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„Dealer gesucht? Dann geh doch zu Netto!“ – Zucker- und Salz-Verbände üben scharfe Kritik an Discounter nach Koks-Vergleich

Netto versus Zucker- und Salz-Verbände

Netto setzte Mitte Juni auf eine provokante Zeile, die Salz und Zucker auf eine Stufe mit Kokain stellt. Der Discounter hatte angekündigt, den Zucker- und Salzgehalt in den eigenen Produkten weiter zu reduzieren. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker reagierte mit einer Anzeige in der aktuellen Lebensmittelzeitung und dem Spruch: "Dealer gesucht? Dann geh doch zu Netto!" Salz- und Zucker-Verbände sprachen mit absatzwirtschaft über die Anzeige und kritisieren Netto scharf.

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Von  und 

„Salz und Zucker sind gefährlicher als du denkst“, heißt es in der Netto-Werbung. „Deshalb haben wir bereits bei 100 Eigenmarken-Produkten den Zucker- und/oder Salzgehalt reduziert – und reduzieren weiter.“ Das Bild dazu zeigt vier weiße Linien aus Salz und Zucker, die eine deutliche Anspielung auf Kokain sind. Betitelt war die Werbung mit dem Spruch „Das weiße Zeug tut dir nicht gut.“ Auf der Facebook-Seite des Discounters erklärt das Unternehmen den Sinn der Kampagne. „Salz und Zucker kommen immer so unschuldig daher – und lecker sind sie ja auch, aaaaaaaber: in den letzten Jahren wurde immer klarer, dass sie auch gefährlich sind. Und deshalb haben wir bereits bei über 100 Eigenmarkenprodukten den Salz- und Zuckeranteil deutlich reduziert.“

Auf der dazugehörigen Aktions-Website „Weniger ist mehr“ erfährt der Kunde dann, dass bis 2021 in Gebäck, Süßwaren und nicht-alkoholischen Getränken „der Anteil an Salz und Zucker um bis zu 25 Prozent gesenkt werden“ soll. Bewusste Ernährung spiele in der Gesellschaft eine wichtige Rolle und Netto wolle seinen Beitrag dazu leisten. So sei der Zuckergehalt in der Vergangenheit um durchschnittlich zehn Prozent reduziert worden, beim Salzgehalt sind es 30 Prozent. Wie das Unternehmen diese Reduktion bewerkstelligt und ob womöglich andere Zusatzstoffe als Ersatz verwendet werden, wird dort nicht erklärt. Allerdings findet sich eine Antwort auf der Facebook-Seite von Netto auf die Nachfrage eines Nutzers. Das Social-Media-Team schreibt: „Die Rezepturen unserer Eigenmarken-Produkte im Rahmen der Zuckerreduktion wurden so verändert, dass auf Zuckerersatzstoffe verzichtet werden konnte.“

Zucker und Salz = Kokain?

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker, der Lobbyverband der Zuckerindustrie, hat auf die Anzeige von Netto reagiert und eine einseitige Anzeige in der aktuellen Lebensmittel Zeitung geschaltet. „Dealer gesucht? Dann geh doch zu Netto!“, lautet der Titel der Werbung, der den Claim des Discounters „Dann geh doch zu Netto!“ aufgreift.

In der Anzeige der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, wird Zucker als „ein gutes, traditionelles Produkt aus der Natur und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung“ beschrieben. Damit setzt sich Günter Tissen, Hauptgeschäftsführer Wirtschaftliche Vereinigung Zucker gegen die Botschaft von Netto zur Wehr: „Fakt ist: Lebensmittel sind keine Drogen. Mit der Anzeige diffamiert Netto nicht nur sich selbst als Teil der Lebensmittel-Wertschöpfungskette. Auch die 28000 deutschen Rübenanbauern und die 5000 Beschäftigten in Zucker erzeugenden Unternehmen sowie alle, die in der Lebensmittelwirtschaft Zucker und Salz verwenden, werden mit Drogen in Zusammenhang gebracht. Netto sehe offenbar Verbraucher als Drogenabhängige an. Tissen betont: „Lebensmittel auf eine Stufe mit Drogen zu stellen, schadet allen.“

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker möchte solchen Diffamierungen entgegentreten und verweist auf die Initiative „schmecktrichtig“ des Zuckerverbandes, bei der Zahlen und Fakten rund um das Lebensmittel geliefert werden. Auch der Verband der Kali- und Salzindustrie setzt auf Aufklärungsarbeit und bezeichnet sich selbst als wichtigste Informationsplattform zum Thema Salz. Dieter Krüger, Pressesprecher vom Verband der Kali- und Salzindustrie e. V. in Berlin, kann die Gleichsetzung von Salz und Kokain nicht verstehen: Es gibt die medizinische Tatsache, dass der menschliche Körper Salz benötigt, um seine Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Er kann Salz nicht selbst bilden. Wir sorgen über unsere tägliche Nahrungsaufnahme automatisch für eine ausreichende Menge an Salz.“

Schädlich sind Zucker und Salz in Übermengen

Wissenschaftler aus den USA und Australien wollen allerdings schon 2011 herausgefunden haben, dass bei Drogen wie Kokain, Heroin & Co. die gleichen Regionen im Gehirn beeinflusst werden, die auch für das Verlangen nach Salz verantwortlich sind. Klar ist aber auch, dass die Intensität der Drogenabhängigkeit bei Heroin und Kokain um ein Wesentliches höher ist. „Dass viele Lebensmittelhersteller mittlerweile ihre Rezepturen überdenken und sie den gesundheitspolitischen Forderungen anpassen, ist an sich nichts Neues. Der Facebook-Post von Netto ist natürlich auch dem Medium selbst geschuldet. An den Kommentaren ist ja schon abzulesen, dass die Verbraucher durchaus in der Lage sind, die unsinnige Assoziation zwischen Salz und Drogen zu erkennen“, erklärt Krüger.

Wehrt sich der Salz-Verband gegen solche Anzeigen und Spekulationen? Kann das hilfreich sein? „Unseren Konsumenten ist mit Sicherheit klar, dass Salz kein gefährlicher Stoff ist.“ Salz rette Leben, erklärt Krüger und verweist auf die Kochsalzlösung in Infusionen. „Der Facebook-Post leistet genau das, was er vermutlich soll, Aufmerksamkeit auf die Produkte von Netto zu lenken. Dass unsere Speisesalze auch in den Regalen von Netto stehen, ist dem Social-Media-Team wohl entfallen“, sagt Krüger.

Zuckerlobby reagiert auf Anzeige von Netto

Aus wissenschaftlicher Sicht ergeht es Zucker ähnlich wie Salz: Dass ein überhöhter Konsum schädliche Kurz- und Langzeitfolgen hat, zeigen diverse wissenschaftliche Studien. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass die tägliche Kalorienzufuhr aus nicht mehr als ein Zehntel Zucker bestehen sollte, weniger sei sogar besser. Tatsächlich zeigt eine Recherche bei Zeit Online, dass Deutsche im Schnitt 20 Prozent ihrer Tagesbedarfs an Kalorien in Form von Zucker zu sich nehmen.

„Lebensmittel sind keine Drogen und machen auch nicht abhängig. Das hat der im Auftrag der EU tätige Forschungsverbund NeuroFAST in seinem ‚Consensus Statement‘ zum Thema Lebensmittelabhängigkeit bestätigt“, erläutert Günter Tissen von der Zucker-Vereinigung. An der NeuroFAST beteiligen sich die Universitäten Cambridge, Edinburgh, TU Dresden, Duisburg-Essen, Bologna, Aberdeen, Göteborg, Utrecht und Santiago de Compostela. Das Ergebnis zeigt: Es gibt keine Hinweise dafür, dass Nahrungsmittel oder ein bestimmter Nahrungsmittelbestandteil eine Substanzabhängigkeit hervorruft.

Am Ende wird sich die Marketingabteilung von Netto trotz der Faktenlage darin bestätigt sehen, dass im Social-Media-Kosmos steile und provokante Botschaften immer noch am besten ziehen. Denn der Zucker-Salz-Post ist mit rund 1300 Shares und knapp 2000 Kommentaren der erfolgreichste der vergangenen Monate und nach der Kampagne #DerWahreOsterhase sogar auf Rang 2 der Netto-Jahres-Rangliste.

 

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Kommentare

  1. Die getroffenen Hunde jaulen auf. – Zucker und Salz sind selbstverständlich Suchtstoffe in der Nahrung und werden dort auch bewusst so von der Lebensmittelindustrie neben Fett eingesetzt.
    Fett, Zucker und Salz machen in Übermengen krank. Dass zu viel davon verbraucht wird, zeigt ja schon die Statistik. Die Panscher in den Lobbyverbänden fürchten um ihre Gewinne, die sie auf dem Rücken der Verbraucher machen. Deswegen wurden ja auch Milliarden an Euro in Kampagnen investiert, um auf EU-Ebene die Lebensmittelampel zu verhindern. NETTO, der Billigableger von EDEKA macht hier einen guten Job. Nicht jeder Verbraucher ist so aufgeklärt, oder ernährt sich und seine Kinder so bewusst, dass langfristig kein Schaden entsteht. – Ich geh jetzt zu NETTO. Danke.

  2. Ohne diese Stoffe schmeckt eben fast nichts mehr.. Außer das was eben doch natürlich ist und gegessen werden kann.

    Salz ist besonders suchterzeugend. Isolierte Öle und Fette sind auch sehr schnell süchtigmachend und vor allem wunderbare Mittel, um Dinge die gar nicht wirklich schmecken, schmackhaft zu machen.

    Der isolierte Zucker ist ebenfalls ein starkes suchtmanendes Mittel. Damit ist nicht der natürliche Zucker in Obst und Gemüse gemeint, den man direkt als Ganzes isst, wenn man z.B. eine Möhre isst.

    Den Test das man süchtig ist und das ist praktisch jeder, kann man selbst durchführen. Man isst mal 2 Wochen kein Salz, oder Produkte die Salz enthalten, keinen isolierten Zucker oder Produkte und außer ein paar Nüsse am Tag auch keine Öle, Fette, oder Butter bzw. Produkte die damit versehen sind.

    Erstens schmeckt wie gesagt der ganze Krams nicht mehr und Zweitens wird man sehen, dass man wie ein Abhängiger nach ein paar Tagen beginnt zu gieren und egal was man isst, Hauptsache es enthält am Ende diese Stoffe.

    Beim Zucker kommt man mit rohen Früchten noch relativ leicht darüber hinweg, aber beim Salz ist es ungleich schwerer und auch das verlangen nach vielen Fetten ist nicht unüblich beim Test, wobei das mit Nüssen am Abend gut gestillt werden kann, aber vorsicht. Nüsse nicht mit Früchten kombinieren, das ist ungesund und macht zudem schnell dick.

    Das Interessante dabei ist. Hat man erstmal 2 Wochen überstanden, geht das Verlangen mehr und mehr weg und man braucht es auf einmal gar nicht mehr.. Wie bei einer Sucht..
    Das Problem tritt auch bei allen Käse bzw. Milchprodukten schnell auf auch deswegen weil neben Salz, Fett opiatähnliche Stoffe enthalten sind, die den Nachwuchs an die Mutter binden soll und es kommt auch bei erhitzen Kohlenhydraten vor, wie Teigwaren, Kartoffeln, Reis usw.
    Generell ist jede erhitze Speise leicht suchterzeugend, was sehr erstaunlich ist.

    Es ist kein Geheimnis, dass Industrien ja nur deswegen existieren, weil sie Produkte verkaufen. Das diese dann behaupten, dass diese Produkte lebensnotwendig seien und der Mensch es braucht, ist nur eine logische Konsequenz.
    Wenn man etwas recherchiert, sieht man ja, dass es noch gar nicht so lange her ist, da gab es diese Produkte gar nicht, weil es einfach unmöglich war sie zu erzeugen, oder zu transportieren. Milchwirtschaft konnte erst durch Zugverkehr und Kühlung so erblühen z.B.

    Die beste Ernährung ist die, die so natürlich wie möglich gegessen wird und man dabei nicht so stark mischt.
    Wasser trinken ist wichtig und Sonnenschein, zeitig schlafen gehen rundet die Sache ab.

    Je mehr man sich gegen die Naturgesetze wendet, je zeitiger und schlimmer werden die Folgen sein.
    Unser ganzes System müsste sofort gewandelt werden, für den Menschen und nicht für Profite weniger, die dann den Planten ausplündern, die Menschen stetig unterdrücken und sich in Politik und Gesetzgebung einmischen..

    Je eher wir nein sagen, desto größer sind die Chancen das die Menschheit auch noch in 150 Jahren im Einklang mit der Natur und sich selbst lebt bzw. leben kann..

    Auf dem Weg den wir jetzt beschreiten, ist das einfach unmöglich, da muss man nicht mal groß ein Experte sein um das zu erkennen und die Folgen abzueilten.

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