde. „Der Zeitgeist hat sich geändert. ‚Neu: der Astra Tatsch-Screen‘ – das wäre kein Motiv, mit dem wir heute noch an die Öffentlichkeit gehen würden.”

St. Pauli will mit den Maßnahmen die Diskussion bei allen Stadionbesuchern anstoßen, wie Präsident Oke Göttlich erklärt. Denn: „Auch wir beim FC St. Pauli müssen uns bei den Themen Sexismus und Homophobie gerade im Spannungsfeld dieses besonderen, heterogenen Stadtteils und trotz klarer Regelungen in unserer Stadionordnung ständig hinterfragen und ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Abwertung von Menschen senden.” Weiter schreibt er: „Dieser Schritt ist uns in Bezug auf die Auseinandersetzung mit uns selbst sehr wichtig, wohlwissend dass wir uns – gerade weil wir uns hier engagieren – bei möglichen, fehlerhaften Verhalten besonders angreifbar machen. Das ist ein Ansporn.“

Mit den neuen Regeln wollen die Kiez-Kicker nicht nur ihren guten Willen demonstrieren. Bei Verstößen soll gegebenenfalls vom Hausrecht Gebrauch gemacht werden, um diese künftig zu unterbinden.

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