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25 Jahre Mauerfall: Das gemeinsame Lebensgefühl heißt „Optimismus“

Die Ostdeutschen sind so optimistisch wie noch nie seit der Wiedervereinigung: 25 Jahre nach dem Mauerfall rücken sie in ihren Werten und Lebenszielen mit ihren Nachbarn im Westen immer näher zusammen, lautet das Fazit der Studie „Wertewandel Ost“ des Instituts für Demoskopie Allensbach. Nur 23 Prozent der Ostdeutschen sehen sich als Verlierer der Wiedervereinigung – dagegen betrachtet sich jeder Zweite als Gewinner.

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Im Auftrag der Strategie-Beratungsgesellschaft Zebra Consult befragten die Meinungsforscher rund 1.500 Ostdeutsche ab 16 Jahren und 1.100 Westdeutsche zu ihren Einstellungen, Lebenssituationen und Zukunftserwartungen. Die persönliche Einordnung der Befragten in den östlichen Bundesländern steht laut Studie in einem engen Zusammenhang mit der gegenwärtigen materiellen Situation. Jeder Zweite gibt an, optimistisch in die Zukunft zu schauen – das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung und der anschließenden Euphorie in den 1990er Jahren.

Ähnliche Lebensentwürfe in Ost und West

Die Skeptiker, die hier eher mit Befürchtungen in die nächsten Jahre gehen, sind mit 15 Prozent in der Minderheit. Auf einer Skala von 1 (unzufrieden) bis 10 (völlig zufrieden) bewerten die Bundesbürger im Osten ihre Zufriedenheit inzwischen mit 7 Punkten – wiederum ein Höchstwert seit der erstmaligen Allensbach-Messung im Jahr 1993. Der Wert liegt damit nahezu gleichauf mit dem Westen (7,3 Punkte). „Diese Übereinstimmung ist symptomatisch für das gesamtdeutsche Lebensgefühl im Jahr 2014“, sagt Ralf Sippel, Chef von Zebra Consult. Er betont weiter: „Egal, ob es um Wertevorstellungen, Prioritäten aber auch Ängste im Leben geht: Ost und West waren in Summe noch nie so nah beieinander wie jetzt.“

In ihren Lebensentwürfen lassen sich 25 Jahre nach dem Mauerfall kaum noch Unterschiede zwischen den beiden ehemals getrennten Teilen Deutschlands ausmachen. Soziale Beziehungen sind im Osten am wichtigsten, im Westen ebenso: Gute Freunde und eine enge Beziehung zu anderen Menschen finden 84 Prozent der befragten Ostdeutschen besonders erstrebenswert. Von den Westdeutschen führen dies 85 Prozent an. Gleich dahinter werden Familie (Ost: 82 Prozent, West: 78 Prozent) und glückliche Partnerschaften (jeweils 76 Prozent) genannt. Materielle Werte wie etwa ein hohes Einkommen folgen erst mit deutlichem Abstand.

Quelle der Grafik: Zebra Consult

Sorge vor Pflegebedürftigkeit und Kriminalität

Dieser gemeinsame Wertekanon spiegelt sich auch in den Antworten auf Fragen wie „Was gibt mir Sicherheit?“ beziehungsweise „Was bereitet mir Sorgen?“ wider: In Ost- und Westdeutschland gilt ein ausreichendes Finanzpolster als beste Maßnahme, um beruhigt zu leben – noch vor der Sicherheit, die das eigene soziale Umfeld aus Familie und Freunden bietet.

Im Gegenzug ängstigt die Bundesbürger in Ost und West gleichermaßen die mögliche eigene Pflegebedürftigkeit (jeweils 61 Prozent). Auch die Zunahme von Gewalt und Kriminalität, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie die unsicheren Renten gehören zu den größten Sorgen der Menschen im Osten und Westen der Bundesrepublik. Deutliche Unterschiede ergeben sich hinsichtlich struktureller Probleme in der eigenen Region: Drohender Ärztemangel, Wegzug junger Menschen und immer weniger Arbeitsplätze beschäftigen die Ostdeutschen weitaus mehr.

Wirtschaftliche Perspektiven für junge Menschen fehlen

Im Verlauf der letzten 20 Jahre haben sich die Unterschiede in der Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage in Ost- und Westdeutschland immer weiter verringert. Aktuell bewerten die Ostdeutschen die eigene wirtschaftliche Situation genauso positiv wie die westdeutsche Bevölkerung und so gut wie noch nie seit der Wiedervereinigung: 52 Prozent (Ost) beziehungsweise 54 Prozent (West) bezeichnen sie als gut oder sehr gut. Entsprechend machen sich immer weniger Berufstätige Sorgen um ihren Arbeitsplatz.

Als wesentliche Herausforderung, so zeigt die Studie, kristallisiert sich für die Zukunft das Schaffen wirtschaftlicher Perspektiven für junge Leute in der Region heraus: 61 Prozent sehen die Chancen junger Menschen, in der eigenen Region einen geeigneten Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, als weniger gut oder gar nicht gut an. „Hier besteht Handlungsbedarf“, erklärt Sippel: „Vor allem bei den Unter-30-Jährigen liebäugeln viele mit einem Umzug Richtung Westen – in der Hoffnung auf bessere berufliche Perspektiven sowie höhere Löhne und Gehälter.“ Politik und Wirtschaft seien hier gleichermaßen gefordert, die strukturellen Rahmenbedingungen für junge Leute zu verbessern – für einen nachhaltigen, dauerhaften Aufschwung Ost.

(zebra group/asc)

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